• 01.06.2004, 17:15:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Museumschef auf politischem Parkett" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 02.06.2004

Wien (OTS) - So haben wir uns die Privatisierung immer
vorgestellt: Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums,
kassiert ein Gehalt von immerhin 230.000 Euro jährlich und hat ein
reich dotiertes Repräsentationsbudget.
Für so viel Geld darf der Staatsbürger beste Arbeit und korrektestes
Verhalten erwarten. Genau das aber lässt Wilfried Seipel laut
jüngstem Rechnungshofbericht vermissen. Vor einem Jahr hat er
offenkundige Schwächen der Sicherheitsanlage so lange ignoriert, bis
eines der wertvollsten Stücke - die so genannte "Saliera" im Wert von
rund 50 Millionen Euro - gestohlen wurde: Die Nachtwächter waren der
dutzendfachen Fehlanzeigen müde und reagierten nicht auf den
ausnahmsweise echten Alarm.
Seipel ließ der Diebstahl ebenso kalt wie die anderen Vorwürfe der
Prüfer: Sie werfen ihm die Vermengung privater und dienstlicher
Interessen im Zusammenhang mit Kunstankäufen und bei der Anschaffung
eines Dienstwagens sowie selbstherrliches Verhalten vor. Unter
anderem wurden Bilder ins Ausland verliehen, die nach Ansicht von
Experten aus konservatorischen Gründen das Haus nicht verlassen
dürften.
In der "echten" Privatwirtschaft würde der Generaldirektor ziemliche
Probleme bekommen, wenn diese Vorwürfe stimmen. Seipel hingegen
ignoriert die Kritik und sieht sich einfach "im Zielpunkt politischer
Rechnungen".
Der Museumsdirektor gilt als Liebkind von Kanzler Schüssel und
Kulturministerin Gehrer. Der Verdacht politischer Intrigen ist also
durchaus nahe liegend. Gerade deshalb wäre überkorrektes Verhalten
beider Seiten dringend notwendig. Andernfalls erweisen Seipel, Gehrer
& Co nicht nur dem Museum, sondern auch allen Privatisierungen einen
schlechten Dienst.

OTS0196    2004-06-01/17:15

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