- 27.05.2004, 12:43:56
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"147 - Rat auf Draht": Kompetente Anlaufstelle auch bei Essstörungen
Wien (OTS) - Eine 17-jährige Oberösterreicherin ist in ihrem Bett
verhungert, während Behörden, Nachbarn und Familie von dem Problem
gewusst haben dürften. Insgesamt leben in Österreich rund 200.000
Menschen, die von Essstörungen betroffen sind - insbesondere
Jugendliche, vor allem junge Mädchen, gelten als gefährdet. Die
ORF-Notrufnummer für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen,
"147 Rat auf Draht", ist eine Anlaufstelle für alle jugendrelevanten
Themen und bietet auch Beratung bei Essstörungen an. Nicht nur
Betroffene selbst, auch deren Angehörige können sich rund um die Uhr,
anonym und zum Nulltarif, aus ganz Österreich an die ORF-Hotline
wenden.
Im Jahr 2003 fanden 222 Beratungen zum Thema "Essstörungen" und
564 zum Thema "Gewicht und Körpergröße" statt. Neben den sehr häufig
gestellten Fragen wie "Ich fühle mich zu dick, was kann ich denn
dagegen tun?" oder "Wie kann ich abnehmen?" rufen auch immer wieder
Mädchen an, deren Essprobleme schon in den klinischen Bereich fallen.
Sie leiden an Bulimie, Anorexia Neurosa, oder an Esssucht.
Hilferuf der Seele
Wichtig hierbei ist es, festzuhalten, dass Essstörungen kein
Ernährungsproblem sind, sondern seelische Erkrankungen. Es hat daher
wenig Sinn, an die "Vernunft" der Klientinnen und Klienten zu
appellieren, sie mögen doch endlich wieder "normal" essen. Essen oder
"Nichtessen" stellen lediglich Hilfsmittel für die Betroffenen dar,
ihre seelischen Krisen zum Ausdruck zu bringen. Diese seelische Krise
muss entschlüsselt werden, auch wenn diese von den Betroffenen
anfänglich verleugnet wird.
Essstörungen rechtzeitig erkennen
Oftmals sind Familie, Freunde und gesellschaftliches Umfeld
überfordert, die Anzeichen krankhafter Essstörungen rechtzeitig zu
erkennen und zuzuordnen. "147 - Rat auf Draht" kann hier Aufklärung
leisten: Was sind die Merkmale einer Essstörung?
Bulimie (Ess-, Brechsucht): Heißhungeranfälle, bei denen große
Mengen an Nahrung verschlungen werden, mit anschließenden Maßnahmen
zur Vermeidung einer Gewichtszunahme wie willentliches Erbrechen,
Hungern, sowie Einnahme von Abführmitteln. Es besteht eine krankhafte
Furcht, dick zu werden. Bulimikerinnen verstecken ihre Krankheit, die
oft mit einer Diät beginnt. Meist handelt es sich um nach außen hin
selbstbewusste, beliebte Mädchen, die sich innerlich verzweifelt und
leer fühlen.
Anorexia Neurosa (Magersucht): Zu niedriges Körpergewicht, der
Gewichtsverlust wurde selbst herbeigeführt, sie haben ständige Angst
zu dick zu sein, Ausbleiben der Monatsblutung, bei Beginn der
Magersucht vor der Pubertät kommt es zu einer Verzögerung der
körperlichen Entwicklung. Magersüchtige fühlen sich dick wie eine
Tonne, auch wenn sie untergewichtig sind. Eingeschlossen in ihrer
Hungerwelt suchen sie Selbstbestätigung, enden aber in Zwängen und
Einsamkeit.
Adipositas (Esssucht): Extremes Übergewicht oder ständige starke
Gewichtsschwankungen, Heißhungeranfälle. Esssüchtige versuchen durch
übermäßiges Essen mit ihren Ängsten, ihrer Wut und Einsamkeit fertig
zu werden. Anfangs wechseln Fressattacken mit Diäten, doch
schließlich bleiben nur noch die Heißhungeranfälle.
Wie kann "147 - Rat auf Draht" helfen?
Zunächst einmal muss abgeklärtwerden, wie "normal" der Wunsch ist,
abzunehmen. Durch gezielte Fragen zu Essverhalten, Gewicht und
Körpergröße gilt es herauszufinden, inwieweit der Anrufer / die
Anruferin tatsächlich nur abnehmen möchte, weil er/sie ein paar Kilo
zu viel hat, oder inwieweit das Gewichtsproblem aus einer seelischen
Krise resultiert.
Die MitarbeiterInnen der Telefonhilfe bieten den Betroffenen -
aber auch Angehörigen und Freunden - Aufklärung: Was ist oder was
bedeutet Essstörung, ab wann spricht man von einer Essstörung, was
sind die Merkmale, wo sind die Gefahren?
Schließlich versteht sich "147 - Rat auf Draht" als Plattform und
Vermittlungsdrehscheibe, die an kompetente Beratungsstellen
weiterverweist. Oft erleichtert die Niederschwelligkeit des Telefons
einen Erstkontakt. Die professionellen Berater (Psychologen,
Psychotherapeuten, Lebens- und Sozialberater) verfügen dann über die
richtigen Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten aller
spezifischen Beratungsstellen in ganz Österreich, zu denen sie
Anruferinnen und Anrufer auch via Konferenzschaltung direkt
weiterverbinden können.
OTS0193 2004-05-27/12:43
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