- 27.05.2004, 09:59:22
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ÖAMTC-Kindersitztest 2004: Sieben von 15 Modellen sehr empfehlenswert
Aber nicht alle Sitze bieten hohe Sicherheit für die Kleinsten
Wien (ÖAMTC-Presse) - Sieben von 15 vom ÖAMTC getesteten
Kindersitzen sind sehr empfehlenswert. "Fast die Hälfte der Modelle
hat somit wirklich gut abgeschnitten. In jeder Gewichtsklasse gibt es
einen Kindersitz, der den hohen Sicherheitsanforderungen und dem
Prädikat 'sehr empfehlenswert' gerecht wird", sagt Franz Peleska,
Leiter des ÖAMTC-Kindersitztests. Durchgefallen ist beim aktuellen
Test kein Produkt, vier Sitze sind trotzdem nur bedingt
empfehlenswert.
In allen Gewichtskategorien wurden die Kriterien Sicherheit,
Bedienung, Komfort und Gebrauch geprüft. Gleich vier Testsieger gibt
es bei den Babyschalen für Kinder bis 13 kg: Bébé Confort Creatis,
Kiddy Protect, Maxi Cosi Cabrio und Römer Baby Safe mit
Fünf-Punkt-Gurt. In der Klasse von 9 bis 18 kg schneidet der Römer
King TS am besten ab. In der Klasse von 15 bis 36 kg teilen sich
Concord Lift evo und Maxi Cosi Rodi XP den Sieg.
Details zu den 15 neu getesteten Sitzen gibt es unter
http://www.oeamtc.at/tests/. Daneben sind auch die Testsieger des
Vorjahres (HTS Besafe Izi Comfort, Kiddy Life Plus und die drei
Römer-Produkte Baby Safe, Duo Plus und Kid) eine gute Wahl.
Neuerungen, Verbesserungen und alt bekannte Probleme
Ein Novum: Erstmals verfügt mit dem Römer Baby Safe eine
Babyschale über einen Fünf-Punkt-Gurt. "Bei einem schweren Unfall mit
Überschlag ist das Baby nun erheblich besser geschützt", erläutert
Peleska. Beim Jané Bodyguard Plus (9 und 36 kg) hingegen werden
Kleinkind und Sitz mit dem Fahrzeug-Drei-Punkt-Gurt befestigt. Das
führt bei einem Frontaufprall zu Problemen: Die Schultern eines Ein-
bis Zweijährigen sind zu klein, um bei einem Unfall die Belastungen
aufzunehmen. Beim Seitencrash zeigte sich wiederum: Sitzmodelle ohne
Rückenlehne bieten dem Kind keinerlei Schutz und sind daher
abzulehnen.
"Sicherheit und Bedienung haben sich insgesamt im Vergleich zum
Vorjahr aber verbessert", ist Peleska überzeugt. Etliche Sitze haben
bereits eine zentrale Gurthöhenverstellung: Die Gurte müssen nicht
mehr mühsam ausgefädelt werden, die Gefahr von Fehlbedienung wird
dadurch ausgeschlossen. "Die Sitzhersteller sind aber aufgefordert,
ihre Produkte weiter zu verbessern und die Belastungen für Kinder zu
reduzieren." Mustergültiges Beispiel: Den Bimbo Fix Typ II (bis 18
kg) haben die ÖAMTC-Tester nur als bedingt empfehlenswert eingestuft.
Zwar erzielte der Sitz gute Crashtest-Werte, wegen schwerwiegender
Mängel bei der Gurtspannung wurde er aber abgewertet. "Der
Sitzhersteller hat zugesagt, dieses Problem umgehend zu beseitigen.
Dann ist sogar ein Platz in der Spitzenklasse möglich", sagt Peleska.
Sitze, die mehrere Gewichtsklassen abdecken und mehrere
Einbaurichtungen zulassen, verleiten häufig zu Einbaufehlern. Dadurch
steigt das Verletzungsrisiko für das Kind. Der Gurtverlauf im
Schulterbereich muss z.B. an das wachsende Kind angepasst werden.
Einfache und leicht bedienbare Verstelleinrichtungen findet man bei
den Babyschalen Bébé Confort Creatis und Römer Baby Safe Plus sowie
den größeren Sitzen Storchenmühle Primus, Concord Lift evo und Maxi
Cosi Rodi XP.
Europaweit 27 Kindersitze getestet
Europaweit wurden vom ÖAMTC und seinen Schwesterclubs insgesamt 27
Kindersitze getestet. Einige dieser Modelle wiesen erschreckende
Mängel auf, drei haben etwa den Frontcrash nicht überstanden. "Die
Ausreißer sind im österreichischen Fachhandel zum Glück aber nicht zu
finden. Hier hat der Markt auf unsere Tests reagiert", sagt
ÖAMTC-Experte Peleska. Trotzdem die Warnung: Die lebensgefährlichen
Sitze können über große Handelsketten oder das Internet nach
Österreich gelangen.
ÖAMTC-Tipps für Kindersitzkauf und Gebrauch
Bei der Fülle an Kindersitzen, die der Markt bietet, sind Eltern
bei der Auswahl oft überfordert. Ins nächste Geschäft zu laufen und
den im Test bestbewerteten Kindersitz zu kaufen, ist nicht der
richtige Weg. "Nicht jeder Sitz passt für jedes Kind und jedes Auto",
sagt Peleska. "Entscheidend ist immer das Zusammenspiel zwischen
Kind, Sitz und Auto." Grundsätzlich sollte man immer mit Sprössling
und Auto zum Kindersitzkauf kommen. Nur so kann der beste Sitz
ausgewählt und vor dem Kauf gleich zur Probe eingebaut werden. Die
richtige Bedienung gleich im Geschäft zeigen lassen. Den optimalen
Sitz zu kaufen, ist nur der erste Schritt. Man muss ihn auch richtig
verwenden:
* Rückwärts gerichtete Systeme nicht bei aktiven Front-Airbags auf
dem Beifahrersitz verwenden.
* Kindersitz muss sich fest auf dem Fahrzeugsitz befestigen
lassen. Er soll kippsicher sein und darf nicht verrutschen.
* Auf den richtigen Gurtverlauf beim Kind achten. Der Schultergurt
soll über die Schultermitte, der Beckengurt so tief wie möglich über
die Leistenbeuge gehen.
* Gurtlose vermeiden. Das Kind soll immer straff angegurtet sein. * Gurtverlauf und Kopfabstützung dem wachsenden Kind anpassen.
* Keine schweren oder scharfkantigen Dinge im Autoinneren
transportieren, die bei einem Unfall nach vorne schleudern und
Passagiere verletzen können.
* Die Bedienungsanleitung genau befolgen, um "Misuse" zu
vermeiden.
Was der ÖAMTC von den Kindersitz-Herstellern fordert
Von den Kindersitz-Herstellern erwartet sich der ÖAMTC, dass
Sitzeinbau und Sichern des Kindes einfach zu handhaben und in der
Bedienungsanleitung eindeutig beschrieben sind. Dadurch wird die
"Misuse"-Gefahr deutlich reduziert. Sowohl in der Bedienungsanleitung
als auch auf dem Kindersitz müssen unmissverständliche Hinweise für
die Benutzung in Autos mit Front- und Seitenairbags vorhanden sein.
Der ÖAMTC fordert von den Herstellern, Sitzerhöher grundsätzlich nur
mit Rücken-/Kopfstütze anzubieten, weil bei einem Seitenaufprall die
Sicherheit erhöht wird.
Aviso an die Redaktionen:
Eine Übersichtsgrafik zum Kindersitztest und Bildmaterial finden sich
im ÖAMTC-Foto-Service im Internet unter http://www.oeamtc.at/presse/.
Ein Interview mit ÖAMTC-Techniker Franz Peleska gibt es auf der
APA-Audio-Plattform.
(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger
OTS0063 2004-05-27/09:59
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