• 26.05.2004, 14:28:14
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  • OTS0257 OTW0257

Magersucht - Hilfeschrei der Seele

Warnsignale und Hinweise für den Umgang mit Betroffenen

Mödling (OTS) - Ess-Störungen bringen viel Leid für Betroffene und
Angehörige. Besonders dann, wenn Hilfe zu spät kommt. Der tragische
Todesfall in Oberösterreich zeigt erneut, wie schwierig es sein kann,
Magersucht von Betroffenen und Kontaktpersonen zu erkennen und mit
solchen Krankheiten umzugehen. Etwa 200.000 Österreicherinnen leiden
zumindest einmal im Laufe ihres Lebens an einer Ess-Störung. Bezogen
auf die österreichische Gesamtbevölkerung leiden von den 15-bis 20
Jährigen Mädchen mindestens 2500 an Magersucht. "Je tiefgreifender
die Einsicht, die bei den Betroffenen über das komplexe
Zusammenwirken aller Faktoren bei der Entstehung der Essstörung
erreicht werden kann, desto erfolgreicher wird langfristig eine
Therapie von Mädchen und Frauen mit Essstörungen sein", urteilt MMag.
Margit Hörndler, Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung von sowhat
- Institut für Menschen mit Ess-Störungen.

Sehr viele Mädchen im Alter von 13 Jahren haben bereits eine Diät
hinter sich. "Durch die vorgegebenen Schönheitsideale (Werbung, Mode,
Fitness) findet der Körper für Frauen und Mädchen enorme Beachtung
während gleichzeitig das Gefühl für den eigenen Körper und seine
Akzeptanz, die sensible Wahrnehmung der Körperempfindungen und
-sensationen sowie -bedürfnisse, zunehmend schwinden", meint Mag.
Christian Zitt, Psychotherapeut und Leiter der psychotherapeutischen
Abteilung im Institut sowhat.

Magersucht (Anorexia nervosa)

Magersucht ist eine psychische Störung, die durch einen
absichtlich selbst herbeigeführten und/oder aufrechterhaltenen
Gewichtsverlust charakterisiert ist.
In schweren Fällen kann Magersucht sogar zum Tod führen.
Magersüchtige haben eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme, trotz
bestehenden Untergewichts.
Es besteht eine verzerrte Wahrnehmung von Gewicht, Körperumfang und
Körperform. Magersüchtige zeigen einen starken Perfektionismus, der
von einem tiefen Gefühl eigener Wertlosigkeit begleitet ist.

Warnsignale für Magersucht

- Auffälliger Gewichtsverlust von 15% oder mehr ohne bekannte
     körperliche Ursachen, die für den Gewichtsverlust
     verantwortlich sein könnten
   - Einschränkung der Nahrungsaufnahme, v.a. von Kohlehydraten und
     Fetten
   - Verleugnung von Hunger
   - Verleugnung, Probleme zu haben
   - Starke Angst vor einer Gewichtszunahme und/oder
     eine "verbissene" Entschlossenheit, immer dünner zu werden
   - Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) bei Frauen, niedriger
     Sexualhormonspiegel (Testosteron) bei Männern
   - Fortgesetztes, fast zwanghaftes körperliches Training trotz
     Ermüdung und Schwäche
   - Eigenartige Gewohnheiten im Umgang mit Nahrung
   - Verzerrte Wahrnehmung von Gewicht, Körperumfang und/oder
     Körperformen
   - Unfähigkeit, den Gewichtsverlust und das Ausmaß an körperlicher
     Tätigkeit zu kontrollieren und zu stoppen
   - Sozialer Rückzug
   - Ungewöhnliche Kälteempfindlichkeit
   - Perfektionismus, der von einem tiefen Gefühl eigener
     Wertlosigkeit begleitet ist
   - Selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln
     (Laxantien) und/oder harntreibenden Mitteln (Diuretika)
   - Lanugobehaarung (feines Haar - Babyflaum)
   - Körperliche und psychische Symptome des Hungerzustandes, die
     identisch sind mit den Symptomen unfreiwillig Hungernder, z.B.
     in der dritten Welt

   Hinweise für den Umgang mit Personen, die vermutlich an einer
   Essstörung leiden

Wenn die Vermutung nahe liegt, dass jemand aus dem eigenen Umfeld
an einer Essstörung leidet, sollte versucht werden, die Betroffenen
in einer partnerschaftlichen, nicht überfordernden Art und Weise
darauf anzusprechen. Dies werden meist gute Freundinnen/Freunde tun
können, aber auch andere Vertrauenspersonen wie
z.B. Lehrkräfte. Wichtig dabei ist eine vertrauensvolle Atmosphäre,
die von gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Mögliche Annäherungsschritte können sein:

- Angebot der Hilfe und Unterstützung. Überfürsorglichkeit und
     besserwisserisches Verhalten vermeiden.
   - Der Einstieg in ein Gespräch sollte nicht über die Themen Essen
     und Gewicht begonnen werden. Das löst das Problem nicht.
   - Keine Schuldzuweisungen vornehmen.
   - Vorsichtiger Rat an die Betroffene/den Betroffenen, Hilfe von
     Beratungsstellen, Ärzt/innen, Psychotherapeut/innen oder
     Psycholog/innen zu holen.

Das Institut sowhat

Sowhat ist ein Institut für Menschen mit Essstörungen, das 1993
aufgrund einer privaten Initiative von Ärzt/innen und
Psychotherapeut/innen gegründet wurde. Der Sitz des Instituts ist in
18. Bezirk in Wien und einem Standort in Mödling. sowhat ist ein
Institut der origo-Gruppe. Täglich werden 50 bis 70 Klient/innen,
vorwiegend Frauen und Mädchen, informiert und
medizinisch/psychotherapeutisch betreut. Dazu kommen telefonische
Beratungsgespräche. Als einzige ambulante Einrichtung im Raum
Ostösterreich bietet sowhat Erkrankten das gesamte Spektrum
medizinischer, psychologischer und psychotherapeutischer Behandlung
an: von kompetenter Erstberatung bis hin zur eventuell notwendigen
Langzeittherapie.

OTS0257    2004-05-26/14:28

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