Gewalt oder Unfall? Neue Erhebung beleuchtet Dunkelziffer an Gewaltopfern

2.620 Gewaltopfer suchten vergangenes Jahr Schutz in Österreichs Frauenhäusern, 2.047 nahmen deren ambulante Hilfe in Anspruch, 8.111 holten sich telefonischen Rat.

Wien (OTS) - Wesentlich höher vermutet man die Dunkelziffer. Besonders betroffen sind Frauen und Kinder. Gewaltprävention ist vorrangiges Thema der 7. Weltkonferenz für Verletzungsverhütung und Sicherheit, die vom 6. bis 9. Juni in Wien stattfindet. Unter anderem wird eine Methode vorgestellt, mit der man Misshandlungen anhand der Verletzungsmuster der Opfer diagnostizieren kann.

Wenn Gewalt im Spiel ist, trifft es meistens die Schwächsten: Frauen und Kinder. Viele lassen diese Tortour jahrelang schweigend über sich ergehen. Die wenigsten Misshandlungen kommen ans Tageslicht: So wird geschätzt, dass österreichweit etwa 10-25.000 Kinder pro Jahr sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Weitere Experten-Schätzungen besagen, dass jede fünfte bis zehnte Frau sexuell misshandelt wird.

Häufig werden Gewaltverletzungen als Unfälle "getarnt", weil die Opfer selbst eine gerichtliche Verfolgung des Täters nicht wünschen. Für die Prävention ist es aber notwendig, das tatsächliche Ausmaß von Gewaltverbrechen ans Tageslicht zu bringen: Mit einer nachträglichen statistischen Analyse der diagnostizierten Verletzungen kann in Zukunft die Dunkelziffer besser geschätzt werden. Die einzelnen Fälle werden dabei nicht aufgerollt.

Ein möglicher Ansatz wird im Rahmen der 7. WHO-Weltkonferenz präsentiert. Jonathan Sibert von der University of Wales hat einen Score entwickelt, mit dem Misshandlungen an Kindern klar von Unfallverletzungen abgegrenzt werden können. Die Anzahl der betroffenen Körperteile, die Länge und Form der Verletzung wird dabei zur Beurteilung herangezogen. Vor allem Misshandlungs-Verletzungen im Gesicht und am Hals sind dabei leicht erkennbar.

Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben", ist seit Jahren mit dem erschreckenden Ausmaß der Familiengewalt konfrontiert:
"Um die Gewaltproblematik in den Griff zu bekommen müssen Wegschauen und Tarnen verringert werden. Zusätzlich zu den generell präventiv wirkenden Maßnahmen von Polizei und Justiz müssen Methoden der individuellen Prävention wie Kinderschutz-Gruppen systematisch entwickelt werden. Gewaltprävention muss deshalb auch ein Hauptanliegen des öffentlichen Gesundheitssektors werden. Das beinhaltet auch die vernetzte Zusammenarbeit der Gesundheitseinrichtungen mit Polizei, Justiz und Wohlfahrtsorganisationen."

Das weiß man nicht nur seit heute: 1996 wurde bei der 49. Weltgesundheitsversammlung eine Resolution übernommen, die Gewalt als eines der wichtigsten und ständig wachsenden weltweiten Probleme deklariert. Vor allem Gewalt in der Familie, sexueller Missbrauch und Gewalt an Jugendlichen stellen eines der schwerwiegendsten gesellschaftlichen Probleme dar. Die Opfer leiden ein Leben lang unter den Folgen. Die gesundheitsökonomischen Auswirkungen machte eine Studie der Weltbank deutlich: Gewalt gegen Frauen verursacht beispielsweise in Holland 210 Millionen Euro an Folgekosten, in der Schweiz 314 Millionen Euro und in Kanada 4,2 Milliarden Dollar.

Die 7. WHO-Weltkonferenz "Safety2004" findet vom 6. bis 9. Juni 2004 im Wiener Austria Center statt. 360 internationale Experten aus über 100 Nationen präsentieren wirkungsvolle Maßnahmen für mehr Sicherheit. Drei Themenschwer-punkte sind u.a. Kinder, Verkehr und Gewalt. Erwartet werden mehr als 1.500 Teilnehmer aus Politik und Wissenschaft. Organisiert wird der Kongress, der nach internationalen Tagungsorten heuer erstmals in Wien stattfindet, vom Institut "Sicher Leben" in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovationen und Technologie. Den Ehrenschutz der von der WHO initiierten Weltkonferenz übernimmt Dr. Thomas Klestil.
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