- 19.05.2004, 12:01:39
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Gewalt oder Unfall? Neue Erhebung beleuchtet Dunkelziffer an Gewaltopfern
2.620 Gewaltopfer suchten vergangenes Jahr Schutz in Österreichs Frauenhäusern, 2.047 nahmen deren ambulante Hilfe in Anspruch, 8.111 holten sich telefonischen Rat.
Wien (OTS) - Wesentlich höher vermutet man die Dunkelziffer.
Besonders betroffen sind Frauen und Kinder. Gewaltprävention ist
vorrangiges Thema der 7. Weltkonferenz für Verletzungsverhütung und
Sicherheit, die vom 6. bis 9. Juni in Wien stattfindet. Unter anderem
wird eine Methode vorgestellt, mit der man Misshandlungen anhand der
Verletzungsmuster der Opfer diagnostizieren kann.
Wenn Gewalt im Spiel ist, trifft es meistens die Schwächsten: Frauen
und Kinder. Viele lassen diese Tortour jahrelang schweigend über sich
ergehen. Die wenigsten Misshandlungen kommen ans Tageslicht: So wird
geschätzt, dass österreichweit etwa 10-25.000 Kinder pro Jahr
sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Weitere Experten-Schätzungen
besagen, dass jede fünfte bis zehnte Frau sexuell misshandelt wird.
Häufig werden Gewaltverletzungen als Unfälle "getarnt", weil die
Opfer selbst eine gerichtliche Verfolgung des Täters nicht wünschen.
Für die Prävention ist es aber notwendig, das tatsächliche Ausmaß von
Gewaltverbrechen ans Tageslicht zu bringen: Mit einer nachträglichen
statistischen Analyse der diagnostizierten Verletzungen kann in
Zukunft die Dunkelziffer besser geschätzt werden. Die einzelnen Fälle
werden dabei nicht aufgerollt.
Ein möglicher Ansatz wird im Rahmen der 7. WHO-Weltkonferenz
präsentiert. Jonathan Sibert von der University of Wales hat einen
Score entwickelt, mit dem Misshandlungen an Kindern klar von
Unfallverletzungen abgegrenzt werden können. Die Anzahl der
betroffenen Körperteile, die Länge und Form der Verletzung wird dabei
zur Beurteilung herangezogen. Vor allem Misshandlungs-Verletzungen im
Gesicht und am Hals sind dabei leicht erkennbar.
Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben", ist seit
Jahren mit dem erschreckenden Ausmaß der Familiengewalt konfrontiert:
"Um die Gewaltproblematik in den Griff zu bekommen müssen Wegschauen
und Tarnen verringert werden. Zusätzlich zu den generell präventiv
wirkenden Maßnahmen von Polizei und Justiz müssen Methoden der
individuellen Prävention wie Kinderschutz-Gruppen systematisch
entwickelt werden. Gewaltprävention muss deshalb auch ein
Hauptanliegen des öffentlichen Gesundheitssektors werden. Das
beinhaltet auch die vernetzte Zusammenarbeit der
Gesundheitseinrichtungen mit Polizei, Justiz und
Wohlfahrtsorganisationen."
Das weiß man nicht nur seit heute: 1996 wurde bei der 49.
Weltgesundheitsversammlung eine Resolution übernommen, die Gewalt als
eines der wichtigsten und ständig wachsenden weltweiten Probleme
deklariert. Vor allem Gewalt in der Familie, sexueller Missbrauch und
Gewalt an Jugendlichen stellen eines der schwerwiegendsten
gesellschaftlichen Probleme dar. Die Opfer leiden ein Leben lang
unter den Folgen. Die gesundheitsökonomischen Auswirkungen machte
eine Studie der Weltbank deutlich: Gewalt gegen Frauen verursacht
beispielsweise in Holland 210 Millionen Euro an Folgekosten, in der
Schweiz 314 Millionen Euro und in Kanada 4,2 Milliarden Dollar.
Die 7. WHO-Weltkonferenz "Safety2004" findet vom 6. bis 9. Juni 2004
im Wiener Austria Center statt. 360 internationale Experten aus über
100 Nationen präsentieren wirkungsvolle Maßnahmen für mehr
Sicherheit. Drei Themenschwer-punkte sind u.a. Kinder, Verkehr und
Gewalt. Erwartet werden mehr als 1.500 Teilnehmer aus Politik und
Wissenschaft. Organisiert wird der Kongress, der nach internationalen
Tagungsorten heuer erstmals in Wien stattfindet, vom Institut "Sicher
Leben" in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit und
Frauen und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovationen und
Technologie. Den Ehrenschutz der von der WHO initiierten
Weltkonferenz übernimmt Dr. Thomas Klestil.
BITTE VORMERKEN: Während der Konferenz finden täglich Pressegespräche
statt!
Presserückfragenhinweis und Interviewvereinbarungen:
comm:unications - Agentur für Text, PR & Events, Sabine Pöhacker,
T: 01/315 14 11-0, e-mail: [email protected]
Institut "Sicher leben", Dr. Rupert Kisser,
T: 01/715 66 44-0, e-mail: [email protected]
OTS0159 2004-05-19/12:01
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