• 14.05.2004, 18:42:46
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Michael Guttenbrunner ist nicht mehr

Der Literat verstarb im 85. Lebensjahr - Kondolenzschreiben von LH Haider an die Witwe

Klagenfurt (LPD). In der Nacht zum 13. Mai ist Michael
Guttenbrunner in Wien verstorben. Sein Ableben kam trotz seines
stattlichen Alters - er wäre im September 85 Jahre alt geworden -
überraschend und erschütterte die österreichische Kulturwelt.
Kärntens Landeshauptmann und Kulturreferent Jörg Haider sandte heute,
Freitag, ein Kondolenzschreiben an die Witwe Maria Guttenbrunner,
Tochter von Carl Zuckmayer.

In dem Kondolenzschreiben erinnerte Haider an eine Aussage des
Schriftstellers: "Nach dem Krieg wurde ich bei der Kärntner
Landesregierung angestellt, und zwar im Landeskulturamt, das von
Johannes Lindner geleitet wurde, der mich sehr liebreich annahm". Der
Kulturreferent verwies auch darauf, dass der Unermüdliche noch kurz
vor seinem Tod einen Beitrag unter dem Titel "Kärntner Kunst nach
1945. Erinnerungen eines Freundes" für den Katalog zur jetzt
beginnenden Großausstellung "Eremiten-Kosmopoliten. Moderne Malerei
in Kärnten 1900 - 1955" verfasst habe.

"Michael Guttenbrunner war ein Dichter mit ausgeprägtem
Grundrechtsbewusstsein", betonte der Richter und Dichter Janko
Ferk. Menschenachtung und Menschenwürde seien für ihn keine
Fremdwörter gewesen. Mit ihm sei einer der letzten großen Herren der
österreichischen Literatur gestorben. "Ihn und sein Gedicht ‚Der
Kärntner Slowene/Koroški Slovenec’ sowie vieles andere Wortmächtige
werden wir nicht vergessen", so Ferk.

Der in slowenischer und deutscher Sprache schreibende Literat
Janko Ferk erhielt 2002 den alle zwei Jahre verliehenen,
hochdotierten Preis des P.E.N.-Clubs Liechtenstein, den kommenden
Sonntag Michael Guttenbrunner entgegennehmen hätte sollen. Laut Ferk
werde die Verleihungsfeier in Schaan (Liechtenstein) trotzdem
stattfinden: "Es werden Gedichte und Texte von Guttenbrunner verlesen
und Karl-Markus Gauß wird die Laudatio halten."

Obwohl ein Unbequemer und Außenseiter des herkömmlichen
Literaturbetriebes, wurde der am 7. September 1919 in Althofen
geborene Guttenbrunner mit zahlreichen Ehrungen bedacht. So erhielt
er unter anderem 1954 den "Georg-Trakl-Preis für Lyrik und
Übersetzung", 1966 den Österreichischen Staatspreis für Literatur.
1987 war er Kulturpreisträger des Landes Kärnten und 1994 wurde ihm
das Große Goldene Ehrenzeichen verliehen. Eine sehr bedeutsame
Ehrung wurde ihm heuer zuteil: Der Schriftsteller erhielt den
"Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und Exil", benannt
nach jenem Lyriker, den er selbst hoch geschätzt hat und dem er
bereits 1956 mit der Veröffentlichung des Kramer-Auswahlbandes "Vom
schwarzen Wein" seine Referenz erwiesen hatte.

Sein schriftstellerischer Nachlass geht an das
Robert-Musil-Institut für Literaturforschung der Universität
Klagenfurt, dessen Ehrendoktorat er 1994 erhalten hatte. Michael
Guttenbrunner war zeitlebens ein Rebell, ein "Frondeur", wie er sich
selbst nannte, den eine "Tapferkeit vor Feind und Freund"
auszeichnete. Eine Würdigung von Universitätsprofessor Klaus Amann,
Leiter des Robert-Musil-Instituts, ist in der Mai-Ausgabe der
Kärntner Kulturzeitschrift "DIE BRUECKE" nachzulesen.

Den allerletzten Text seiner langen Schriftstellerkarriere
schrieb Guttenbrunner für "DIE BRUECKE". Er brachte für die
VORLESE/PRVO BRANJE einen "Rückblick" im Zusammenhang mit dem
Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe.
(Schluss)

OTS0274    2004-05-14/18:42

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