Gestickte Chinesen aus indischen Stoffen

Eine textile Zimmerausstattung aus Schloßhof im Marchfeld im MAK

Wien (OTS) - Mit einer textilen Zimmerausstattung aus Schloßhof, dem Landsitz des Prinzen Eugen von Savoyen, zeigt das MAK einen der Höhepunkte der Chinamode des 18. Jahrhunderts in Österreich. Im späten 17. Jahrhundert bildete sich in Europa eine "Kunstmode" heraus, die später als "Chinoiserie" bezeichnet wurde. Das Interesse an ostasiatischer Kunst brachte Kreationen hervor, die nicht die ostasiatische Realität, sondern vielmehr die europäischen Vorstellungen vom Fernen Osten wiedergaben. Sowohl in der Mode als auch im Bereich Interieur waren so genannte Indiennes - bedruckte und bemalte Baumwollstoffe aus Indien - begehrt und teuer bezahlt. Man bewunderte die leuchtenden und haltbaren Farben, deren Herstellung in Europa noch unbekannt war. Auch Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736), der "Türkensieger", verfiel dem asiatischen Flair und umgab sich unter anderem mit dem im MAK gezeigten kostbaren Ensemble -Applikationsstickereien aus zahllosen verschiedenen indischen Chintzen -, das als einzige textile Ausstattung seiner Art vollständig erhalten ist.

In Schloßhof im Marchfeld ließ Prinz Eugen im Zeitraum zwischen 1725 und 1729 vom Barockarchitekten Johann Lukas von Hildebrandt ein Jagdschloss teilweise neu errichten. Claude le Fort du Plessy entwarf die "inwendige Auszierung", die Eugens Interesse an exotischer Kunst in einigen Räumen gerecht wurde. Mehr als dreißig textile Ausstattungsensembles haben sich aus Schloßhof erhalten. Mindestens fünf bestanden aus indischen Stoffen. Das Dekorationsschema orientierte sich an französischen Vorbildern. Nicht nur für Schloßhof wurden in indischen Werkstätten nach europäischen Vorlagen Stickereien hergestellt, die den europäischen Vorstellungen vom Fernen Osten entsprachen.

In der MAK-Studiensammlung Textil wird die wohl prächtigste und kostbarste "indianische" Ausstattung des Prinzen gezeigt. Die farbenfrohen, mit "chinesischen" Szenen und üppigen Blüten, Fabeltieren und europäischen Architekturornamenten versehenen Stickereien bilden heute ein Ensemble aus neunzehn Teilen. Sie schmückten das repräsentative Schlafgemach in Schloßhof, die "Chambre de Parade". Drei große Wandbehänge sowie die Textilien für ein Himmelbett sind erhalten. Das Paradebett - "Lit de Parade" - allein umfasst neben Betthimmel und Vorhängen eine so genannte Kouvertdecke mit integriertem Polster, das Betthaupt mit der Rückwand sowie zehn Volants - "Kranzeln" -, die am Betthimmel und am Sockel der Bettstatt angebracht waren. Dem Paradebett kam eine besondere Bedeutung zu. Entsprechend der französischen Etikette des herrscherlichen "Levers" (Aufstehens) empfing der Fürst im Paradezimmer vormittags wichtige Gäste und Bittsteller.

Schloßhof samt seiner Ausstattung gelangte nach Eugens Tod zuerst in den Besitz seiner Nichte, dann an das Kaiserhaus. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie übernahm das MAK das kostbare Ensemble im Jahr 1922 aus dem Hofmobiliendepot.

Pressefotos stehen unter www.MAK.at/presse zum Download bereit.

Pressedaten:
Eröffnung: Dienstag, 1. Juni 2004, 20.00 Uhr
Ausstellungsort:MAK Studiensammlung Textil, MAK, Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 2. Juni - 31. Oktober 2004
Öffnungszeiten Di (MAK NITE(C)) 10.00-24.00 Uhr, Mi-So 10.00-18.00 Uhr, Mo geschlossen
Kuratorin: Angela Völker, MAK-Kustodin Textilien und Teppiche

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