- 13.05.2004, 16:32:45
- /
- OTS0228 OTW0228
Gestickte Chinesen aus indischen Stoffen
Eine textile Zimmerausstattung aus Schloßhof im Marchfeld im MAK
Wien (OTS) - Mit einer textilen Zimmerausstattung aus Schloßhof,
dem Landsitz des Prinzen Eugen von Savoyen, zeigt das MAK einen der
Höhepunkte der Chinamode des 18. Jahrhunderts in Österreich. Im
späten 17. Jahrhundert bildete sich in Europa eine "Kunstmode"
heraus, die später als "Chinoiserie" bezeichnet wurde. Das Interesse
an ostasiatischer Kunst brachte Kreationen hervor, die nicht die
ostasiatische Realität, sondern vielmehr die europäischen
Vorstellungen vom Fernen Osten wiedergaben. Sowohl in der Mode als
auch im Bereich Interieur waren so genannte Indiennes - bedruckte und
bemalte Baumwollstoffe aus Indien - begehrt und teuer bezahlt. Man
bewunderte die leuchtenden und haltbaren Farben, deren Herstellung in
Europa noch unbekannt war. Auch Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736),
der "Türkensieger", verfiel dem asiatischen Flair und umgab sich
unter anderem mit dem im MAK gezeigten kostbaren Ensemble -
Applikationsstickereien aus zahllosen verschiedenen indischen
Chintzen -, das als einzige textile Ausstattung seiner Art
vollständig erhalten ist.
In Schloßhof im Marchfeld ließ Prinz Eugen im Zeitraum zwischen
1725 und 1729 vom Barockarchitekten Johann Lukas von Hildebrandt ein
Jagdschloss teilweise neu errichten. Claude le Fort du Plessy entwarf
die "inwendige Auszierung", die Eugens Interesse an exotischer Kunst
in einigen Räumen gerecht wurde. Mehr als dreißig textile
Ausstattungsensembles haben sich aus Schloßhof erhalten. Mindestens
fünf bestanden aus indischen Stoffen. Das Dekorationsschema
orientierte sich an französischen Vorbildern. Nicht nur für Schloßhof
wurden in indischen Werkstätten nach europäischen Vorlagen
Stickereien hergestellt, die den europäischen Vorstellungen vom
Fernen Osten entsprachen.
In der MAK-Studiensammlung Textil wird die wohl prächtigste und
kostbarste "indianische" Ausstattung des Prinzen gezeigt. Die
farbenfrohen, mit "chinesischen" Szenen und üppigen Blüten,
Fabeltieren und europäischen Architekturornamenten versehenen
Stickereien bilden heute ein Ensemble aus neunzehn Teilen. Sie
schmückten das repräsentative Schlafgemach in Schloßhof, die "Chambre
de Parade". Drei große Wandbehänge sowie die Textilien für ein
Himmelbett sind erhalten. Das Paradebett - "Lit de Parade" - allein
umfasst neben Betthimmel und Vorhängen eine so genannte Kouvertdecke
mit integriertem Polster, das Betthaupt mit der Rückwand sowie zehn
Volants - "Kranzeln" -, die am Betthimmel und am Sockel der Bettstatt
angebracht waren. Dem Paradebett kam eine besondere Bedeutung zu.
Entsprechend der französischen Etikette des herrscherlichen "Levers"
(Aufstehens) empfing der Fürst im Paradezimmer vormittags wichtige
Gäste und Bittsteller.
Schloßhof samt seiner Ausstattung gelangte nach Eugens Tod zuerst
in den Besitz seiner Nichte, dann an das Kaiserhaus. Nach dem
Zusammenbruch der Monarchie übernahm das MAK das kostbare Ensemble im
Jahr 1922 aus dem Hofmobiliendepot.
Pressefotos stehen unter www.MAK.at/presse zum Download bereit.
Pressedaten:
Eröffnung: Dienstag, 1. Juni 2004, 20.00 Uhr
Ausstellungsort:MAK Studiensammlung Textil, MAK, Stubenring 5,
A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 2. Juni - 31. Oktober 2004
Öffnungszeiten Di (MAK NITE(C)) 10.00-24.00 Uhr, Mi-So 10.00-18.00
Uhr, Mo geschlossen
Kuratorin: Angela Völker, MAK-Kustodin Textilien und Teppiche
OTS0228 2004-05-13/16:32
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MAK






