- 13.05.2004, 10:17:47
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Wohl fühlen mit "bewegter" Arbeit
Fonds Gesundes Österreich rät zu mehr Bewegung am Arbeitsplatz - und in der Freizeit
Wien (OTS) - In Österreich sind jedes Jahr rund acht Millionen
Krankenstandstage auf Krankheiten des Bewegungsapparates
zurückzuführen. Ursache ist häufig das viele und falsche Sitzen.
"BüromitarbeiterInnen verbringen oft nicht weniger als 80 Prozent
ihres Tagesablaufes im Sitzen", informiert Dennis Beck,
Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich. "Damit wird natürlich
der Stütz- und Bewegungsapparat im Nacken-, Schulter- und
Rückenbereich einer hohen Belastung ausgesetzt." Auch psychische
Einflüsse wie Stress oder monotone Arbeitsbedingungen können zu
Verspannungen und Schmerzen führen.
ExpertInnen empfehlen daher, mehr Bewegung in den Arbeitsalltag zu
integrieren. Mag. Eva Rohrer, Gesundheitsreferentin des Fonds
Gesundes Österreich nennt folgende Faustregel: "Am Arbeitsplatz
sollte man nur rund 50 Prozent der Zeit sitzen, aber 25 Prozent
stehen und 25 Prozent gehen." Derzeit führt der Fonds Gesundes
Österreich unter dem Titel "Es ist nie zu spät, den ersten Schritt zu
tun" eine groß angelegte Bewegungskampagne durch, mit der
thematisiert wird, wie man mehr Bewegung in den Alltag - auch in den
Arbeitstag - integriert.
Direktor der OÖGKK macht es vor: Mehr Bewegung am
Arbeitsplatz möglich
Dass mehr Bewegung am Arbeitsplatz durchaus machbar ist, berichtet
Mag. DDr. Oskar Meggeneder, Direktor der Oberösterreichischen
Gebietskrankenkasse für den Bereich Gesundheitsförderung und
Vorsorgemedizin, sowie Fachbeirat des Fonds Gesundes Österreich. "Man
kann sich ja den Arbeitsplatz so organisieren, dass man sich häufiger
bewegen muss. Zum Beispiel ist es sinnvoll, wenn sich mehrere
Abteilungen einen zentralen Drucker beschaffen, damit man aufstehen
und zum Gerät hingehen muss, also mehr Bewegung in den Arbeitsalltag
integriert!". Dr. Meggeneder geht selbst mit gutem Beispiel voran:
"Ich habe meinen Telefonapparat so positioniert, dass ich immer
aufstehen muss, um ein Gespräch zu führen; so halte ich mich fit!"
Dr. Meggeneder plädiert auch dafür, Sitzungen zu "Stehungen" zu
machen: "In Norwegen habe ich zum Beispiel gesehen, dass bei
Besprechungen Bürotische hochgefahren werden und sich so zu
Stehtischen verwandeln. Man hält dann eben seine Sitzung stehend ab."
Generell könnte man Besprechungen im Stehen oder Gehen abhalten; wenn
man etwas von KollegInnen im Büro benötigt, sollte man nicht anrufen,
sondern zu ihnen gehen; und man sollte die Treppen benutzen, anstatt
mit dem Lift zu fahren.
Wer dennoch viel sitzt oder sitzen muss, sollte zumindest auf eine
Wirbelgelenks-schonende Haltung beim Sitzen achten, um Gelenke und
Muskel nicht überzustrapazieren. "Früher hat man immer gesagt 'Bauch
rein, Brust raus'", erinnert sich der Wiener Sportwissenschafter Dr.
Paul Scheibenpflug, "besser ist es aber, wenn man sich 'hochzieht',
das heißt, den Abstand zwischen dem Brustbein und dem Nabel
vergrößert!".
Entspannungsübungen während der Arbeitszeit
Laut den ExpertInnen ist es im Übrigen auch ratsam, in den
Arbeitspausen Entspannungs-übungen einzulegen. Einige Übungen, die
leicht durchführbar sind, und durchaus Entspannung und Kräftigung
bringen, wären etwa: die Schultern heben und senken, nach vor oder
zurück zu rollen, den Kopf nach links oder rechts in Richtung
Schultern bewegen, oder den Oberkörper zurücklehnen und die Arme über
den Kopf nach hinten strecken. "Die Erfahrungen zeigen, dass man nach
solchen Bewegungspausen wieder viel effizienter arbeiten kann. Man
ist wieder frischer und geistig aufnahmefähiger", erläutert Dr.
Meggeneder.
Dies belegen auch Rückmeldungen von Dutzenden österreichischen
Betrieben, in denen bereits seit einigen Jahren das Projekt
"MitarbeiterInnen bewegen MitarbeiterInnen" läuft. MitarbeiterInnen
bringen dabei ihren KollegInnen verschiedene Übungen bei, die man am
Arbeitsplatz durchführen kann. Dr. Meggeneder resümiert: "Die
ArbeitnehmerInnen, die hier mitmachen, sind derart motiviert, dass
sie auch in der Freizeit mehr Bewegung machen, was natürlich noch
zusätzliche gesundheitsfördernde Effekte mitbringt".
Bewegung in der Freizeit als Ausgleich zur Arbeitsplatz-
Monotonie
Auch außerhalb des Arbeitsplatzes sollte man also nicht auf die
Bewegung vergessen, um sich auch während der Arbeit fit und entspannt
zu fühlen. "Die meisten Leute glauben ja, dass Bewegung müde mache,
und dass, wenn man von der Arbeit müde ist, sich ausrasten müsse. Das
Gegenteil ist der Fall: Wer von der Arbeit müde ist, braucht
effiziente Muntermacher, um wieder fit zu werden", betont Dr. Paul
Scheibenpflug, Sport- und Kommunikations-wissenschafter bei der Firma
Wellcon in Wien. Der Experte empfiehlt etwa Mountainbike Fahren,
Laufen und Wandern, sowie Techniken, die eine Vielfalt an Bewegungen
integrieren und auch das Koordinationsvermögen trainieren, wie Qi
Gong und abwechslungsreiche Gymnastik.
Dies gilt jedoch nicht nur für Menschen mit sitzenden Berufen -
auch körperlich aktive Berufsgruppen wie GärtnerInnen oder
Bauern/Bäuerinnen brauchen einen Ausgleich. "LandwirtInnen sind zwar
immer in Bewegung, aber sie bewegen sich häufig falsch, indem sie zum
Beispiel Lasten falsch heben oder falsch tragen. Zudem sind die
Bewegungen oft einseitig, statisch. Das alles führt zu einer
einseitigen Überbelastung von bestimmten Muskelpartien und dem
Bewegungsapparat", erklärt Prof. DI Heinrich Stadlmann, der in der
Sozialversicherungsanstalt der Bauern für Sicherheit am Arbeitsplatz
und Gesundheits-förderung zuständig ist.
Prof. Stadlmann pocht daher auf regelmäßige Ausgleichsbewegungen
über längere Zeiträume hinweg. "Ausreichend sind bereits drei- bis
viermal pro Woche eine halbe Stunde Ausdauersport mit der richtigen
Pulsfrequenz. Egal ob flottes Spazierengehen, Wandern, laufen, Rad
fahren, auf Berge gehen oder im Winter Langlaufen. All das ist gut
für die Gesundheit - auch und gerade für Bauern und Bäuerinnen oder
andere vorwiegend körperlich aktiven Berufgruppen", so Prof.
Stadlmann.
Internet-Tipp: http://www.gesundesleben.at
OTS0068 2004-05-13/10:17
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