Wohl fühlen mit "bewegter" Arbeit

Fonds Gesundes Österreich rät zu mehr Bewegung am Arbeitsplatz - und in der Freizeit

Wien (OTS) - In Österreich sind jedes Jahr rund acht Millionen Krankenstandstage auf Krankheiten des Bewegungsapparates zurückzuführen. Ursache ist häufig das viele und falsche Sitzen. "BüromitarbeiterInnen verbringen oft nicht weniger als 80 Prozent ihres Tagesablaufes im Sitzen", informiert Dennis Beck, Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich. "Damit wird natürlich der Stütz- und Bewegungsapparat im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich einer hohen Belastung ausgesetzt." Auch psychische Einflüsse wie Stress oder monotone Arbeitsbedingungen können zu Verspannungen und Schmerzen führen.

ExpertInnen empfehlen daher, mehr Bewegung in den Arbeitsalltag zu integrieren. Mag. Eva Rohrer, Gesundheitsreferentin des Fonds Gesundes Österreich nennt folgende Faustregel: "Am Arbeitsplatz sollte man nur rund 50 Prozent der Zeit sitzen, aber 25 Prozent stehen und 25 Prozent gehen." Derzeit führt der Fonds Gesundes Österreich unter dem Titel "Es ist nie zu spät, den ersten Schritt zu tun" eine groß angelegte Bewegungskampagne durch, mit der thematisiert wird, wie man mehr Bewegung in den Alltag - auch in den Arbeitstag - integriert.

Direktor der OÖGKK macht es vor: Mehr Bewegung am Arbeitsplatz möglich

Dass mehr Bewegung am Arbeitsplatz durchaus machbar ist, berichtet Mag. DDr. Oskar Meggeneder, Direktor der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse für den Bereich Gesundheitsförderung und Vorsorgemedizin, sowie Fachbeirat des Fonds Gesundes Österreich. "Man kann sich ja den Arbeitsplatz so organisieren, dass man sich häufiger bewegen muss. Zum Beispiel ist es sinnvoll, wenn sich mehrere Abteilungen einen zentralen Drucker beschaffen, damit man aufstehen und zum Gerät hingehen muss, also mehr Bewegung in den Arbeitsalltag integriert!". Dr. Meggeneder geht selbst mit gutem Beispiel voran:
"Ich habe meinen Telefonapparat so positioniert, dass ich immer aufstehen muss, um ein Gespräch zu führen; so halte ich mich fit!"

Dr. Meggeneder plädiert auch dafür, Sitzungen zu "Stehungen" zu machen: "In Norwegen habe ich zum Beispiel gesehen, dass bei Besprechungen Bürotische hochgefahren werden und sich so zu Stehtischen verwandeln. Man hält dann eben seine Sitzung stehend ab." Generell könnte man Besprechungen im Stehen oder Gehen abhalten; wenn man etwas von KollegInnen im Büro benötigt, sollte man nicht anrufen, sondern zu ihnen gehen; und man sollte die Treppen benutzen, anstatt mit dem Lift zu fahren.

Wer dennoch viel sitzt oder sitzen muss, sollte zumindest auf eine Wirbelgelenks-schonende Haltung beim Sitzen achten, um Gelenke und Muskel nicht überzustrapazieren. "Früher hat man immer gesagt 'Bauch rein, Brust raus'", erinnert sich der Wiener Sportwissenschafter Dr. Paul Scheibenpflug, "besser ist es aber, wenn man sich 'hochzieht', das heißt, den Abstand zwischen dem Brustbein und dem Nabel vergrößert!".

Entspannungsübungen während der Arbeitszeit

Laut den ExpertInnen ist es im Übrigen auch ratsam, in den Arbeitspausen Entspannungs-übungen einzulegen. Einige Übungen, die leicht durchführbar sind, und durchaus Entspannung und Kräftigung bringen, wären etwa: die Schultern heben und senken, nach vor oder zurück zu rollen, den Kopf nach links oder rechts in Richtung Schultern bewegen, oder den Oberkörper zurücklehnen und die Arme über den Kopf nach hinten strecken. "Die Erfahrungen zeigen, dass man nach solchen Bewegungspausen wieder viel effizienter arbeiten kann. Man ist wieder frischer und geistig aufnahmefähiger", erläutert Dr. Meggeneder.

Dies belegen auch Rückmeldungen von Dutzenden österreichischen Betrieben, in denen bereits seit einigen Jahren das Projekt "MitarbeiterInnen bewegen MitarbeiterInnen" läuft. MitarbeiterInnen bringen dabei ihren KollegInnen verschiedene Übungen bei, die man am Arbeitsplatz durchführen kann. Dr. Meggeneder resümiert: "Die ArbeitnehmerInnen, die hier mitmachen, sind derart motiviert, dass sie auch in der Freizeit mehr Bewegung machen, was natürlich noch zusätzliche gesundheitsfördernde Effekte mitbringt".

Bewegung in der Freizeit als Ausgleich zur Arbeitsplatz- Monotonie

Auch außerhalb des Arbeitsplatzes sollte man also nicht auf die Bewegung vergessen, um sich auch während der Arbeit fit und entspannt zu fühlen. "Die meisten Leute glauben ja, dass Bewegung müde mache, und dass, wenn man von der Arbeit müde ist, sich ausrasten müsse. Das Gegenteil ist der Fall: Wer von der Arbeit müde ist, braucht effiziente Muntermacher, um wieder fit zu werden", betont Dr. Paul Scheibenpflug, Sport- und Kommunikations-wissenschafter bei der Firma Wellcon in Wien. Der Experte empfiehlt etwa Mountainbike Fahren, Laufen und Wandern, sowie Techniken, die eine Vielfalt an Bewegungen integrieren und auch das Koordinationsvermögen trainieren, wie Qi Gong und abwechslungsreiche Gymnastik.

Dies gilt jedoch nicht nur für Menschen mit sitzenden Berufen -auch körperlich aktive Berufsgruppen wie GärtnerInnen oder Bauern/Bäuerinnen brauchen einen Ausgleich. "LandwirtInnen sind zwar immer in Bewegung, aber sie bewegen sich häufig falsch, indem sie zum Beispiel Lasten falsch heben oder falsch tragen. Zudem sind die Bewegungen oft einseitig, statisch. Das alles führt zu einer einseitigen Überbelastung von bestimmten Muskelpartien und dem Bewegungsapparat", erklärt Prof. DI Heinrich Stadlmann, der in der Sozialversicherungsanstalt der Bauern für Sicherheit am Arbeitsplatz und Gesundheits-förderung zuständig ist.

Prof. Stadlmann pocht daher auf regelmäßige Ausgleichsbewegungen über längere Zeiträume hinweg. "Ausreichend sind bereits drei- bis viermal pro Woche eine halbe Stunde Ausdauersport mit der richtigen Pulsfrequenz. Egal ob flottes Spazierengehen, Wandern, laufen, Rad fahren, auf Berge gehen oder im Winter Langlaufen. All das ist gut für die Gesundheit - auch und gerade für Bauern und Bäuerinnen oder andere vorwiegend körperlich aktiven Berufgruppen", so Prof. Stadlmann.

Internet-Tipp: http://www.gesundesleben.at

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