• 11.05.2004, 20:23:35
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn der Prophet Wein trinkt und anderen Wasser predigt" (von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 12.05.2004

Graz (OTS) - Es lassen sich gute Gründe dafür anführen, warum der
Zukauf externer Berater durch Ministerien an sich noch nichts
Verwerfliches ist. Die Unabhängigkeit, die ein Außenstehender
mitbringt, lässt es mitunter sogar erstrebenswert erscheinen, sich
bei der Umsetzung wichtiger Reformvorhaben nicht nur auf die eigenen
Fachleute zu verlassen.

So wäre es naiv, zu glauben, man könne sich von einer Beamtenschaft,
die über ein so großes Beharrungsvermögen wie die österreichische
verfügt, radikale Vorschläge zur eigenen Verschlankung erwarten.

Ob das - wie der Rechnungshof in seinem jüngsten Bericht bemäkelt -
aber horrende Beraterhonorare bis zu 2900 Euro täglich oder die so
kostspielige wie dilettantische juristische Beratung von Reformen
wie jener des Hauptverbands rechtfertigt - die dann erst recht vom
Höchstgericht gekippt wurde -, ist mehr als nur zweifelhaft.

Man kann es der Opposition nicht verargen, wenn sie hinter der
freihändigen Vergabe lukrativer Beraterverträge nun
"Freunderlwirtschaft" und eine "Verhöhnung des Steuerzahlers"
wittert. Dies umso mehr, als der Kanzler ja nie müde wurde, die
Bürger darauf einzuschwören, in Zukunft den Gürtel enger schnallen
zu müssen.

30 Jahre sozialistische Misswirtschaft hätten das Land an den Rand
des Ruins getrieben, auf die sieben fetten müssten nun ebenso viele
magere Jahre folgen. Das sind die Worte, die Wolfgang Schüssel so
zuverlässig wie eine tibetanische Gebetsmühle wiederholt. Allein, es
scheint, dass der Prophet Wasser predigt und Wein trinkt.

So leicht wie Schüssel jetzt vorgibt, lässt sich das Problem
jedenfalls nicht vom Tisch wischen. Es ist schön, wenn die
betroffenen Ministerien, wie der Kanzler schmallippig erklärt,
bereits "die Konsequenzen" gezogen haben. Noch schöner wäre es,
würden seine Minister ihren eigenen Beamten nicht so sehr
misstrauen, dass sie Tätigkeiten, die sie ebenso gut und billiger
erledigen könnten, teuren externen Beratern zuschanzen müssten.

Das Vertrauensdefizit, das hier zu Tage tritt, hängt vor allem damit
zusammen, dass die Parteien - SPÖ wie ÖVP gleichermaßen - über Jahre
hinweg systematisch die Unabhängigkeit des Spitzenbeamtentums
ausgehöhlt und ihre eigenen Günstlinge eingeschleust haben. Solche
Kurzsichtigkeit rächt sich. Durch verlorenes Know-how, das jetzt
teuer zurückgekauft werden muss, und durch Entfremdung und
Autoritätsverlust. Wer schenkt schon Politikern Glauben, die
Sparsamkeit zum moralischen Gebot der Stunde erklären, es selbst
aber an jeder Ausgabenmoral fehlen lassen? ****

OTS0266    2004-05-11/20:23

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