- 11.05.2004, 10:59:28
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Gesundheits-Partnerschaft: ARGE KV stellt Kooperationsmodell auf Länderebene vor
Linz (OTS) - Die von der Regierung ins Spiel gebrachten
Gesundheitsagenturen werden von den Krankenkassen der
Unselbstständigen als zusätzliche bürokratische Ebene abgelehnt.
Stattdessen legte die Arbeitsgemeinschaft der
Krankenversicherungsträger (ARGE KV) ein zukunftsweisendes Modell
vor, das auf Kooperation der Akteure im Gesundheitswesen setzt. Die
"Gesundheits-Partnerschaft" auf Länderebene ist hervorragend dazu
geeignet, nicht nur die von der Regierung formulierten Ziele zu
erreichen, sondern auch weitere wichtige Impulse zu setzen.
Die von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat favorisierten
Gesundheitsagenturen zur Steuerung der Finanzströme im
Gesundheitswesen würden nur eine zusätzliche bürokratische Ebene
einziehen und so das gesamte System erst einmal verteuern und noch
undurchschaubarer machen. Nicht zuletzt muss auf die großen Gefahren
hingewiesen werden, wenn ein komplexes System wie das
Gesundheitswesen, das rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts
darstellt, am Reissbrett neu geordnet werden soll. Schon kleine
Systembrüche können enorme Auswirkungen haben.
Dagegen setzt die ARGE KV auf die Gesundheits-Partnerschaft auf
Länderebene. Alle Akteure des Gesundheitswesens sollen nach
festgelegten Spielregeln gemeinsam zu Entscheidungen kommen, wie
definierte Gesundheitsziele erreicht werden können. Das Modell
bezieht nicht nur alle Finanziers, sondern auch die
Leistungserbringer ein. Eine zentrale Rolle spielt ein sogenanntes
Steuerungsgremium, eine unabhängige Qualitätssicherung sowie eine
Patientenbeteiligung auf lokaler Ebene sind ebenfalls vorgesehen.
Ein wesentlicher Vorteil des von der ARGE KV vorgelegten
Kooperationsmodells ist es, dass die Vorteile sofort lukriert werden
können. Anders als beim Konzept mit Länder- und einer Bundesagentur
müssen die erwarteten Vorteile schon vorher klar definiert und in
streng überwachten Projekten umgesetzt werden. Ein weiterer Vorteil:
Es sind keine neuen Organisations-Strukturen notwendig. Bei den
Gesundheitsagenturen soll hingegen zuerst eine neue Bürokratie
geschaffen werden - erst nach Jahren wird man sehen, ob diese
erfolgreich arbeitet oder nicht.
Von der Prävention bis zum Hospiz
Nach den Vorstellungen der ARGE KV soll die
Gesundheits-Partnerschaft alle Gesundheitsbereiche umfassen, von der
Prävention über den kurativen Bereich und den Bereich der
Rehabilitation und Pflege bis zur Sterbebegleitung im Hospiz.
Vorrangiges Ziel des Modells Gesundheits-Partnerschaft ist es, die
Leistungen dort anzusiedeln, wo sie in der definierten und aus
Patientensicht optimalen Qualität am kostengünstigsten angeboten
werden können.
Weil die Leistungsangebote einer objektiven Qualitätskontrolle
unterworfen werden, ist durch dieses Modell auch ein gleicher Zugang
zum Gesundheitswesen für alle Patientinnen und Patienten gesichert.
Transparente und vergleichbare Kostenstrukturen bilden eine stabile
Entscheidungsgrundlage und ermöglichen eine bedarfsgerechte Steuerung
und Verteilung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Eine
durchgehende Einbeziehung der Finanziers in die Entscheidungsfindung
ist dafür eine wichtige Voraussetzung.
Gegen teure Fehlversorgung
Zu den Zielen des von der ARGE KV vorgelegten Kooperations-Modells
zählt unter anderem der vollständige Austausch von intra- und
extramuralen Behandlungsdaten zu einer besseren Abstimmung der
Leistungen der Spitäler und des niedergelassenen Bereichs sowie der
ambulant und der stationär erbrachten medizinischen Dienstleistungen.
Nur so können ineffizienten Parallelstrukturen vermieden und teure
Fehlversorgungen korrigiert werden. Das Modell der
Gesundheits-Partnerschaft sieht auch eine bessere Information der
Patientinnen und Patienten über alle Behandlungsmöglichkeiten, Risken
und Kosten vor.
Die Vertreter der ARGE KV sind davon überzeugt, dass mit dem
vorgelegten Modell eine gute Antwort auf drängende Fragen des
Gesundheitswesens gelingen kann. Denn mit der
Gesundheits-Partnerschaft lassen sich unökonomische Mitteleinsätze
korrigieren, die durch intransparente Finanzströme verursacht werden.
Auch für derzeit bestehende unökonomische Systemanreize, wie etwa der
Extra-Honorierung von Ärzten durch Sonderklasse-Leistungen, lassen
sich im Kooperations-Modell saubere Lösungen finden. Da die Planung
an vorher breit diskutierten gesundheitspolitischen Zielen
ausgerichtet wird, kann der kostentreibende und zu Ineffizienz
führende Einfluss von partikulären und lokalen Interessen
("Kirchturm-Politik") gestoppt werden.
Die Gesundheits-Partnerschaft macht an den Ländergrenzen nicht
Halt und ermöglicht bei Schwerpunktleistungen und sich tatsächlich
überschneidenden Versorgungsregionen eine überregionale Planung. Dass
das Modell eine Zusammenarbeit der Akteure vor allem auf Landesebene
vorsieht, hat gute Gründe. Auf Landesebene treffen praktisch alle
wichtigen Akteure des Gesundheitswesens zusammen. Die Länder sind
zuständig für die Spitäler. Ärzte, Apotheken, Rettungsorganisationen
und viele andere medizinische Dienstleister sind auf Länderebene
organisiert. Die Planung auf Landesebene ist nahe am Patienten und
ermöglicht Benchmarking und gesunden Wettbewerb der Länder.
Aus Erfolgsmodellen weiterentwickelt
Das Konzept der Gesundheits-Partnerschaft wurde auf Basis der
Erfahrungen mit bereits funktionierenden Modellen in den
Bundesländern Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich und
Niederösterreich entwickelt. Gemeinsam ist diesen Modellen, dass sie
auf Kooperation und gemeinsamen Zielen beruhen, dass sie ihre
Aufgaben gemeinsam in Projektform definieren und dass sie bereits
mess- und nachweisbare Vorteile für Patienten und Finanziers bringen.
Da die Strukturen und Problemlagen in den Regionen
unterschiedliche sind, müssen klarerweise verschiedene Wege
entwickelt werden, um allen Patientinnen und Patienten gleiche
Qualität der Gesundheitsversorgung zu sichern. Die
Gesundheits-Partnerschaft ermöglicht diese Flexibilität und lässt
verschiedene Wege der Problemlösung zu. Das wiederum ermöglicht
Weiterentwicklung und Benchmarking.
"diseconomies of scale"
Die von Ministerin Rauch-Kallat ins Spiel gebrachte Einteilung
Österreichs in vier Gesundheitsregionen wird von der ARGE KV
abgelehnt. Dagegen gibt es nicht nur starke verfassungsrechtliche
Bedenken. Mehrere internationale Studien zeigen, dass durch die
Betriebsgröße von Organisationen die Effizienz nur bis zu einem
gewissen Grad gesteigert werden kann. Dieser Kritische Wert liegt in
der Versicherungswirtschaft bei 700.000 bis 750.000 Polizzen
beziehungsweise Versicherten. Dann sinkt die Effizienz wieder ab
("diseconomies of scale"). Alleine schon deshalb verspricht das
Vier-Regionen-Modell keine höhere Effizienz.
Die Vertreter der ARGE KV sind davon überzeugt, dass die
Gesundheits-Partnerschaft auf Länderebene der Schlüssel zu einer
erfolgreichen Entwicklung im Gesundheitssystem ist. Gemeinsam und
ausschließlich orientiert am Nutzen für Patientinnen und Patienten
und an messbaren Zielen ist das Modell jedem anderen bisher
vorgestellten deutlich überlegen.
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