• 07.05.2004, 08:26:28
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Eine Welt ohne Hunger ist möglich

Start des WELTHAUS-Bildungsprojekts zur Ernährungssicherheit

Wien (OTS) - In Wien wurde am 6. Mai das Bildungsprojekt "Die
Dringlichkeit regionaler Ernährungssicherheit" von WELTHAUS
ÖSTERREICH mit dem internationalen Symposium "Eine Welt ohne Hunger
ist möglich!" eröffnet. Welthaus verlangt, dass alle Menschen
ausreichend und regelmäßig Nahrung zur Verfügung haben, die
nährstoffreich und kulturell angepasst ist. Dafür sind weltweit die
Rahmenbedingungen zu schaffen: Stärkung der regionalen
Landwirtschaft, Chancengleichheit im internationalen Agrarhandel und
Erhaltung pflanzengenetischer Vielfalt.

Über 800 Millionen Menschen unterernährt

Ulrike Grote vom Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn gab
einen Überblick über die globale Ernährungssituation: 15% der
Weltbevölkerung sind unterernährt, drei Viertel davon in Asien. Am
meisten betroffen sind Menschen in ländlichen Regionen, wobei die
Armut in nicht bewässerten Gegenden am größten ist. Die
Immunschwächekrankheit AIDS verstärkt vor allem in Afrika die
Situation noch mehr, weil gerade der produktive Teil der Bevölkerung
ausfällt. Dennoch meint Frau Grote, dass Ernährungssicherheit für
alle Menschen möglich ist. Es scheitert nur an der gerechten
Verteilung der Nahrungsmittel.

Thomas Friedheim von der WTO in Genf verwahrte sich davor, dass
die WTO dort Verantwortung übernehmen soll, wo sie eigentlich bei den
nationalen Regierungen liegt. Die WTO ist nicht dazu da,
Entwicklungshilfe zu leisten. Der Handel als solcher gibt aber
zumindest die Chance, den Kuchen für die Entwicklungsländer zu
vergrößern. Wie der Kuchen dann national verteilt wird, ist von der
WTO nicht zu beeinflussen. Friedheim unterstützt die Vorschläge der
CIDSE (internationaler Dachverband katholischer Hilfswerke der
Entwicklungszusammenarbeit), wonach die Entwicklungsländer die
Möglichkeit haben sollen, Zölle kurzzeitig anzuheben, um die eigene
Wirtschaft vor subventionierten Importen zu schützen.

Mehr Transparenz in der WTO

Friedheim begrüßt den Vorschlag, dass wie bei UNO-Organisationen
NGOs als Vertreter der Zivilgesellschaft Beobachterstatus bei den
WTO-Sitzungen haben sollten.

EuronAid, ein Zusammenschluss von 40 Nichtregierungsorganisationen
zur Durchführung von Nahrungsmittelhilfe gemeinsam mit der EU, legt
besonderen Wert darauf, dass bei Hilfslieferungen lokale
Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt und erhalten werden. Gerhard
Schmalbruch von EuronAid in Den Haag skizziert die Entwicklung der
Nahrungsmittelhilfe der EU seit dem Zweiten Weltkrieg. Während am
Anfang der Export von Agrarüberschüssen der Länder der Europäischen
Union stand, hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass
Nahrungsmittel besser vor Ort angekauft werden. Auf diese Weise
können lokale Märkte gestärkt werden, anstatt sie durch
Nahrungsmittelimporte zu zerstören. Hier stehen sich die Politiken
von EU und USA allerdings diametral gegenüber, weil letztere noch
immer in der Nahrungsmittelhilfe von den eigenen Überschüssen
ausgehen. Insgesamt ist das Volumen der vor Ort gekauften
Nahrungsmittel für Hilfeleistungen kaum mehr als 10% des
Gesamtvolumens.

Zu beachten ist sicher auch, dass die Agrarsubventionen vor allem
den Agrarkonzernen zugute kommen und nicht den Kleinbauern.

Die Soziallehre der Katholischen Kirche ist das bestgehütete
Geheimnis des Christentums.

Gunter Prüller-Jagenteufel, Sozialethiker der Universität Wien,
entwickelt seine Darstellung des ethischen Aspekts von
Nahrungsunsicherheit an Hand des Katechismus-Zitats "Die Güter der
Erde sind für das gesamte Menschengeschlecht bestimmt". Die aktuelle
Globalisierung bevorzugt aber nur eine kleine Gruppe. Globalisierung
ist kein Naturereignis, sondern von Menschen gemacht und daher auch
ethisch zu verantworten.

Gerechtigkeit herrscht nicht nur dort, wo der Austausch zwischen
Einzelnen geschieht, es besteht auch eine Verpflichtung der
Gesellschaft für den Einzelnen und umgekehrt. "Solange der Skandal
des Hungers nicht überwunden ist, dürfen wir nicht nachlassen, durch
geeignete Projekte das Elend zu bekämpfen!" meint
Prüller-Jagenteufel.

Das Symposium wird am 7. Mai mit Workshops mit den Referenten
fortgesetzt.

OTS0007    2004-05-07/08:26

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