Eine Welt ohne Hunger ist möglich

Start des WELTHAUS-Bildungsprojekts zur Ernährungssicherheit

Wien (OTS) - In Wien wurde am 6. Mai das Bildungsprojekt "Die Dringlichkeit regionaler Ernährungssicherheit" von WELTHAUS ÖSTERREICH mit dem internationalen Symposium "Eine Welt ohne Hunger ist möglich!" eröffnet. Welthaus verlangt, dass alle Menschen ausreichend und regelmäßig Nahrung zur Verfügung haben, die nährstoffreich und kulturell angepasst ist. Dafür sind weltweit die Rahmenbedingungen zu schaffen: Stärkung der regionalen Landwirtschaft, Chancengleichheit im internationalen Agrarhandel und Erhaltung pflanzengenetischer Vielfalt.

Über 800 Millionen Menschen unterernährt

Ulrike Grote vom Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn gab einen Überblick über die globale Ernährungssituation: 15% der Weltbevölkerung sind unterernährt, drei Viertel davon in Asien. Am meisten betroffen sind Menschen in ländlichen Regionen, wobei die Armut in nicht bewässerten Gegenden am größten ist. Die Immunschwächekrankheit AIDS verstärkt vor allem in Afrika die Situation noch mehr, weil gerade der produktive Teil der Bevölkerung ausfällt. Dennoch meint Frau Grote, dass Ernährungssicherheit für alle Menschen möglich ist. Es scheitert nur an der gerechten Verteilung der Nahrungsmittel.

Thomas Friedheim von der WTO in Genf verwahrte sich davor, dass die WTO dort Verantwortung übernehmen soll, wo sie eigentlich bei den nationalen Regierungen liegt. Die WTO ist nicht dazu da, Entwicklungshilfe zu leisten. Der Handel als solcher gibt aber zumindest die Chance, den Kuchen für die Entwicklungsländer zu vergrößern. Wie der Kuchen dann national verteilt wird, ist von der WTO nicht zu beeinflussen. Friedheim unterstützt die Vorschläge der CIDSE (internationaler Dachverband katholischer Hilfswerke der Entwicklungszusammenarbeit), wonach die Entwicklungsländer die Möglichkeit haben sollen, Zölle kurzzeitig anzuheben, um die eigene Wirtschaft vor subventionierten Importen zu schützen.

Mehr Transparenz in der WTO

Friedheim begrüßt den Vorschlag, dass wie bei UNO-Organisationen NGOs als Vertreter der Zivilgesellschaft Beobachterstatus bei den WTO-Sitzungen haben sollten.

EuronAid, ein Zusammenschluss von 40 Nichtregierungsorganisationen zur Durchführung von Nahrungsmittelhilfe gemeinsam mit der EU, legt besonderen Wert darauf, dass bei Hilfslieferungen lokale Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt und erhalten werden. Gerhard Schmalbruch von EuronAid in Den Haag skizziert die Entwicklung der Nahrungsmittelhilfe der EU seit dem Zweiten Weltkrieg. Während am Anfang der Export von Agrarüberschüssen der Länder der Europäischen Union stand, hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass Nahrungsmittel besser vor Ort angekauft werden. Auf diese Weise können lokale Märkte gestärkt werden, anstatt sie durch Nahrungsmittelimporte zu zerstören. Hier stehen sich die Politiken von EU und USA allerdings diametral gegenüber, weil letztere noch immer in der Nahrungsmittelhilfe von den eigenen Überschüssen ausgehen. Insgesamt ist das Volumen der vor Ort gekauften Nahrungsmittel für Hilfeleistungen kaum mehr als 10% des Gesamtvolumens.

Zu beachten ist sicher auch, dass die Agrarsubventionen vor allem den Agrarkonzernen zugute kommen und nicht den Kleinbauern.

Die Soziallehre der Katholischen Kirche ist das bestgehütete Geheimnis des Christentums.

Gunter Prüller-Jagenteufel, Sozialethiker der Universität Wien, entwickelt seine Darstellung des ethischen Aspekts von Nahrungsunsicherheit an Hand des Katechismus-Zitats "Die Güter der Erde sind für das gesamte Menschengeschlecht bestimmt". Die aktuelle Globalisierung bevorzugt aber nur eine kleine Gruppe. Globalisierung ist kein Naturereignis, sondern von Menschen gemacht und daher auch ethisch zu verantworten.

Gerechtigkeit herrscht nicht nur dort, wo der Austausch zwischen Einzelnen geschieht, es besteht auch eine Verpflichtung der Gesellschaft für den Einzelnen und umgekehrt. "Solange der Skandal des Hungers nicht überwunden ist, dürfen wir nicht nachlassen, durch geeignete Projekte das Elend zu bekämpfen!" meint Prüller-Jagenteufel.

Das Symposium wird am 7. Mai mit Workshops mit den Referenten fortgesetzt.

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Welthaus Diözese Graz-Seckau
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