- 06.05.2004, 14:11:15
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SJ-NÖ: Nein zum Muttertag - Für 365 Gleichberechtigungstage im Jahr
Aktionstag macht auf frauenfeindliche Wurzeln und Ziele des Muttertages aufmerksam
St. Pölten (SJ) - Die Sozialistische Jugend Niederösterreich hat
heute vormittag in der St. Pöltner Innenstadt mit einem
"Muttertagsherz" auf den Muttertag und die dahinter stehende
frauenfeindliche Ideologie aufmerksam gemacht. "Durch die Begehung
des Muttertages sollen konservative, frauenfeindliche Werte und
Erwartungen an Frauen gefestigt werden", so die Frauensprecherin der
SJNÖ Leila Hadj-Abdou.****
In Deutschland wurde der Muttertag mit Beginn der 20-er Jahre von der
deutschen Vereinigung der Blumenhändler und der rassistischen
"Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung" eingeführt. Der Muttertag
war also eine Mischung aus kommerziellem Streben des damals relativ
schlecht florierenden Blumenhandels und des rassistischen
Gedankenguts der Nationalsozialisten.
Die Arbeiterzeitung schrieb 1929 dazu: "Der deutsche Muttertag wird
vor allem Gelegenheit schaffen, breiteste Kreise auf die großen
Fragen unseres völkischen Bestehens hinzuweisen, auf die Bedeutung,
die die Mutterschaft im Leben der Familie und eines jeden Volkes hat.
Hier wird man auch betonen müssen, dass es lediglich die
kinderreichen Familien sind, die das Leben eines Volkes erhalten und
fortführen. […] Unlösbar ist mit dem Kampf um eine gesunde
Mutterschaft eine zielbewusste Rassenhygiene und eine sexuelle
Hygiene verbunden […]" schrieb die AG 1926.
In Österreich wurde der Muttertag 1924 von der katholischen Kirche
eingeführt und von den austro-faschistischen Kräften beworben. Damit
sollte ein Frauenbild gefestigt werden, bei welchem der quasi
natürliche Platz der Frau im Haus, bei Kinder und Mann ist, dienend
und selbstlos für ihre Familie. Der jährliche Dank an die Mutter
sollte nicht die schwere Situation von Frauen und Müttern verbessern
sondern eben diese Situation unhinterfragt fortsetzen. Schon damals
wurde der Muttertag von der Arbeiterpartei abgelehnt "Es lag immer
schon ein Stück Heuchelei darin, dass eine Gesellschaft, die der
schwangeren Arbeitslosen die Unterstützung entzieht, die der Mutter
die dreifache Last der schlecht bezahlten Frauenarbeit, der
unbezahlten Hausarbeit und der Kindererziehung aufbürdet, gerade an
jenem Tag so tut, als erinnerte sie sich ihrer Pflichten- um in
Wahrheit diese Pflichten nur umso beruhigter wieder für ein Jahr zu
missachten".
Unter den Nationalsozialisten wurde das "Mutterkreuz" an brave
arische Mütter verteilt, die das deutsche Blut an ihre Kinder
weiterreichte und die Vaterländische Front vergab "Diplome" an
kinderreiche, christliche Mütter. Die österreichische "Zurück an den
Herd" Politik, die sich in Gesetzen wie Arbeitsverbot für
verheiratete Frauen im Bundesdienst (1933/34) zeigte, sollte so
ideologisch gestärkt werden.
Auch heute wird mit politischen Maßnahmen wie dem Kindergeld eine
ähnliche Politik betrieben, anstatt Frauen durch eine aktive
Frauenpolitik eine selbständige Existenz zu sichern, und sie damit
vom zumeist besser verdienenden Mann unabhängig zu machen, so die
Position der SJNÖ.
"Muttertag zu feiern heißt also die Diskriminierung von Frauen zu
unterstützen. Muttertag heißt also Frauen nur dann als wertvoll für
die Gesellschaft anzuerkennen, wenn sie Kinder bekommen", meinen die
Frauensprecherin der SJNÖ Leila Hadj-Abdou und deren Vorsitzender
Bernhard Wieland. Daher: "Nein zum Muttertag - Für 365
Gleichberechtigungstage im Jahr!", so Wieland und Hadj-Abdou
abschließend.
(Schluss)
OTS0235 2004-05-06/14:11
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