- 06.05.2004, 11:53:12
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PRÖLL: JEDER KANN KLIMA:AKTIV SEIN
Internationale Klimatagung in Wien propagiert klima:bewusstes Handeln
Wien (OTS) "Die Folgen des globalen Klimawandels sind schon jetzt
spürbar. Allein in den letzten 100 Jahren ist in Österreich die
Durchschnittstemperatur um 1,8 Grad Celsius gestiegen. In Rekordtempo
verschwindende Gletscher, extreme Niederschläge, Hochwasser und immer
länger werdende Dürreperioden erfordern eine nachhaltige
Klimaschutzpolitik auf allen Ebenen - national, EU-weit und
international. Von enormer Bedeutung ist aber auch der Beitrag jedes
Einzelnen. Jeder von uns ist aufgefordert, klima:aktiv zu werden", so
Umweltminister Josef Pröll bei der Pressekonferenz zur
Internationalen Klimatagung 2004 von Lebensministerium und
Umweltdachverband in der Österreichischen Nationalbibliothek.
Umweltminister Josef Pröll, der Präsident des Umweltdachverbandes Dr.
Gerhard Heilingbrunner, der Vertreter der EU-Kommission Dr. Artur
Runge-Metzger, sowie Dr. Werner Beutelmeyer vom Linzer "market
Institut" waren sich dabei einig, dass Wirtschaft, Politik,
Verwaltung, NGOs, Bildung und Wissenschaft mehr für das
Klimabewusstsein der Bevölkerung tun müssen. ****
Aus einer aktuellen Studie, die das "market-Institut" im Auftrag des
Lebensministeriums durchgeführt hat, geht hervor, dass Herr und Frau
Österreicher sich über den Klimaschutz nicht ausreichend informiert
fühlen. Andererseits werden aber ganz klar Haushalt und Verkehr als
Problembereiche erkannt, in denen persönliches Engagement notwendig
wäre. Allgemein sehen die Österreicherinnen und Österreicher den
größten Handlungsbedarf bei Politik und Industrie. "Anders als beim
generellen Umweltschutz ist das Informationsniveau beim Klimaschutz
noch gering. Klimaschutz ist ein Thema, das in erster Linie noch als
Problem der Industrie gesehen wird und dort, wo das Bewusstsein des
individuellen Handelns bei den Bürgern schon am meisten ausgeprägt
ist, kommen sie in einen Interessenkonflikt - nämlich beim Auto", so
Dr. Werner Beutelmeyer vom Linzer Market Institut. Tatsache ist aber:
"2002 haben die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr erstmals jene
der Industrie übertroffen", hielt Umweltminister Josef Pröll fest.
Österreichs Haushalte sind für rund ein Drittel des CO2-Ausstoßes
verantwortlich. Heizung, Warmwasser und Elektrogeräte sind die
größten Energiefresser und damit CO2-Produzenten. Ein wichtiger
Ansatzpunkt zur Erreichung der Klimaschutzziele liegt also im Bereich
Wohnen und Haushalt. Für den Schutz des Klimas sind nicht nur
Gesetze und Verordnungen nötig, sondern "klima:aktives" Verhalten.
Jede und jeder Einzelne kann und muss einen Beitrag zum Klimaschutz
leisten, im täglichen Leben, beim Einkaufen, beim Autofahren, beim
Heizen, bei der Urlaubsplanung oder beim Wohnbau.
Mit der Klimastrategie zum Kyoto-Ziel
Die Österreichische Klimastrategie ist die gemeinsame Basis von Bund
und Ländern für effizienten Klimaschutz. Sie sieht Maßnahmen in den
Bereichen Energieerzeugung, Raumwärme, Industrie, Verkehr sowie
Land-, Forst- und Abfallwirtschaft vor, die dafür sorgen, dass
Österreich das Kyoto-Ziel von 13% weniger Treibhausgasemissionen bis
zum Zeitraum 2008 - 2012 erreicht.
Zur Umsetzung der Österreichischen Klimastrategie ist bereits eine
Reihe von Initiativen gesetzt worden. Die österreichische
Umweltförderung legt einen klaren Schwerpunkt auf den Klimaschutz.
2004 stehen 30 Millionen, 2005 60 Millionen und ab 2006 jährlich 90
Millionen Euro zusätzlich für klimarelevante Maßnahmen zur Verfügung.
Die Deponieverordnung, mit der eine maßgebliche Reduktion der
Methanemissionen aus der Abfallwirtschaft erzielt wird, ist seit
Beginn des Jahres in Kraft. Ebenfalls seit Beginn des heurigen Jahres
gilt das Road-Pricing für LKW. Auch die Anhebung der Energieabgaben
und die Einführung der Kohleabgabe seit 1. Jänner 2004 werden zu mehr
Energieeffizienz führen.
"Das Ökostromgesetz und die Einspeiseregelungen für Strom aus
erneuerbaren Energien sind ein weiterer wichtiger Beitrag zur
Erreichung der Klimaziele. Ökostrom ist eine Erfolgsgeschichte",
betonte Pröll. Bereits Ende 2003 lag der Ökostromanteil bei 1,6
Prozent der gesamten Energieabgabe. 2004 wird der Anteil 2,4 bis 2,8
Prozent betragen, damit liegt Österreich genau im Plan. Ziel ist 2008
4 Prozent Strom aus Biomasse, Wind und Sonnenenergie zu erzeugen.
Damit können wir einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung des
EU-Zielen leisten, im Jahr 2010 78 Prozent Strom aus erneuerbaren
Energien zu realisieren. Zum Vergleich, schon heute können wir mit
Ökostrom und Kleinwasserkraft mehr als einen halben Reaktorblock in
Temelin ersetzen, 2008 können wir bereits einen Reaktorblock
ersetzen. "An diesen Zielen muss daher unbedingt festgehalten
werden", so Pröll mit Nachdruck.
Lebensministerium hat eigenes Aktionsprogramm klima:aktiv gestartet
klima:aktiv wurde vom Lebensministerium gestartet, um die Bevölkerung
und die Wirtschaft über gesetzliche Regulative hinaus für aktiven
Klimaschutz zu gewinnen. Es ist auf der einen Seite
Informationsplattform für die Bevölkerung, um diese über die
Möglichkeiten zu informieren, zum Klimaschutz beizutragen. Es ist
darüber hinaus eine Kommunikationsplattform, die relevante
Wirtschaftszweige und wesentliche Akteure zur aktiven Mitgestaltung
beim Klimaschutz einlädt.
Auf der anderen Seite ist klima:aktiv ein Aktionsprogramm des
Lebensministerium, das mit Hilfe maßgeschneiderter Teilprogramme für
unterschiedlichste Branchen klimafreundlichen Technologien und
Dienstleistungen zum Durchbruch verhelfen und deren Marktanteile
vergrößert. Es wendet sich an Maurer, Zimmerer, Installateure,
Rauchfangkehrer, Klein- und Mittelbetriebe, Wohnbaugenossenschaften
bis hin zu Architekten. Für Ausbildung, Qualitätssicherung und die
Forcierung klimafreundlicher Technologien und Dienstleistungen stehen
bis 2012 jährlich drei Millionen Euro zur Verfügung.
Die ersten klima:aktiv-Programme laufen bereits erfolgreich: Das
Teilprogramm Ecofacility unterstützt die thermisch-energetische
Modernisierung und Optimierung von privaten Dienstleistungsgebäuden.
e5 ist das umfassende Klimaschutzprogramm für energieeffiziente
Gemeinden. klima:aktiv will das e5-Konzept auf ganz Österreich
ausweiten. Die nächsten Zertifizierungen von Gemeinden finden bereits
Ende Mai/Anfang Juni statt. Noch 2004 startet klima:aktiv Programme
in den Bereichen Solarwärme, energieeffiziente Betriebe,
betriebliches Mobilitätsmanagement, Biogas, Qualitätsmanagement von
Heizwerken und Energieholz. klima:aktiv ist damit ein klares Signal
für die konsequente Umsetzung der Österreichischen Klimastrategie.
Klimaschutz mit Hausverstand
Österreich betreibt Klimaschutz mit Hausverstand. Das bedeutet auch
die Verknüpfung marktwirtschaftlicher Instrumente mit den Zielen des
Umwelt- und Klimaschutzes. Mit dem Emissionszertifikategesetz wurde
eine ökologische und wirtschaftsverträgliche Lösung vorgelegt, die
gleichzeitig dem Ziel der Entkoppelung des CO2-Ausstoßes vom
Wirtschaftswachstum Rechnung trägt. Die Mechanismen der
Marktwirtschaft können so für den Klimaschutz intelligent eingesetzt
werden.
Der am Dienstag vom Wirtschaftsminister im Ministerrat vorgelegte
Energiebericht der Bundesregierung 2003 geht davon aus, dass das
"Kyoto-Szenario" gegenüber dem Status quo rund 700 Millionen Euro
Wirtschaftsimpulse bringt. Die konsequente Umsetzung der
Klimastrategie senkt auch die Kosten für den Energieverbrauch durch
Einsparungseffekte. Die Arbeitsplatzeffekte werden darüber hinaus
positiv bewertet. Im "Kyoto-Szenario" entstehen bis zu 25.000 neue
Jobs.
Gleiches gilt für die geltende Ökostromregelung. Mit Erreichen des 4
Prozent-Zieles können rund 3.000 Arbeitsplätze gesichert und neu
geschaffen werden. Die Kosten dafür sind vergleichsweise gering, der
Anteil der Ökostromkosten an den Gesamtstromkosten beläuft sich auf
1,2 Prozent. "Wenn wir über den Klimaschutz reden, dann reden wir
über positive Impulse für den Wirtschaftsstandort Österreich und über
heimische Arbeitsplätze. Klimaschutz schafft Arbeitsplätze", ist
Pröll überzeugt.
"Ich würde mir von der Wirtschaft wünschen, dass sie ihre
Willensbekundungen, die sich in ihren Hochglanzbroschüren finden, in
die Tat umsetzen. Denn wir alle müssen in Zukunft in Sachen
Klimaschutz weit mehr unternehmen als bisher, wollen wir unsere
globale Verantwortung im Klimaschutz wirklich ernst nehmen",
assistierte Präsident Gerhard Heilingbrunner, der ein 10-Punkte
Forderungsprogramm des Umweltdachverbandes für einen nachhaltigen
Klimaschutz in Österreich vorstellte.
Dass Klimaschutz neue Marktchancen eröffnet zeigen auch Österreichs
innovative Unternehmen in der Praxis. Österreichisches Know-how bei
Umwelttechnologien ist international anerkannt. Insbesondere beim Bau
von Biomasseheizwerken und Biomassekleinanlagen, thermischen
Solaranlagen und Kleinwasserkraftwerken, in der Abwasserbehandlung
und Abfallentsorgung haben österreichische Unternehmen die Nase vorn.
Mit den ÖBB klimafreundlich zu klima:bewusst - klima:aktiv
Die ÖBB unterstützen als klima:aktiv-Partner des Lebensministeriums
die Klimatagung 2004. Die Rückfahrt von der Tagung zum jeweiligen
Abfahrtsbahnhof innerhalb Österreichs ist kostenlos. Damit engagieren
sich die ÖBB, die schon im März 2004 den Kyoto-Express als
Klimabotschafter auf die Schienen gestellt haben, erneut im
Klimaschutz, betonte Pröll abschließend.
(Schluss)
OTS0152 2004-05-06/11:53
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