"Kleine Zeitung" Kommentar: "Siege in den Aufbauspielen zählen im Endspiel nicht" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 30.04.2004

Graz (OTS) - Ein 5:0 erhoffte sich Alfred Gusenbauer für das heurige Wahljahr und derzeit schaut es so aus, als würden die Rotjacken einen haushohen Sieg feiern. Dennoch könnte es Gusenbauer so ergehen wie Hans Krankl, dessen Truppe zwar gegen Jausengegner gewinnt, im entscheidenden Qualifikationsmatch aber keine Tore schießt.

Bisher haben wir die Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten sowie die Bundespräsidentenwahlen hinter uns. Nur Blinde werden behaupten, es stünde 3:0 für die SPÖ. Richtig ist, dass es 0:3 gegen die ÖVP steht, weil die Kanzlerpartei überall verloren hat. Rechnet man die Arbeiterkammerwahlen hinzu sofern man diese Pflichtübung der Gewerkschafter überhaupt als demokratische Abstimmung bezeichnen kann , dann darf die SPÖ einen weiteren Erfolg verbuchen. Mit den bevorstehenden Europawahlen wird es dann vielleicht ein 4:1, aber sicher kein 5:0.

Auch nicht schlecht, wird sich Gusenbauer sagen und am morgigen 1. Mai auf der Tribüne vor dem Wiener Rathaus mit den vorbeimarschierenden Genossen die Rückeroberung der Hofburg durch Heinz Fischer feiern. An den tatsächlichen Machtverhältnissen in der Republik ändert sich dadurch nichts. Das Endspiel ist erst für den Herbst 2006 angesetzt.

Also nicht einmal die Halbzeit. Ein langer Weg für den SPÖ-Chef, der gar nicht sicher sein kann, im Finale auch der Kapitän zu sein. Für Wolfgang Schüssel hingegen eine Chance, die Niederlage noch abzuwenden.

In der momentanen Form wird eine Schlappe nicht zu verhindern sein. Das schwarz-blaue Team vertreibt mit seinem Ho-ruck-Kick das Publikum. Angeblich hatte die ÖVP mit Benita Ferrero-Waldner die beste Kandidatin, die man sich denken kann. Umso alarmierender muss der Befund sein, dass jeder fünfte ÖVP-Wähler der letzten Nationalratswahlen bei der Bundespräsidentenwahl zu Hause blieb oder eine ungültige Stimme abgab.

Hat Jörg Haider durch seine Empfehlung die Ferrero-Wähler vertrieben? Plausibler als diese Hypothese ist, dass Haiders Umarmung die Gegner mobilisierte, weil die Wiener SPÖ ihr Feindbild wieder hatte und die Grünen ohne Gewissensbisse tun konnten, was sie ohnehin immer wollten: mit Fischer rot wählen.

Die Fronten formieren sich. Die Konstellation wie 2002, dass einer, nämlich Schüssel, alle Optionen hatte und die übrigen jeweils nur eine einzige, wird sich kaum wiederholen. Andererseits: Bloß auf die Fehler des anderen zu warten, wird für Gusenbauer zu wenig sein. ****

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