Donau und Rhein haben eigenen Charakter

Wien (OTS) - Die europäische Verkehrsader Rhein-Main-Donau verbindet auf rund 3.500 km die Nordsee mit dem Schwarzen Meer. Rhein und insbesondere die Obere Donau unterscheiden sich in Abflussmenge und Fließgeschwindigkeit deutlich. Damit herrschen auch gänzlich andere Bedingungen für den Schifffahrtsbetrieb. Signifikante Unterschiede zwischen den Stromgebieten gibt es auch hinsichtlich der Transportentfernungen: Während Schiffe im Langstreckenverkehr über die Obere Donau im Durchschnitt 1.400 km - also 10 bis 14 Tage -unterwegs sind, betragen die Transportdistanzen am Rhein nur rund 300km und damit zwei bis drei Tage. 1:1-Vergleiche hinsichtlich Mindestfahrwassertiefe und daraus erzielbarer Abladetiefe, wie sie vom WWF in der Diskussion zum flussbaulichen Gesamtprojekt östlich von Wien vorgebracht werden, sind daher unzulässig und falsch.

Die langen Transportzeiten und die großen Wasserstandsschwankungen auf der Oberen Donau machen es dem Schiffsführer schwer, die an den Fliessstrecken der Donau verfügbaren Fahrwassertiefen im Voraus abzuschätzen. Die Schifffahrtstreibenden orientieren sich daher hinsichtlich der maximalen Abladetiefe ihrer Schiffe an den möglichen Fahrwassertiefen bei Regulierungsniederwasser - RNW, um keine Beschädigung ihrer Schiffe oder Unterbrechungen der Transporte zu riskieren. Aufgrund der unzureichenden Fahrwassertiefen in den Abschnitten Straubing-Vilshofen und östlich von Wien betragen die tatsächlich gefahrenen Abladetiefen im Langstreckenverkehr nur ca. 18-19 dm. Wegen der Nichtplanbarkeit der Wasserstandsentwicklung können die Schiffsführer theoretisch mögliche höhere Abladetiefen, selbst in Jahren mit guten Wasserständen, nicht nutzen. Zur Zeit gibt es keine seriösen technischen Möglichkeiten, Wasserstände räumlich präzise und für 10 bis 14 Tage im Voraus zu prognostizieren. Am Rhein hingegen treten Wasserstandsschwankungen seltener und im geringeren Ausmaß auf. Für den praktischen Schifffahrtsbetrieb bedeutet dies, dass sich die Beladung der Schiffe, infolge der kurzen Transportentfernungen, nahezu nach dem aktuellen Wasserstand richtet. Daher kann die Rheinschifffahrt eine Abladetiefe von 25dm - ein Maß für die Wettbewerbsfähigkeit - an etwa 300 Tagen im Jahr realisieren. Die Donauschifffahrt hingegen kann 25 dm Abladetiefe, obwohl sie vom Wasserstand der Donau an ca. 180 Tagen im Jahr gegeben sind, nahezu nie nutzen.

Die wesentlich gleichmäßigere und höhere Wasserführung des Rheins und die leichte Prognostizierbarkeit der Wasserstandsschwankungen erklären, warum die Behörden für den Rhein auf einigen Abschnitten geringere Mindestfahrwassertiefen garantieren und trotzdem von der Schifffahrt signifikant höhere Abladetiefen gefahren werden. Das erklärt auch weiters, warum am Unteren und Mittleren Rhein Schiffe mit bis zu einer Abladetiefe von 3,50 m regelmäßig im Einsatz sind, auf der Oberen Donau hingegen bei den meisten Schiffen die technisch mögliche Abladetiefe von 2,70 m nur sehr selten genutzt wird. Daher beträgt die durchschnittliche Auslastung von Schiffen am Rhein 85 %, auf der Oberen Donau liegt sie im Langstreckenverkehr bei lediglich ca. 60 %. Um homogene Fahrwasserverhältnisse zwischen Rhein und Donau zu erhalten und damit vergleichbare wirtschaftliche Bedingungen für den Schifffahrtsbetrieb zu schaffen, müssen die Behörden auf der Oberen Donau höhere Mindestfahrwassertiefen als am Rhein garantieren. Im flussbaulichen Gesamtprojekt wurde diese Mindestfahrwassertiefe im zentralen Bereich der Schifffahrtsrinne mit 27 dm festgelegt und ein zusätzlicher Dezimeter vorgesehen, um der Schifffahrt trotz der gewählten Grobkornbeigabe zur Sohlstabilisierung ausreichend Flottwasser zu gewähren.
Eine undifferenzierte Betrachtung der beiden Flüsse - wie sie vom WWF in der Diskussion um das flussbauliche Gesamtprojekt immer wieder vorgebracht wird - führt zu vollkommen falschen und verzerrten Aussagen.

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