ÖGB-Frauen solidarisieren sich mit den Veloce-FahrerInnen

ÖGB-Expertin Rolzhauser fordert mehr Rechte für atypisch Beschäftigte

Wien (ÖGB). (OTS) - Solidarität mit den Streikenden bei Veloce kommt aus dem ÖGB. "Die Veloce-FahrerInnen fordern eine gerechte Entlohnung und faire Arbeitsbedingungen. Wir sind solidarisch mit ihnen und fordern, dass Veloce-Chef Brandstätter den berechtigten Forderungen der FahrerInnen nachkommt", sagt ÖGB-Bundesfrauensekretärin Sylvia Ledwinka. Elisabeth Rolzhauser, ÖGB-Expertin für atypisch Beschäftigte, nimmt den Konflikt bei Veloce zum Anlass um generell mehr Rechte für Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige zu verlangen. "Den vielen Pflichten dieser beiden Beschäftigtengruppen stehen derzeit kaum Rechte gegenüber. Ihnen wird das volle unternehmerische Risiko angelastet und das bei oftmals beschämend niedriger Bezahlung", sagt Rolzhauser.++++

Die Veloce-RadbotInnen halten morgen ab 11 Uhr eine Ring-Radrundfahrt ab, um ihre Forderungen für faire Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Dazu gehören die Bezahlung des ursprünglich versprochenen vollen Anteils am Umsatz sowie an der Preiserhöhung, die Angleichung des Einkommens von AnfängerInnen an jene von länger Beschäftigten, die Auszahlung am Monatsanfang, die Rückerstattung der Handykosten für Gespräche mit dem Unternehmen und die Offenlegung der Verträge mit den Versicherungen und Krankenkassen. "Es kann nicht sein, dass im 21. Jahrhundert für einen Teil der Beschäftigten Arbeitsbedingungen herrschen wie in der sozialpolitischen 'Steinzeit'. Atypisch Beschäftigte brauchen dringend mehr Rechte", sagt die Bundessekretärin der ÖGB-Frauen, Sylvia Ledwinka.

Elisabeth Rolzhauser fordert generell eine Neudefinition des ArbeitnehmerInnen-Begriffs. "Der Begriff ist hoffnungslos veraltet. Kriterien wie die fixe Festlegung von Arbeitszeit und Arbeitsort durch den Auftraggeber, die derzeit auch erfüllt sein müssen, damit man als ArbeitnehmerIn gilt, sind in unserer flexiblen Arbeitswelt häufig obsolet. Künftig soll bei der Zuordnung zur Gruppe der unselbständig Beschäftigten ausschließlich auf die wirtschaftliche Abhängigkeit abgestellt werden", verlangt Rolzhauser. Damit erhielte auch der Großteil der Beschäftigten, die als Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige arbeiten, den arbeits- und sozialrechtlichen Schutz, den unselbständig Beschäftigte haben. Derzeit gilt für Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige das Arbeitsrecht nicht: Für sie gelten die kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter nicht, es gibt kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld und kein Recht auf Abfertigung. Mangelhaft ist auch ihre sozialrechtliche Absicherung:
Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbständige erhalten kein Krankengeld und auch arbeitslosenversichert sind sie nicht. (mfr)

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ÖGB, 26. April 2004 Nr. 272

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