Einem: Palais Epstein soll als "Haus der Toleranz" zur Verfügung gestellt werden

Wien (SK)"Die Bereitschaft, im Palais Eppstein eine Begegnungsstätte für Vertriebene, deren Angehörige und Nachbarn zu errichten, wäre eine Geste der Republik Österreich, die betonen würde: Wir sind so weit, wir leugnen die Vergangenheit nicht mehr, wir scheuen sie nicht und wir haben aus ihr gelernt", sagte BSA-Präsident, SPÖ-Abgeordneter Caspar Einem am Mittwoch im Rahmen der BSA-Veranstaltungsreihe "Der Wille zum aufrechten Gang". Dass gerade die Volksvertreter das nicht verstehen würden und in einem Vier-Parteien-Beschluss dagegen gestimmt hätten, sei "zum verzweifeln", so Einem. "Viele Menschen aus dem Osten immigrierten nach Wien. Sie lebten hier und sie liebten diese Stadt. Wir sind es ihnen und der Jugend schuldig, dieses Haus mit seiner Geschichte, an seinem geopolitischen Platz, zu einer Stätte der Begegnung zur machen", betonte Leon Zelman, Leiter des Jewish Welcome Service. ****

In den USA habe er immer wieder junge Opinion Leader mit Wiener Ahnen kennengelernt, die mit einem liebevollen Gedanken an diese Stadt sozialisiert wurden, erklärte Zelman: "Auschwitz war nicht der Anfang, sondern das Ende." Er - selbst Auschwitz-Überlebender, der nach 1945 in Wien und in der Sozialdemokratie eine neue Heimat fand -habe geträumt, dass Wien wieder das kulturelle Zentrum Mitteleuropas werde und er stolz darauf sein könne, in einer so traditionsreichen Stadt leben zu können.

Es sollte weder ein Denkmal aus Stein gesetzt werden, noch eine Entschädigungssumme von 100.000 Schilling überwiesen werden, sagte Zelman. Den Menschen müsste ein Ort der Begegnung zur Verfügung gestellt werden, "dessen Wände soviel zu erzählen haben wie das Palais Epstein", brachte Zelman seine Faszination über das historische Gebäude zum Ausdruck. Er sehe das Haus als "lebendig gehaltene Erinnerung", es stelle ein "Vermächtnis der Geschichte" dar und es sei unsere moralische Verpflichtung, mit diesem Haus die Vergangenheit zu dokumentieren. Auch den Traum von einem "Haus der Toleranz" im Palais Eppstein habe er noch nicht aufgegeben: "Ich hoffe, dass die Sozialdemokratie diesbezüglich die Initiative ergreift, denn ich glaube an diese Partei."

Auch Einem betonte, dass das Palais Epstein für diesen Zweck ein "einzigartiges Symbol" sei, zu welchem keine gleichwertige Alternative gefunden werden konnte. Mit der Errichtung des "Hauses der Toleranz" könnte eine symbolische Einladung an jene ausgesprochen werden, die "nie eingeladen wurden, zurückzukommen." Doch an einem Vier-Parteien-Beschluss sei der Versuch, das Palais Epstein in ein "Haus der Toleranz" zu verwandeln, letztendlich wieder gescheitert, bedauerte Einem. "Die Parteien wollen sich mit dieser Frage nicht auseinander setzten", kritisierte der Abgeordnete und erklärte, dass das Palais jetzt für Parlamentszwecke genutzt werde. "Auch wenn das Gebäude dem Parlament gehört, so könnten wir immer noch das Erdgeschoss und den ersten Stock nutzen", bekräftigte er seinen Standpunkt.

Einem erinnerte an eine lange Geschichte, die der aktuellen Debatte um die Nutzung des Palais vorausging. Als der Verkauf des Palais Epstein zur Debatte stand und der Höchstbieter sich bereit erklärte, das Gebäude zur Verfügung zu stellen, hätte die Errichtung des "Hauses der Toleranz" beinahe realisiert werden können. Doch das Projekt scheiterte, da sich alle fünf damals amtierenden Parlamentsparteien dagegen aussprachen. Einem: "Das Drama war, dass die Volksvertretung über ihre Repräsentanten in der Präsidialkonferenz behauptete, dass wir das nicht brauchen." Nach einem Fünf-Parteien- und einem Vier-Parteien-Entschluss bedeute das wohl, "dass wir noch nicht so weit sind, dieses Zeichen für all die Menschen zu setzen, die in der ganzen Welt zerstreut sind."

Auf die Frage aus dem Publikum, welche Rolle Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer in dieser Causa spielte, stellte Einem klar, dass Fischer als Erster Nationalratspräsident dieser Präsidialkonferenz seine Funktion sehr gewissenhaft ausgeführt hätte. Es sei schließlich sein Beruf gewesen, einen einstimmigen Beschluss nach außen zu transportieren, was jedoch nicht auch bedeuten müsse, dass er sich darüber auch "gefreut" habe. Zelman strich positiv hervor, dass sich Heinz Fischer von Menschen, die sich nicht zur Geschichte bekennen würden, distanziere. "Ich stehe zu Heinz Fischer und weiß, dass er ein guter Präsident sein wird." (Schluss) gg

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