- 22.04.2004, 09:21:13
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Einem: Palais Epstein soll als "Haus der Toleranz" zur Verfügung gestellt werden
Wien (SK)"Die Bereitschaft, im Palais Eppstein eine Begegnungsstätte
für Vertriebene, deren Angehörige und Nachbarn zu errichten, wäre
eine Geste der Republik Österreich, die betonen würde: Wir sind so
weit, wir leugnen die Vergangenheit nicht mehr, wir scheuen sie nicht
und wir haben aus ihr gelernt", sagte BSA-Präsident, SPÖ-Abgeordneter
Caspar Einem am Mittwoch im Rahmen der BSA-Veranstaltungsreihe "Der
Wille zum aufrechten Gang". Dass gerade die Volksvertreter das nicht
verstehen würden und in einem Vier-Parteien-Beschluss dagegen
gestimmt hätten, sei "zum verzweifeln", so Einem. "Viele Menschen aus
dem Osten immigrierten nach Wien. Sie lebten hier und sie liebten
diese Stadt. Wir sind es ihnen und der Jugend schuldig, dieses Haus
mit seiner Geschichte, an seinem geopolitischen Platz, zu einer
Stätte der Begegnung zur machen", betonte Leon Zelman, Leiter des
Jewish Welcome Service. ****
In den USA habe er immer wieder junge Opinion Leader mit Wiener Ahnen
kennengelernt, die mit einem liebevollen Gedanken an diese Stadt
sozialisiert wurden, erklärte Zelman: "Auschwitz war nicht der
Anfang, sondern das Ende." Er - selbst Auschwitz-Überlebender, der
nach 1945 in Wien und in der Sozialdemokratie eine neue Heimat fand -
habe geträumt, dass Wien wieder das kulturelle Zentrum Mitteleuropas
werde und er stolz darauf sein könne, in einer so traditionsreichen
Stadt leben zu können.
Es sollte weder ein Denkmal aus Stein gesetzt werden, noch eine
Entschädigungssumme von 100.000 Schilling überwiesen werden, sagte
Zelman. Den Menschen müsste ein Ort der Begegnung zur Verfügung
gestellt werden, "dessen Wände soviel zu erzählen haben wie das
Palais Epstein", brachte Zelman seine Faszination über das
historische Gebäude zum Ausdruck. Er sehe das Haus als "lebendig
gehaltene Erinnerung", es stelle ein "Vermächtnis der Geschichte" dar
und es sei unsere moralische Verpflichtung, mit diesem Haus die
Vergangenheit zu dokumentieren. Auch den Traum von einem "Haus der
Toleranz" im Palais Eppstein habe er noch nicht aufgegeben: "Ich
hoffe, dass die Sozialdemokratie diesbezüglich die Initiative
ergreift, denn ich glaube an diese Partei."
Auch Einem betonte, dass das Palais Epstein für diesen Zweck ein
"einzigartiges Symbol" sei, zu welchem keine gleichwertige
Alternative gefunden werden konnte. Mit der Errichtung des "Hauses
der Toleranz" könnte eine symbolische Einladung an jene ausgesprochen
werden, die "nie eingeladen wurden, zurückzukommen." Doch an einem
Vier-Parteien-Beschluss sei der Versuch, das Palais Epstein in ein
"Haus der Toleranz" zu verwandeln, letztendlich wieder gescheitert,
bedauerte Einem. "Die Parteien wollen sich mit dieser Frage nicht
auseinander setzten", kritisierte der Abgeordnete und erklärte, dass
das Palais jetzt für Parlamentszwecke genutzt werde. "Auch wenn das
Gebäude dem Parlament gehört, so könnten wir immer noch das
Erdgeschoss und den ersten Stock nutzen", bekräftigte er seinen
Standpunkt.
Einem erinnerte an eine lange Geschichte, die der aktuellen Debatte
um die Nutzung des Palais vorausging. Als der Verkauf des Palais
Epstein zur Debatte stand und der Höchstbieter sich bereit erklärte,
das Gebäude zur Verfügung zu stellen, hätte die Errichtung des
"Hauses der Toleranz" beinahe realisiert werden können. Doch das
Projekt scheiterte, da sich alle fünf damals amtierenden
Parlamentsparteien dagegen aussprachen. Einem: "Das Drama war, dass
die Volksvertretung über ihre Repräsentanten in der
Präsidialkonferenz behauptete, dass wir das nicht brauchen." Nach
einem Fünf-Parteien- und einem Vier-Parteien-Entschluss bedeute das
wohl, "dass wir noch nicht so weit sind, dieses Zeichen für all die
Menschen zu setzen, die in der ganzen Welt zerstreut sind."
Auf die Frage aus dem Publikum, welche Rolle
Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer in dieser Causa spielte,
stellte Einem klar, dass Fischer als Erster Nationalratspräsident
dieser Präsidialkonferenz seine Funktion sehr gewissenhaft ausgeführt
hätte. Es sei schließlich sein Beruf gewesen, einen einstimmigen
Beschluss nach außen zu transportieren, was jedoch nicht auch
bedeuten müsse, dass er sich darüber auch "gefreut" habe. Zelman
strich positiv hervor, dass sich Heinz Fischer von Menschen, die sich
nicht zur Geschichte bekennen würden, distanziere. "Ich stehe zu
Heinz Fischer und weiß, dass er ein guter Präsident sein wird."
(Schluss) gg
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