5. Offener Brief von Franz Renkin an Heinz Fischer

Wien, 20. April 2004 (ÖVP-PD) Franz Renkin, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der Grünen, wendet sich heute, Dienstag, in einem Offenen Brief an den Präsidentschaftskandidaten Dr. Heinz Fischer. ****

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer!

Sie lassen sich gerne als begeisterten Wanderer und Naturliebhaber darstellen. So auch letzten Sonntag als Inserat in der auflagenstärksten Zeitung dieses Landes. Nach einer Bergtour leicht erschöpft, aber sichtlich glücklich blicken Sie mir von Seite 7 entgegen. Gleichzeitig erklären Sie mir und Millionen anderen Leserinnen und Lesern, die Natur als einen der höchsten Werte schützen zu wollen. Das gelesen, schmeckte mein morgendlicher Kaffee gleich moralinsauer.

Herr Dr. Fischer, Sie wollen uns scheint's ernsthaft einreden, dass Ihre Person für Umweltschutz und Sorge um die Natur steht. Schließe ich aus Ihrer umweltpolitischen Vergangenheit auf Österreichs Zukunft, so muss ich für die Umwelt das Wort ergreifen. Haben Sie - als langjähriger Naturfreunde-Präsident - denn schon vergessen, dass Sie ein Haus in das Landschaftsschutzgebiet "Hohe Wand - Dürre Wand" gebaut haben?

Auch Ihr Eintreten für das Kernkraftwerk Zwentendorf ist für mich eine umweltpolitische Verschmutzung Ihrer Wertelandschaft. Haben Sie - als jemand, der wieder mehr Gewissen in die Politik einbringen möchte - vergessen, welche Ansicht Sie 1978 vertraten?

Dass Sie damals der Meinung waren, dass "in Österreich auf eine begrenzte Nutzung der Kernenergie nicht verzichtet werden kann" (Zukunft, 8/1978), schreibe ich Ihrer treuen Parteilinie zu. Dass Sie aber selbst nach der Katastrophe in Tschernobyl noch 1998 meinten, dass eine Nichtinbetriebnahme Zwentendorfs "keinen wirklichen Sicherheitsgewinn" bedeutet hat (Reflexionen, 1998), stimmt mich mehr als bedenklich. Denn immerhin waren Sie zu diesem Zeitpunkt bereits "überparteilicher" Nationalratspräsident, der sich, wie Sie in der ORF-Diskussion auch unterstrichen haben, um das Staatsganze kümmern sollte.

1984/85 sind Sie als Wissenschaftsminister und als Präsident der Naturfreunde für den Bau eines Kraftwerks in der Hainburger Au eingetreten. Keine Argumente der Kraftwerksgegner konnten Sie von Ihrer Haltung abbringen.

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer!

Auch wenn Ihre Wahlkampfleitung einen Wertewandel inseriert, ich glaube nicht daran. "Was ich sage, das gilt", betonen Sie immer wieder. Schade für die Umwelt.

Ihr

Franz Renkin Ehem. Bundesgeschäftsführer der Grünen

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