4. Offener Brief von Michael Dinhobl an Heinz Fischer

Wien, 16. April 2004 (ÖVP-PD) Michael Dinhobl, Pressereferent von Bischof Kurt Krenn, wendet sich heute, Freitag, in einem Offenen Brief an den Präsidentschaftskandidaten Dr. Heinz Fischer: ****

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer!

Österreich ist ein christlich geprägtes Land. Durch Generationen haben Menschen ihren Glauben gelebt und unser Land auf dieser Grundlage aufgebaut. Ein Großteil unserer Kulturgüter wie Dome, Kirchen, Klöster, Kapellen und Wegkreuze sind heute steinerne Zeugen dessen, worauf Menschen bis zum heutigen Tag innerlich gebaut haben. Auch heute leben viele Menschen ihren Glauben aktiv und dieser ist auch die Wertebasis vieler Menschen.

Natürlich gibt es auch Menschen, die sich als ungläubig bezeichnen, dazu zählen Sie sich nach eigenen Angaben auch. Nicht als Atheist, sondern als Agnostiker. Das Lexikon für Philosophie definiert es folgend: "Wenn man der Auffassung ist, nicht wissen zu können, ob Materie oder Geist das Primäre am Sein ist, dann ist man ein Agnostiker oder Agnostizist". Weiters wird über Agnostiker behauptet: "Der Agnostiker ist Skeptiker, Einzelgänger, Außenseiter. Der Agnostiker tendiert zu Vorbehalten, zum Vorläufigen."

Für mich als gläubigen Menschen ist es sehr bedeutend, welche religiöse Sichtweise die zukünftige Bundespräsidentin oder der Bundespräsident prägen; und vielen Österreicherinnen und Österreichern geht es ähnlich. Immerhin bekennen sich 86 Prozent der in Österreich lebenden Menschen zu ihrer Religion.

Daher frage ich Sie, der Sie sich als nicht glaubender, als Agnostiker bezeichnen und in Zukunft das Gewissen unseres Landes sein wollen: Was befiehlt Ihnen Ihr Gewissen? Es gebietet uns, zum gegebenen Zeitpunkt das Gute zu tun und das Böse zu unterlassen; eine Stimme, die wir uns nicht selbst gegeben haben, die von Gott kommt, haben wir gelernt. Von wo aber leiten Sie ab, was eine gute und eine böse Tat ist, die für Ihr Gewissen entscheidend ist? Wer darüber nicht Auskunft gibt, für den ist Gewissen ein leeres Wort, eine Phrase, die zu nichts verpflichtet. Sie haben sich ein hohes Ziel gesetzt, Gewissen unseres Landes zu sein, aber die entscheidenden Antworten noch nicht gegeben.

Politik braucht ein Gewissen. Beide Kandidaten stehen zu dieser Aussage. Was ist für Sie, Herr Dr. Fischer, die Quelle Ihres Gewissens, wenn es nicht Gott ist?

In Erwartung Ihrer Antwort und besten Grüßen

verbleibe ich Ihr

Dipl. Ing. Michael Dinhobl Pressereferent von Bischof Kurt Krenn

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