- 13.04.2004, 19:25:40
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Der Verlust jeglicher Sicherheit
"Presse"-Glosse
Wien (OTS) - Von Anneliese Rohrer
Die Nachrichten aus Budapest änderten sich am Dienstag im
Dreißig-Minuten-Takt und verstärkten die Gewissheit, dass im
Zusammenhang mit Terroranschlägen verlässliche Informationen rar
sind. Offizielle Aussagen müssen, das weiß man nicht erst seit
Madrid, vorerst immer mit Mentalreservation aufgenommen werden.
Zuerst hieß es in Budapest, mit der Festnahme von drei Arabern habe
man ein Attentat auf Israels Staatspräsidenten Moshe Katzav
verhindert. Dieser traf am Dienstag ein und soll am Donnerstag ein
Holocaust-Museum eröffnen; danach hieß es, die Festnahmen und der
geplante Anschlag hätten nichts mit dem israelischen Staatsgast zu
tun; kurz darauf aber, sie stünden sehr wohl im Zusammenhang mit
einem Anschlag auf das Museum. Warum dieser Plan dann nichts mit dem
Staatsbesuch zu tun haben sollte, wurde nicht erklärt. Wie das
Budapester Beispiel also zeigt, wird man sich an den Verlust
jeglicher Sicherheit gewöhnen müssen - im doppelten Sinn:
Unsicherheit in Bezug auf den nächsten Plan irgendeiner Terrorgruppe;
Unsicherheit im Zusammenhang mit realer Terrorgefahr oder vielleicht
doch nur Trittbrettfahrer-Fantasien; Unsicherheit bei den offiziellen
Erklärungen: Wer kann Halbwahrheiten schon wirklich ausschließen?
Sind Reaktionen auf wirklichen oder vermeintlichen Terror nicht von
ganz anderen (politischen) Motiven bestimmt?
Mit anderen Worten: Nach den unterschiedlichen Erklärungen in
Budapest bleibt die quälende Unsicherheit, ob die Verhaftungen -
schließlich eines Ungarns palästinensischer Herkunft und zweier Syrer
- wirklich mit einem Anschlag im Zusammenhang standen oder lediglich
als Demonstration der Effizienz ungarischer Sicherheitskräfte im
Kampf gegen den Terror zu sehen sind. Dieses "Oder ob" zerrt an den
Nerven aller.
OTS0165 2004-04-13/19:25
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