Der Verlust jeglicher Sicherheit

"Presse"-Glosse

Wien (OTS) - Von Anneliese Rohrer

Die Nachrichten aus Budapest änderten sich am Dienstag im Dreißig-Minuten-Takt und verstärkten die Gewissheit, dass im Zusammenhang mit Terroranschlägen verlässliche Informationen rar sind. Offizielle Aussagen müssen, das weiß man nicht erst seit Madrid, vorerst immer mit Mentalreservation aufgenommen werden. Zuerst hieß es in Budapest, mit der Festnahme von drei Arabern habe man ein Attentat auf Israels Staatspräsidenten Moshe Katzav verhindert. Dieser traf am Dienstag ein und soll am Donnerstag ein Holocaust-Museum eröffnen; danach hieß es, die Festnahmen und der geplante Anschlag hätten nichts mit dem israelischen Staatsgast zu tun; kurz darauf aber, sie stünden sehr wohl im Zusammenhang mit einem Anschlag auf das Museum. Warum dieser Plan dann nichts mit dem Staatsbesuch zu tun haben sollte, wurde nicht erklärt. Wie das Budapester Beispiel also zeigt, wird man sich an den Verlust jeglicher Sicherheit gewöhnen müssen - im doppelten Sinn:
Unsicherheit in Bezug auf den nächsten Plan irgendeiner Terrorgruppe; Unsicherheit im Zusammenhang mit realer Terrorgefahr oder vielleicht doch nur Trittbrettfahrer-Fantasien; Unsicherheit bei den offiziellen Erklärungen: Wer kann Halbwahrheiten schon wirklich ausschließen? Sind Reaktionen auf wirklichen oder vermeintlichen Terror nicht von ganz anderen (politischen) Motiven bestimmt?
Mit anderen Worten: Nach den unterschiedlichen Erklärungen in Budapest bleibt die quälende Unsicherheit, ob die Verhaftungen -schließlich eines Ungarns palästinensischer Herkunft und zweier Syrer - wirklich mit einem Anschlag im Zusammenhang standen oder lediglich als Demonstration der Effizienz ungarischer Sicherheitskräfte im Kampf gegen den Terror zu sehen sind. Dieses "Oder ob" zerrt an den Nerven aller.

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