• 13.04.2004, 08:30:51
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Eine echte Wienerin geht nicht unter: Ingrid Burkhard über die Kultserie der siebziger Jahre

Ab 15. April wiederholt der ORF alle 24 "Mundl"-Folgen

Wien (OTS) - Eine echte Wienerin geht nicht unter: Als Toni
Sackbauer ging Theater- und Filmschauspielerin Ingrid Burkhard Mitte
der siebziger Jahre in die österreichische Fernsehgeschichte ein -
und in die der geduldigsten TV-Ehefrauen. Burkhard war Teil des
Stammensembles der ORF-Kultserie "Ein echter Wiener geht nicht
unter", die das wechselvolle Schicksal der Wiener Arbeiterfamilie
Sackbauer erzählt. Als stets raunzender Haushaltsvorstand und
polternder Ehemann und Vater Edmund Sackbauer, genannt Mundl, stand
Karl Merkatz in einer seiner Paraderollen im Mittelpunkt der Serie,
die wegen ihrer grotesk-ausgeprägten Charaktere und kernigen Sprüche
anfangs heftig umstritten war. Doch was wäre der echte Wiener ohne
seine treue und liebende Ehefrau Toni gewesen, die oft wenig sagte,
aber im entscheidenden Moment doch das letzte Wort hatte? Womöglich
ein echter Wiener, der doch untergeht. Wie fest Ingrid Burkhard als
Toni ihren Mundl und das Sackbauersche Familienleben im Griff hatte,
zeigt der ORF ab Donnerstag, dem 15. April 2004, wöchentlich im
zweiten Hauptabend (ca. 22.00 Uhr) mit einem Dakapo aller 24 Folgen
der Wiener Milieustudie von Ernst Hinterberger und Regisseur Reinhard
Schwabenitzky. Ab Donnerstag, dem 13. Mai, gibt es im ORF dann
Retro-Unterhaltung im Doppelpack: Im Anschluss an "Ein echter Wiener
geht nicht unter" stehen neue Folgen von "Wickie, Slime und Paiper
XL" auf dem Programm.

"Bitte, geht's doch zur nächsten Baustelle!"

Was anfangs als harmlose Abendunterhaltung geplant war, entwickelte
sich dank der ausgeprägten Charaktere rasch zu einer originellen
TV-Groteske, die die österreichische Fernsehnation spaltete. Die
Milieustudie, in der es nicht an deftigen Sprüchen fehlte, erntete
Zuschauerreaktionen von begeisterter Zustimmung bis zur erbosten
Ablehnung - "Eh kloar", denn Ausdrücke wie "Nudlaug" und "Depperter"
ließen ebenso niemanden kalt wie Aussichten auf "a Watschn, dass da
14 Tag da Schädl wackelt". Hauptdarstellerin Ingrid Burkhard erinnert
sich noch sehr gut an die Anfänge des "echten Wieners": "Das war eine
Underdog-Sendung in einer Fernsehzeit, wie man sie sich heute gar
nicht vorstellen kann. Es war eine Mutfrage für den ORF, so was
herauszubringen. Anfangs haben wir die Folgen überhaupt nur in sehr
großen Abständen gedreht, immer mit der Frage: Geht's noch durch?
Geht noch eine? Das war so zu sagen Pionierarbeit." Dass sich viele
Zuseher über die deftige Sprache beschwerten, konnte Ingrid Burkhard
zwar nachvollziehen, aber nicht verstehen: "Die Beschwerden kamen
hauptsächlich von Bürgerlichen, die meinten, dass Wiener so nicht
reden. Wenn ich angesprochen wurde, hab ich immer gesagt: Bitte,
geht's doch zur nächsten Baustelle."

Nicht ordinär, sondern beruhigend

Auch im Privatkreis wurde Ingrid Burkhard oft danach gefragt, warum
sie überhaupt bei so einem Projekt mitmacht: "Das ist einfach mein
Job, ich bin Schauspielerin", hat sie stets geantwortet. "Ich hatte
gar keine Bedenken, diese Serie zu drehen. Außerdem war ja die Toni
nicht ordinär, sondern eher das beruhigende Element der
Sackbauer-Familie." Der durchschlagende Erfolg gab der Serie
letztendlich auch Recht: "Es gab schon viele Wiederholungen und
irgendwann haben die, die sich anfangs beschwert hatten, plötzlich
auch gut drüber geredet. Ich glaube, der Erfolg lag darin, dass jeder
diese Situationen irgendwie kennt, vielleicht nicht in dieser
grotesken Ausprägung, aber doch. Die Leute fanden das einfach lustig,
sogar im Westen hat man diese skurrile Wiener Familie verstanden und
gemocht." Eines ist für die gebürtige Wienerin mit Zweitwohnsitz in
der Wachau jedoch unbestritten: "Der 'echte Wiener' ist definitiv ein
Stück Fernsehgeschichte. Ich hab gehört, dass die Serie sogar im
Theaterwissenschaftlichen Institut als Zeitkolorit aufbewahrt wird.
Und für mich war die Serie eindeutig der Einstieg zur Popularität.
Davor hat mich ja noch niemand gekannt. Deshalb bin ich dankbar, dass
ich das machen konnte und stehe nach wie vor dazu."

"Jössas, Sie Arme!"

Dass ihre Darstellung der Toni Sackbauer sehr überzeugend gewesen
sein muss, bestätigten Ingrid Burkhard viele Erlebnisse: "Die Leute
haben mich zum Beispiel auf der Straße angesprochen und bedauert:
'Jössas, Sie Arme! Wie Sie's mit dem Mann aushalten.'" Mit "dem"
Ehemann, Karl Merkatz, der zum Glück im Privatleben ja ganz anders
sei, verbindet Burkhard ein kollegiales Verhältnis. "Ich war nach 24
Folgen, genauso wie er, dagegen, dass weitergemacht wird. Man soll ja
am besten aufhören, wenn die Leute noch sagen: 'Schade, dass es aus
ist.'" Dennoch plagten Burkhard, übrigens Mutter des Schauspielers
Dietrich Siegl, Zweifel, ob nach dem "echten Wiener" noch etwas
anderes folgen würde. "Schließlich war es eine sehr lange Arbeit, mit
der man auch leicht abgestempelt wird. Als ich dann ein Angebot für
eine Goethe-Inszenierung an der Josefstadt bekam, wusste ich, es geht
weiter!"

OTS0010    2004-04-13/08:30

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