Eine echte Wienerin geht nicht unter: Ingrid Burkhard über die Kultserie der siebziger Jahre

Ab 15. April wiederholt der ORF alle 24 "Mundl"-Folgen

Wien (OTS) - Eine echte Wienerin geht nicht unter: Als Toni Sackbauer ging Theater- und Filmschauspielerin Ingrid Burkhard Mitte der siebziger Jahre in die österreichische Fernsehgeschichte ein -und in die der geduldigsten TV-Ehefrauen. Burkhard war Teil des Stammensembles der ORF-Kultserie "Ein echter Wiener geht nicht unter", die das wechselvolle Schicksal der Wiener Arbeiterfamilie Sackbauer erzählt. Als stets raunzender Haushaltsvorstand und polternder Ehemann und Vater Edmund Sackbauer, genannt Mundl, stand Karl Merkatz in einer seiner Paraderollen im Mittelpunkt der Serie, die wegen ihrer grotesk-ausgeprägten Charaktere und kernigen Sprüche anfangs heftig umstritten war. Doch was wäre der echte Wiener ohne seine treue und liebende Ehefrau Toni gewesen, die oft wenig sagte, aber im entscheidenden Moment doch das letzte Wort hatte? Womöglich ein echter Wiener, der doch untergeht. Wie fest Ingrid Burkhard als Toni ihren Mundl und das Sackbauersche Familienleben im Griff hatte, zeigt der ORF ab Donnerstag, dem 15. April 2004, wöchentlich im zweiten Hauptabend (ca. 22.00 Uhr) mit einem Dakapo aller 24 Folgen der Wiener Milieustudie von Ernst Hinterberger und Regisseur Reinhard Schwabenitzky. Ab Donnerstag, dem 13. Mai, gibt es im ORF dann Retro-Unterhaltung im Doppelpack: Im Anschluss an "Ein echter Wiener geht nicht unter" stehen neue Folgen von "Wickie, Slime und Paiper XL" auf dem Programm.

"Bitte, geht's doch zur nächsten Baustelle!"

Was anfangs als harmlose Abendunterhaltung geplant war, entwickelte sich dank der ausgeprägten Charaktere rasch zu einer originellen TV-Groteske, die die österreichische Fernsehnation spaltete. Die Milieustudie, in der es nicht an deftigen Sprüchen fehlte, erntete Zuschauerreaktionen von begeisterter Zustimmung bis zur erbosten Ablehnung - "Eh kloar", denn Ausdrücke wie "Nudlaug" und "Depperter" ließen ebenso niemanden kalt wie Aussichten auf "a Watschn, dass da 14 Tag da Schädl wackelt". Hauptdarstellerin Ingrid Burkhard erinnert sich noch sehr gut an die Anfänge des "echten Wieners": "Das war eine Underdog-Sendung in einer Fernsehzeit, wie man sie sich heute gar nicht vorstellen kann. Es war eine Mutfrage für den ORF, so was herauszubringen. Anfangs haben wir die Folgen überhaupt nur in sehr großen Abständen gedreht, immer mit der Frage: Geht's noch durch? Geht noch eine? Das war so zu sagen Pionierarbeit." Dass sich viele Zuseher über die deftige Sprache beschwerten, konnte Ingrid Burkhard zwar nachvollziehen, aber nicht verstehen: "Die Beschwerden kamen hauptsächlich von Bürgerlichen, die meinten, dass Wiener so nicht reden. Wenn ich angesprochen wurde, hab ich immer gesagt: Bitte, geht's doch zur nächsten Baustelle."

Nicht ordinär, sondern beruhigend

Auch im Privatkreis wurde Ingrid Burkhard oft danach gefragt, warum sie überhaupt bei so einem Projekt mitmacht: "Das ist einfach mein Job, ich bin Schauspielerin", hat sie stets geantwortet. "Ich hatte gar keine Bedenken, diese Serie zu drehen. Außerdem war ja die Toni nicht ordinär, sondern eher das beruhigende Element der Sackbauer-Familie." Der durchschlagende Erfolg gab der Serie letztendlich auch Recht: "Es gab schon viele Wiederholungen und irgendwann haben die, die sich anfangs beschwert hatten, plötzlich auch gut drüber geredet. Ich glaube, der Erfolg lag darin, dass jeder diese Situationen irgendwie kennt, vielleicht nicht in dieser grotesken Ausprägung, aber doch. Die Leute fanden das einfach lustig, sogar im Westen hat man diese skurrile Wiener Familie verstanden und gemocht." Eines ist für die gebürtige Wienerin mit Zweitwohnsitz in der Wachau jedoch unbestritten: "Der 'echte Wiener' ist definitiv ein Stück Fernsehgeschichte. Ich hab gehört, dass die Serie sogar im Theaterwissenschaftlichen Institut als Zeitkolorit aufbewahrt wird. Und für mich war die Serie eindeutig der Einstieg zur Popularität. Davor hat mich ja noch niemand gekannt. Deshalb bin ich dankbar, dass ich das machen konnte und stehe nach wie vor dazu."

"Jössas, Sie Arme!"

Dass ihre Darstellung der Toni Sackbauer sehr überzeugend gewesen sein muss, bestätigten Ingrid Burkhard viele Erlebnisse: "Die Leute haben mich zum Beispiel auf der Straße angesprochen und bedauert:
'Jössas, Sie Arme! Wie Sie's mit dem Mann aushalten.'" Mit "dem" Ehemann, Karl Merkatz, der zum Glück im Privatleben ja ganz anders sei, verbindet Burkhard ein kollegiales Verhältnis. "Ich war nach 24 Folgen, genauso wie er, dagegen, dass weitergemacht wird. Man soll ja am besten aufhören, wenn die Leute noch sagen: 'Schade, dass es aus ist.'" Dennoch plagten Burkhard, übrigens Mutter des Schauspielers Dietrich Siegl, Zweifel, ob nach dem "echten Wiener" noch etwas anderes folgen würde. "Schließlich war es eine sehr lange Arbeit, mit der man auch leicht abgestempelt wird. Als ich dann ein Angebot für eine Goethe-Inszenierung an der Josefstadt bekam, wusste ich, es geht weiter!"

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