• 05.04.2004, 10:31:34
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Neuer Bericht: Chronische Krankheiten in Wien

Pittermann will Gesundheitsbewusstsein stärken

Wien (OTS) - Der Bericht "Chronische Krankheiten in Wien", den
Wiens Gesundheitsstadträtin Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker am Montag
in einem Pressegespräch präsentierte, bietet einen systematischen
Überblick über chronische Erkrankungen in Wien. Internationalen
Schätzungen zufolge zeigen chronische Erkrankungen in unserer
Gesellschaft eine stark steigende Tendenz, wobei der Lebensstil in
fortgeschrittenen Industriegesellschaften (ungesunde Ernährung, wenig
Bewegung, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, etc.) für die Zunahme
vieler chronischer Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Eine
ebenso bedeutende Rolle im Anstieg der chronischen Krankheiten
spielen aber auch die generell längere Lebensdauer des Menschen sowie
die besseren Überlebenschancen aufgrund verbesserter Diagnose- und
Therapiemethoden, was ebenfalls zu einer erhöhten Häufigkeit von
chronisch Kranken zu einem bestimmten Zeitpunkt beiträgt.

Trotz durchwegs positiver Beurteilung des Gesundheitszustandes
und merkbarer Verbesserungen im gesundheitlichen Befinden, sind
chronische Erkrankungen in Wien weit verbreitet. Nahezu ein Drittel
der Wiener Bevölkerung ist (Eigenangaben zufolge) chronisch krank. In
Wien ist der Anteil chronisch Kranker etwas höher als im gesamten
Bundesgebiet. Nur Oberösterreich weist höhere Erkrankungsraten auf.
Den geringsten Anteil chronischer Erkrankungen weist die Bevölkerung
der Bundesländer Vorarlberg und Salzburg auf.****

"Ein besonderes Augenmerk muss auf Prävention und Früherkennung
gesetzt werden. Wird die Krankheit im Anfangsstadium erkannt, so sind
die Heilungschancen wesentlich besser. Die Stadt Wien setzt auch
künftig auf verstärkte Informationen, um das Gesundheitsbewusstsein
zu heben", erklärte Pittermann.

Vermehrt von chronischen Krankheiten betroffen sind natürlich
ältere Menschen: Ab einem Lebensalter von 75 und mehr Jahren ist in
Wien etwa jede/r Zweite chronisch krank. Frauen sind (unter anderem
aufgrund ihres höheren Durchschnittsalters) davon etwas mehr
betroffen als Männer. Zudem treten im höheren Alter meist mehrere
chronische Krankheiten gleichzeitig auf (Multimorbidität). Aber auch
bei Kindern und Jugendlichen finden sich chronische Erkrankungen
(darunter Schäden an der Wirbelsäule, Asthma, rheumatische
Erkrankungen, Krebs).

Obwohl in der Behandlung chronischer Erkrankungen in letzter
Zeit erhebliche Fortschritte erzielt wurden, die zu einer
Verbesserung des subjektiven gesundheitlichen Befindens und der
Lebensqualität chronisch kranker Menschen geführt haben, fühlen sich
rund drei Viertel der chronisch Kranken durch ihre Krankheit in den
alltäglichen Handlungen eingeschränkt. Ältere chronisch Kranke finden
sich mit chronischen Krankheiten anscheinend eher ab: Sie empfinden
die Krankheit seltener als Belastung als jüngere.

Die führenden Krankheitsgruppen unter den chronischen
Krankheiten sind Krankheiten des Bewegungsapparats und des
Kreislaufsystems. Bei den Männern folgen an dritter Stelle
Krankheiten der Atmungsorgane (Rauchen!), bei den Frauen Krankheiten
des Nervensystems und der Sinnesorgane. Im Vergleich dazu sind
Krebserkrankungen selten, jedoch insgesamt folgenschwerer. Unter den
Einzeldiagnosen sind Bluthochdruck und Schäden an der Wirbelsäule am
verbreitetsten, an dritter Stelle folgt bei den Männern die
Zuckerkrankheit, bei den Frauen Gelenkserkrankungen vor allem an
Hüfte oder Bein.

o Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

International ist eine Zunahme der Erkrankungen an Diabetes
mellitus zu beobachten, wobei vor allem die Zahl der Typ 2 Diabetiker
(ehemals "Altersdiabetes") rasant steigt. Gründe für die Zunahme sind
der vermehrte Wohlstand, welcher die Entstehungsfaktoren von Diabetes
(wie Übergewichtigkeit, Bewegungsmangel, etc.) begünstigt, vor allem
aber auch die steigende Lebenserwartung, die vermehrte Früherkennung
durch Screening, sowie die bessere medizinische Versorgung, die zur
Erhöhung der Lebenserwartung von DiabetikerInnen führt. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet auch weiterhin mit einer
steigenden Zahl an Diabetes-Kranken (vor allem jener vom Typ 2).

Nach den Ergebnissen des Wiener Gesundheits- und Sozialsurveys
2001 leiden in Wien von den Personen ab 16 Jahren 3,4 Prozent der
Männer und 4,3 Prozent der Frauen an Diabetes mellitus. Zu rechnen
ist jedoch mit einer relativ hohen Dunkelziffer. So kam zum Beispiel
eine Studie in Deutschland zu dem Ergebnis, dass in der Altersgruppe
zwischen 55 und 74 Jahren bei 8 Prozent ein bislang unbekannter
Diabetes mellitus diagnostiziert wurde, wobei der Anteil des bislang
unentdeckten Diabetes mellitus ähnlich hoch wie der bereits
diagnostizierte war. Ein schlecht eingestellter oder nicht entdeckter
Diabetes mellitus kann jedoch zu erheblichen, nicht wieder gut zu
machenden Folgeschäden führen.

Die Prävalenz der Zuckerkrankheit (vor allem vom Typ 2) nimmt im
Alter deutlich zu. Frauen sind (unter anderem aufgrund ihres höheren
Durchschnittsalters) häufiger als Männer von Diabetes mellitus
betroffen.

Diabetes mellitus ist (insbesondere bei Frauen) in sozial
benachteiligten Schichten häufiger. So etwa haben in Wien von den
Personen ab 45 Jahren in der untersten Einkommensschicht Männer und
Frauen fast fünfmal so häufig Diabetes wie in der obersten
(unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten). Hingewiesen sei in diesem
Zusammenhang auch auf die ungünstige Einkommenssituation vieler
älterer Frauen.

o Krebs bei Kinder und Jugendlichen

Die Krebserkrankungen im Kindesalter sind noch weitgehend
unbekannt. Die Häufigkeit von Krebserkrankungen im Kindes- und
Jugendalter blieb in den letzten Jahrzehnten konstant. Bei den
auftretenden Erkrankungen nimmt Leukämie den ersten Rang ein, gefolgt
von bösartigen Hirntumoren und Lymphomen. Kinder mit
Krebserkrankungen haben heute in unserem Land eine Heilungschance von
annähernd 75 Prozent. (Schluss) roa

OTS0039    2004-04-05/10:31

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

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