Neuer Bericht: Chronische Krankheiten in Wien

Pittermann will Gesundheitsbewusstsein stärken

Wien (OTS) - Der Bericht "Chronische Krankheiten in Wien", den
Wiens Gesundheitsstadträtin Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker am Montag in einem Pressegespräch präsentierte, bietet einen systematischen Überblick über chronische Erkrankungen in Wien. Internationalen Schätzungen zufolge zeigen chronische Erkrankungen in unserer Gesellschaft eine stark steigende Tendenz, wobei der Lebensstil in fortgeschrittenen Industriegesellschaften (ungesunde Ernährung, wenig Bewegung, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, etc.) für die Zunahme vieler chronischer Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Eine ebenso bedeutende Rolle im Anstieg der chronischen Krankheiten spielen aber auch die generell längere Lebensdauer des Menschen sowie die besseren Überlebenschancen aufgrund verbesserter Diagnose- und Therapiemethoden, was ebenfalls zu einer erhöhten Häufigkeit von chronisch Kranken zu einem bestimmten Zeitpunkt beiträgt.

Trotz durchwegs positiver Beurteilung des Gesundheitszustandes und merkbarer Verbesserungen im gesundheitlichen Befinden, sind chronische Erkrankungen in Wien weit verbreitet. Nahezu ein Drittel der Wiener Bevölkerung ist (Eigenangaben zufolge) chronisch krank. In Wien ist der Anteil chronisch Kranker etwas höher als im gesamten Bundesgebiet. Nur Oberösterreich weist höhere Erkrankungsraten auf. Den geringsten Anteil chronischer Erkrankungen weist die Bevölkerung der Bundesländer Vorarlberg und Salzburg auf.****

"Ein besonderes Augenmerk muss auf Prävention und Früherkennung gesetzt werden. Wird die Krankheit im Anfangsstadium erkannt, so sind die Heilungschancen wesentlich besser. Die Stadt Wien setzt auch künftig auf verstärkte Informationen, um das Gesundheitsbewusstsein zu heben", erklärte Pittermann.

Vermehrt von chronischen Krankheiten betroffen sind natürlich ältere Menschen: Ab einem Lebensalter von 75 und mehr Jahren ist in Wien etwa jede/r Zweite chronisch krank. Frauen sind (unter anderem aufgrund ihres höheren Durchschnittsalters) davon etwas mehr betroffen als Männer. Zudem treten im höheren Alter meist mehrere chronische Krankheiten gleichzeitig auf (Multimorbidität). Aber auch bei Kindern und Jugendlichen finden sich chronische Erkrankungen (darunter Schäden an der Wirbelsäule, Asthma, rheumatische Erkrankungen, Krebs).

Obwohl in der Behandlung chronischer Erkrankungen in letzter Zeit erhebliche Fortschritte erzielt wurden, die zu einer Verbesserung des subjektiven gesundheitlichen Befindens und der Lebensqualität chronisch kranker Menschen geführt haben, fühlen sich rund drei Viertel der chronisch Kranken durch ihre Krankheit in den alltäglichen Handlungen eingeschränkt. Ältere chronisch Kranke finden sich mit chronischen Krankheiten anscheinend eher ab: Sie empfinden die Krankheit seltener als Belastung als jüngere.

Die führenden Krankheitsgruppen unter den chronischen Krankheiten sind Krankheiten des Bewegungsapparats und des Kreislaufsystems. Bei den Männern folgen an dritter Stelle Krankheiten der Atmungsorgane (Rauchen!), bei den Frauen Krankheiten des Nervensystems und der Sinnesorgane. Im Vergleich dazu sind Krebserkrankungen selten, jedoch insgesamt folgenschwerer. Unter den Einzeldiagnosen sind Bluthochdruck und Schäden an der Wirbelsäule am verbreitetsten, an dritter Stelle folgt bei den Männern die Zuckerkrankheit, bei den Frauen Gelenkserkrankungen vor allem an Hüfte oder Bein.

o Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

International ist eine Zunahme der Erkrankungen an Diabetes mellitus zu beobachten, wobei vor allem die Zahl der Typ 2 Diabetiker (ehemals "Altersdiabetes") rasant steigt. Gründe für die Zunahme sind der vermehrte Wohlstand, welcher die Entstehungsfaktoren von Diabetes (wie Übergewichtigkeit, Bewegungsmangel, etc.) begünstigt, vor allem aber auch die steigende Lebenserwartung, die vermehrte Früherkennung durch Screening, sowie die bessere medizinische Versorgung, die zur Erhöhung der Lebenserwartung von DiabetikerInnen führt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet auch weiterhin mit einer steigenden Zahl an Diabetes-Kranken (vor allem jener vom Typ 2).

Nach den Ergebnissen des Wiener Gesundheits- und Sozialsurveys 2001 leiden in Wien von den Personen ab 16 Jahren 3,4 Prozent der Männer und 4,3 Prozent der Frauen an Diabetes mellitus. Zu rechnen ist jedoch mit einer relativ hohen Dunkelziffer. So kam zum Beispiel eine Studie in Deutschland zu dem Ergebnis, dass in der Altersgruppe zwischen 55 und 74 Jahren bei 8 Prozent ein bislang unbekannter Diabetes mellitus diagnostiziert wurde, wobei der Anteil des bislang unentdeckten Diabetes mellitus ähnlich hoch wie der bereits diagnostizierte war. Ein schlecht eingestellter oder nicht entdeckter Diabetes mellitus kann jedoch zu erheblichen, nicht wieder gut zu machenden Folgeschäden führen.

Die Prävalenz der Zuckerkrankheit (vor allem vom Typ 2) nimmt im Alter deutlich zu. Frauen sind (unter anderem aufgrund ihres höheren Durchschnittsalters) häufiger als Männer von Diabetes mellitus betroffen.

Diabetes mellitus ist (insbesondere bei Frauen) in sozial benachteiligten Schichten häufiger. So etwa haben in Wien von den Personen ab 45 Jahren in der untersten Einkommensschicht Männer und Frauen fast fünfmal so häufig Diabetes wie in der obersten (unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten). Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die ungünstige Einkommenssituation vieler älterer Frauen.

o Krebs bei Kinder und Jugendlichen

Die Krebserkrankungen im Kindesalter sind noch weitgehend unbekannt. Die Häufigkeit von Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter blieb in den letzten Jahrzehnten konstant. Bei den auftretenden Erkrankungen nimmt Leukämie den ersten Rang ein, gefolgt von bösartigen Hirntumoren und Lymphomen. Kinder mit Krebserkrankungen haben heute in unserem Land eine Heilungschance von annähernd 75 Prozent. (Schluss) roa

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