• 02.04.2004, 11:08:52
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Dorner: "Frontalangriff auf die medizinische Versorgung Wiens"

Am bestehenden Vertrag wird nichts geändert - "Verwaltungsrat hat am 14. April eine zweite Chance, die skandalöse Entscheidung zu revidieren

Wien (OTS) - Im Zuge der heute stattfindenden gemeinsamen
Pressekonferenz von Wiener Gebietskrankenkasse und Ärztekammer meldet
sich Wiens Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner zur
skandalösen Ablehnung des Gesamtvertrags durch den Verwaltungsrat des
Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger zu Wort.
Dorner: "Die Ärztekammer und die Wiener Gebietskrankenkasse haben
ihre Aufgabe erfüllt und einen guten sowie kostengünstigen neuen
Vertrag abgeschlossen, der die zukünftige medizinische Versorgung in
Wien sichert. Jetzt ist der Verwaltungsrat an der Reihe, seine
skandalöse Entscheidung zu revidieren."****

Die Wirtschaftskammer stellte mit ihrer Entscheidung öffentlich
ihr völliges Desinteresse an einer sozialen Gesundheitsversorgung
unter Beweis, so Dorner. "Die politischen Partikularinteressen und
die Umfärbungswut von Herrn Dr. Gleitsmann sind, wenn es um die
Gesundheit der Menschen geht, fehl am Platz. Gleitsmann soll sein
Finanzbeschaffungs-Süppchen weiterhin in der Wirtschaftskammer kochen
und die wahren Experten die richtigen Entscheidungen treffen lassen",
so Dorner weiter.

"Wenn Dr. Gleitsmann behauptet, dass im neuen Gesamtvertrag eine
Honorarerhöhung von 4,3 Prozent festgeschrieben ist, hat er entweder
den Vertrag gar nie gelesen oder einfach nicht verstanden", so der
Ärztechef. Im neuen Vertrag wurden die Tarife für das Jahr 2004 um
1,94 Prozent angehoben, und im Jahre 2005 nochmals um cirka 0,65
Prozent. Das sind 54 Cent pro Fall, und 1 Cent pro Punkt im Jahr
2004. Im Jahr 2005 sind das 30 Cent pro Fall.

Firmen schulden der Kasse 328,8 Millionen Euro

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die
Unternehmen, die Dr. Gleitsmann in der Wirtschaftskammer zu vertreten
hat, den Sozialversicherungen im Jahr 2003 897 Millionen Euro
schuldeten. Die Wiener Gebietskrankenkasse beklagte im Vorjahr 328,8
Millionen Euro an Außenständen. 148,8 Millionen Euro davon sind
Dienstnehmerbeiträge. Dorner: "Würden sich die eigenen Mitglieder von
Herrn Gleitsmann rechtskonform verhalten, dann hätten wir jetzt nicht
so ein massives finanzielles Problem."

Weiters gibt Dorner zu bedenken, dass die Versicherten der
Gewerblichen Wirtschaft (SVA) vom möglichen vertragslosen Zustand gar
nicht betroffen wären. "Die Wirtschaftskammer und an vorderster Front
Herr Gleitsmann entscheiden also zu Lasten Dritter, denn die eigenen
Versicherten wären von seiner Entscheidung ja nicht betroffen." Und,
so Dorner weiter, "eine Gruppe an medizinischen Anbietern wird bei
diesem Chaos als absoluter Gewinner hervorgehen und das sind die
Institute. Ich vermute, dass die Ablehnung des Vertrags schon
vorprogrammiert war, nur um die Institute zu stärken, damit diese
keine Konkurrenz mehr durch die Kassenärzte haben."

Dorner: "Lassen Sie sich einmal auf der Zunge zergehen, was sich
der Hauptverband und die Politik in den letzten Monaten alles
geleistet haben: zuerst die steuerliche Diskriminierung der
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, dann der Versuch, die
angestellten Ärztinnen und Ärzte durch Überstunden und Eingriffe in
das Arbeitszeitgesetz in unmenschliche Arbeitsbedingungen zu zwingen,
weiter mit den unrealistischen Wünschen bei der Chefarztpflicht, das
absolute Chaos in Sachen E-Card und jetzt der Frontalangriff auf die
Versorgung und die Geldbörsen der Wienerinnen und Wiener. Es reicht!"

Für Ärztechef Dorner gibt es nur einen Ausweg aus dieser
"politisch motivierten Schmierenkomödie": "Der Verwaltungsrat hat am
14. April eine zweite Chance, die Versorgung der Wienerinnen und
Wiener sicherstellen. Ich rate Herrn Gleitsmann, seine Meinung zu
ändern und im Verwaltungsrat eine Mehrheit zu finden. Wir werden am
bestehenden Vertrag sicher nichts ändern, außer dem Datum." (bb)

OTS0075    2004-04-02/11:08

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