Dorner: "Frontalangriff auf die medizinische Versorgung Wiens"

Am bestehenden Vertrag wird nichts geändert - "Verwaltungsrat hat am 14. April eine zweite Chance, die skandalöse Entscheidung zu revidieren

Wien (OTS) - Im Zuge der heute stattfindenden gemeinsamen Pressekonferenz von Wiener Gebietskrankenkasse und Ärztekammer meldet sich Wiens Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner zur skandalösen Ablehnung des Gesamtvertrags durch den Verwaltungsrat des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger zu Wort. Dorner: "Die Ärztekammer und die Wiener Gebietskrankenkasse haben ihre Aufgabe erfüllt und einen guten sowie kostengünstigen neuen Vertrag abgeschlossen, der die zukünftige medizinische Versorgung in Wien sichert. Jetzt ist der Verwaltungsrat an der Reihe, seine skandalöse Entscheidung zu revidieren."****

Die Wirtschaftskammer stellte mit ihrer Entscheidung öffentlich ihr völliges Desinteresse an einer sozialen Gesundheitsversorgung unter Beweis, so Dorner. "Die politischen Partikularinteressen und die Umfärbungswut von Herrn Dr. Gleitsmann sind, wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, fehl am Platz. Gleitsmann soll sein Finanzbeschaffungs-Süppchen weiterhin in der Wirtschaftskammer kochen und die wahren Experten die richtigen Entscheidungen treffen lassen", so Dorner weiter.

"Wenn Dr. Gleitsmann behauptet, dass im neuen Gesamtvertrag eine Honorarerhöhung von 4,3 Prozent festgeschrieben ist, hat er entweder den Vertrag gar nie gelesen oder einfach nicht verstanden", so der Ärztechef. Im neuen Vertrag wurden die Tarife für das Jahr 2004 um 1,94 Prozent angehoben, und im Jahre 2005 nochmals um cirka 0,65 Prozent. Das sind 54 Cent pro Fall, und 1 Cent pro Punkt im Jahr 2004. Im Jahr 2005 sind das 30 Cent pro Fall.

Firmen schulden der Kasse 328,8 Millionen Euro

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Unternehmen, die Dr. Gleitsmann in der Wirtschaftskammer zu vertreten hat, den Sozialversicherungen im Jahr 2003 897 Millionen Euro schuldeten. Die Wiener Gebietskrankenkasse beklagte im Vorjahr 328,8 Millionen Euro an Außenständen. 148,8 Millionen Euro davon sind Dienstnehmerbeiträge. Dorner: "Würden sich die eigenen Mitglieder von Herrn Gleitsmann rechtskonform verhalten, dann hätten wir jetzt nicht so ein massives finanzielles Problem."

Weiters gibt Dorner zu bedenken, dass die Versicherten der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) vom möglichen vertragslosen Zustand gar nicht betroffen wären. "Die Wirtschaftskammer und an vorderster Front Herr Gleitsmann entscheiden also zu Lasten Dritter, denn die eigenen Versicherten wären von seiner Entscheidung ja nicht betroffen." Und, so Dorner weiter, "eine Gruppe an medizinischen Anbietern wird bei diesem Chaos als absoluter Gewinner hervorgehen und das sind die Institute. Ich vermute, dass die Ablehnung des Vertrags schon vorprogrammiert war, nur um die Institute zu stärken, damit diese keine Konkurrenz mehr durch die Kassenärzte haben."

Dorner: "Lassen Sie sich einmal auf der Zunge zergehen, was sich der Hauptverband und die Politik in den letzten Monaten alles geleistet haben: zuerst die steuerliche Diskriminierung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, dann der Versuch, die angestellten Ärztinnen und Ärzte durch Überstunden und Eingriffe in das Arbeitszeitgesetz in unmenschliche Arbeitsbedingungen zu zwingen, weiter mit den unrealistischen Wünschen bei der Chefarztpflicht, das absolute Chaos in Sachen E-Card und jetzt der Frontalangriff auf die Versorgung und die Geldbörsen der Wienerinnen und Wiener. Es reicht!"

Für Ärztechef Dorner gibt es nur einen Ausweg aus dieser "politisch motivierten Schmierenkomödie": "Der Verwaltungsrat hat am 14. April eine zweite Chance, die Versorgung der Wienerinnen und Wiener sicherstellen. Ich rate Herrn Gleitsmann, seine Meinung zu ändern und im Verwaltungsrat eine Mehrheit zu finden. Wir werden am bestehenden Vertrag sicher nichts ändern, außer dem Datum." (bb)

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