"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Herbststürme" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 31.03.2004

Wien (OTS) - Der Landeshauptmann von Kärnten hat gestern Jörg Haider geheißen und er wird auch morgen Jörg Haider heißen. Seine Wiederwahl in der heutigen Landtagssitzung steht außer Frage, und das ist angesichts seines überzeugenden Wahlsiegs auch kein Fehler. Insgesamt aber wird in der österreichischen Innenpolitik genau wegen dieser Wahl kein Stein auf dem anderen bleiben: Haider ist jetzt wieder der unumstrittene Chef in der FPÖ. Er wird das nützen, um erstens Wolfgang Schüssel nach Kräften zu ärgern und um zweitens die freiheitliche Regierungsmannschaft nach seinem Belieben umzugestalten.
Zittern müssen aber nicht nur die "schwachen" FP-Minister und Staatssekretäre. Auch der Sessel von SP-Chef Gusenbauer wackelt gewaltig. Sein Zick-Zack-Kurs rund um den blau-roten Koalitionspakt in Kärnten hat ihn den letzten Rest an Autorität gekostet. Er gilt parteiintern ebenso zum Abschuss freigegeben wie Herbert Haupt in der FPÖ oder Karl-Heinz Grasser in der ÖVP.
Bis zu den EU-Wahlen am 13. Juni wird wohl nichts passieren. Spätestens nach den Parteitagen von SPÖ und FPÖ im Herbst werden wir uns aber an etliche neue Gesichter in der Innenpolitik gewöhnen müssen. Schuld an all den Turbulenzen ist wieder einmal Jörg Haider. Angesichts der schwachen Vorstellung der zur Ablöse anstehenden Politiker muss man ihm für die zu erwartenden Herbststürme sogar dankbar sein.

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