Grüne NÖ: Tierärzte werden zu Medikamentenvertreter degradiert

Krismer: "Liberalisierung weder im Sinn der Konsumenten, noch der Tiere"

St. Pölten (Grüne) - Mit den gesetzlichen Änderungen 2002 haben die Bauern und Bäuerinnen die Möglichkeit erhalten, Tiere selber gesund zu pflegen. Die Grünen bedauerten diesen Schritt, weil gerade damals nach unzähligen Antibiotika-Skandalen restriktivere Maßnahmen notwendig gewesen wären. BäuerInnen, die Verträge im Rahmen des Tiergesundheitsdienstes abschlossen, wurden viele Zugeständnisse gemacht. Obwohl eine seriöse Bewertung der ersten Phase der Tiergesundheitsdienste noch nicht einmal abgeschlossen ist, drängen die Vertreter der großen Agrarbetriebe wieder und verlangen eine weitere Liberalisierung.

LAbg. Dr. Helga Krismer schließt aus den Diskussionsunterlagen des Tiergesundheitsdienst-Beirates der heutigen Sitzung: "Die Freigabe sogenannter Managmentpräparate geht eindeutig zu weit. Es ist ein Kniefall vor den großen Betrieben, wo Kühe und Schweine trächtig werden, wenn es den BäuerInnen betriebswirtschaftlich passt. Ein kleiner Betrieb kann sich das oft gar nicht leisten."
Doppelbödig erscheint dieses Ansinnen auch vor dem Hintergrund der Verhandlungen zum Bundestierschutzgesetz. "Wenn Tiere im Krankheitsfall oder im Bereich der Fortpflanzung nicht einmal mehr fachlich betreut werden, kann das nicht im Sinne des Tierschutzes sein", ist Krismer überzeugt.

So soll künftig die Liste der von den BäuerInnen anzuwendenden Mitteln um Hormone und noch gut wirkende Antibiotika erweitert werden, und Medikamentenvorräte dürfen bis zu 3 Monate am Hof befindlich sein. Krismer gibt ein Bild von der Realität, indem sie TierärztInnen eher als Kontrollore der Bauernstube als der Ställe sieht. Hinkünftig werden die TierärztInnen nur noch Medikamente auf den Hof liefern und die nötigen Papiere prüfen. Unterm Strich ist diese Liberalisierung weder im Sinne der KonsumentInnen, noch der Tiere, aber auch nicht im Sinne vieler kleiner landwirtschaftlicher Betriebe. Von dieser Regelung profitieren nur die großen Schweine-und Milchbetriebe. "Damit steht wieder einmal fest, für wen die bäuerliche Interessensvertretung sich einsetzt", schließt Krismer.

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