"Bratislava geht gegen Wien in Führung " von Angelika Kramer

Wirtschaftsblatt Kommentar

Wien (OTS) - "Länder mit zu hohen Steuern werden Investitionen verlieren", meinte letzte Woche der Finanzminister der Slowakei, Ivan Miklo, der auch als Vater der slowakischen Flat Tax gilt. Sprach's und wird sogleich mit einem Beweisbeispiel belohnt: Am vergangenen Freitag hat der Chemiekonzern BASF angekündigt, Wien den Rücken zu kehren, um die Kostenvorteile in Bratislava geniessen zu können. Für den Chef des Logistikkonzerns Kühne & Nagel, Friedrich Macher, ist die Entscheidung von BASF eine leicht nachvollziehbare Macher kritisiert die "lausige Performance der österreichischen Standortpolitik."

Es ist zu erwarten, dass der Exodus der BASF nicht der letzte bleiben wird. Mehrere hundert Unternehmen haben ihre Osteuropa-Zentralen (noch) in Wien angesiedelt. Ein Blick über die Grenze ins Steuer-Schlaraffenland Slowakei könnte sie dazu veranlassen, ihre Umzugskartons zu packen. Der 19 Prozent-Einheitssteuersatz, der seit 1.1.2004 gilt übrigens einer der niedrigsten in ganz Europa ist für viele Unternehmen einfach zu attraktiv. Zusätzliches Zuckerl: Die Erbschafts- und Schenkungssteuer wurde der Einfachheit halber gleich ganz gestrichen. Das EU-Beitrittsland Slowakei hat mit dieser drastischen Steuerreform den westlichen Nachbarländern den Fehdehandschuh hingeworfen und jetzt zeigt sich: Die Rechnung scheint aufzugehen. Unser östlicher Nachbar ist in kürzester Zeit in Relation zur Bevölkerung gesehen zum zweitgrössten Autoproduzenten der Welt herangewachsen, und auch in anderen Branchen, etwa bei Konsumgütern oder Umwelttechnik, rollt der Euro unaufhaltsam gen Osten.

Die österreichische Politik hat den Fehdehandschuh aufgenommen und will bekanntlich ab 2005 die Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent senken. Damit soll der drohenden Firmen-Abwanderung ein Riegel vorgeschoben werden. Die heimische Wirtschaft ist damit zufrieden, hat sie doch jahrelang um eine Senkung der Unternehmenssteuern gekämpft. Sie vergisst dabei allerdings, dass der Spitzensteuersatz mit 50 Prozent nach wie vor einer der höchsten in der Europäischen Union ist. Ausserdem hat der Konkurrent Slowakei jetzt ein Jahr Vorsprung, den Investoren seine Attraktivität gegenüber dem Standort Österreich unter Beweis zu stellen. Ein Jahr, das er wie soeben vorexerziert in seinem Sinne nützen wird.

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