"Kleine Zeitung" Kommentar: "Weltfigur aus Österreich: Das Lebenswerk von Kardinal König" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 27.03.2004

Graz (OTS) - Es schwang eine lächelnde Ironie mit in jenem Satz seines Testaments, in dem sich Kardinal König ein einfaches Begräbnis wünschte und dem er hinzufügte "soweit es die Umstände erlauben".

Er wusste: Für jemanden wie ihn kann es kein einfaches Begräbnis geben. Dass es dann gleichsam ein Staatsbegräbnis sein musste, noch dazu mit vorhergehender Einbalsamierung und Ausstellung des Leichnams, dürfte er nicht erwartet haben.

Freilich liegt darin auch eine harte Mahnung, vor der die Kirche nie zurückgeschreckt ist: Selbst der berühmteste und größte Mann ist der unerbittlichen, schrecklich anzusehenden und schwer zu ertragenden Hinfälligkeit im Tod ausgeliefert.

Aber es hat dennoch seine Logik mit dem inoffiziellen Staatsakt:
König war in den letzten Jahren seines gesegnet hohen Alters ohne jede Geistesschwäche zu einer Art von Stimme Österreichs geworden. Wo er hinging, das war ein wichtiges Ereignis; wenn er sprach -meistens sagte er nur sehr Allgemeines - hörte man ihm bereitwillig zu. Er wurde auch in Kreisen geschätzt und auf Zeitungsseiten gelitten, wo man sonst von jemandem aus der Kirche nichts hören und sehen will.

Viele von denen, die König verehrten und bewunderten, wussten freilich nicht mehr, worauf seine einmalige Stellung beruhte: Es war eine eigentlich politische Leistung, die bis heute nachwirkt. Er schlug Brücken von der Kirche zur Sozialdemokratie und versuchte, die beiderseitigen Vorbehalte abzubauen.

Grundgelegt war das freilich schon von den Vordenkern der Kirche unmittelbar nach dem Krieg worden, die von der "freien Kirche im freien Staat" redeten, also einer Kirche, die nicht mehr mit einer Partei verbunden war. Symbolhaft für diese "Aussöhnung" wurden die Bilder, die König an der Seite von Anton Benya bei einem ÖGB-Kongress und neben Bruno Kreisky in der ersten Reihe von Großveranstaltungen zeigen. Frei von Missverständnissen, Kritik und Missdeutungen blieb das freilich bis heute nicht.

König war eine der seltenen Erscheinungen in unserem Land, die einen wirklichen Welthorizont haben. Als Österreich noch sehr in sich verschlossen war, hatte er schon aus seiner Beschäftigung mit der Orthodoxie enge Kontakte nach Osteuropa und in alle Welt. Daraus sollte schließlich seine wichtige Rolle beim Konzil und seine weltkirchlich entscheidende bei der Wahl des ersten Polen zum Papst erfließen.

Ein eigentliches "Vermächtnis" hinterlässt Franz König nicht, sondern
ein Lebenswerk. ****

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