"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Eberle kämpft (noch)" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 26. März 2004

Innsbruck (OTS) - Ferdinand Eberle sorgt derzeit für viele Spekulationen unter Politik-interessierten. Seit seinem TT-Interview, in dem er laut über einen Abschied aus der Politik nachdachte, wird darüber gerätselt, was Eberle mit diesem Vorstoß bezweckte. Wollte er abtesten, wie viele ihn zum Bleiben in der Regierung auffordern? Oder wollte er einem möglichen Abschuss durch Parteichef van Staa zuvorkommen?
Bei der Eröffnung der Innsbrucker Frühjahresmesse am Donnerstag sorgte der Wirtschaftslandesrat für einen weiteren Paukenschlag. In einer emotionsgeladenen Rede rechnete er mit der Verkehrspolitik seiner eigenen Regierung ab. Nein zum sektoralen Fahrverbot, das er selbst mitbeschlossen hat. Nein auch zu einer Ausweitung des Nachtfahrverbotes für Lkw. Beide Punkte hatten Regierungschef Herwig van Staa und sein Koalitionspartner Hannes Gschwentner (SPÖ) geradezu gebetsmühlenartig in der Vergangenheit als einzig richtige Reaktionen Tirols auf die permanenten Transitwatschen aus Brüssel dargestellt. Es ist unklar, ob Eberle hier ohne Absprache mit van Staa vorpreschte oder im Auftrag des Parteichefs den roten Koalitionspartner brüskierte. Verkehrslandesrat Gschwentner reagierte natürlich verschnupft, die Koalition hat ihre erste Bewährungsprobe.
Pikant ist auch Eberles Terminwahl für seine Kampfansage. Er vertrat gestern nämlich van Staa, der am Morgen mit dem gesamten ÖVP-Klub auf einen gemütlichen Ausflug nach Malaga abdüste. Die Urlaubsgefühle werden sich wohl in Grenzen halten.
Eberle wirkte bei seiner Rede konzentriert und bestens vorbereitet, wie schon lange nicht. Beim Fußball würde man sagen, er spielte befreit auf. Das kann eigentlich nur zwei Gründe haben. Entweder hat der Außerferner mit der Politik abgeschlossen und nützt seine letzten Amtswochen für einige pointierte Abrechnungen. Oder er will es noch einmal wissen und startet einen Generalangriff.

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