Rieder/Brauner: Mehr Frauen-Power für die Forschung

2 Millionen Euro für neuen Förderwettbewerb; Top-Wissenschafterin Dr. Renée Schroeder übernimmt Juryvorsitz

Wien (OTS) - "Mit einem neuen Förderwettbewerb, dem Call "FemPower Vienna 2004", wollen wir den Frauenanteil in der betrieblichen Forschung von Wiener Unternehmen erhöhen. Und das mit gutem Grund:
Denn Frauen in diesem Arbeitssegment sind in Österreich nach wie vor eine Seltenheit: Laut einer Studie der EU-Kommission aus dem Jahr 2003 beträgt der Frauenanteil in der EU in der betrieblichen Forschung durchschnittlich 14,9 Prozent, in Österreich sind es nur 9 Prozent. Damit belegt Österreich den letzten Platz in der Europäischen Union, erklärten Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Sepp Rieder und die Wiener Frauenstadträtin Renate Brauner im Bürgermeister-Mediengespräch am Dienstag.

Mit dem Call "FemPower Vienna 2004" werden deshalb gezielt technologisch innovative Forschungsprojekte gefördert, bei denen Frauen substanziell mitwirken. Insgesamt stehen für den Call zwei Millionen Euro zur Verfügung, wobei die Förderquote zwischen 25 und 60 Prozent liegt, bei einer maximalen Förderhöhe von 500.000 Euro pro Teilnehmer und Projekt, so Rieder und Brauner weiter. Durchgeführt wird der Call vom ZIT - Zentrum für Innovation und Technologie - der Technologieagentur des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF). Die Einreichfrist für den Call läuft vom 21. bis 24. Juni. Jetzt können die Projekte vorbereitet werden, denn ab sofort sind Informationsmaterialien und Antragsunterlagen für den Fempower Call erhältlich unter http://www.zit.co.at/. Infos gibt es auch unter der Telefonnummer 01-960 90.****

Dr. Renée Schroeder: Forscherin des Jahres 2002 als Juryvorsitzende

Rieder und Brauner stellten bei der Medienkonferenz auch die Wiener Top-Wissenschafterin Dr. Renée Schroeder vor, die als Vorsitzende für die Jury des Wettbewerbs gewonnen werden konnte. Schroeder wurde für ihre außergewöhnlichen wissenschaftlichen Leistungen im Jahr 2003 mit dem Wittgensteinpreis ausgezeichnet und im Jahr 2002 vom Club der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zur "Forscherin des Jahres" gewählt. Schroeder studierte Biochemie an der Universität Wien. 1986 trat sie einen Job als Assistentin am Institut für Mikrobiologie und Genetik an, die Habilitation folgte 1993. Seit 1995 ist sie außerordentliche Professorin. 1984 erhielt sie den Theodor Körner-Preis für Wissenschaft und Kunst, 1987 bis 1989 ein Erwin
Schrödinger-Stipendium, 1992 den Sandoz-Forschungspreis für Biologie und 2001 den L'Oreal/UNESCO Special Award für Women in Science. Seit 2002 ist Schroeder korrespondierendes und seit heuer wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Verbinden Technologiepolitik mit Frauenförderung

"Mit dem FemPower Call verbinden wir die beiden bislang weitgehend getrennten Bereiche Technologiepolitik und Frauenförderung. Denn die extreme Unterrepräsentanz von Frauen in der betrieblichen Forschung bedeute nicht nur, dass Frauen Karriereoptionen vorenthalten bleiben, sondern auch, dass hier ein hochqualifiziertes Arbeitskräftepotenzial weitgehend ungenützt bleibt - "und das, obwohl es einen steigenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften in diesem Bereich gibt", unterstreicht Rieder.

"Dass das entsprechende weibliche Potenzial vorhanden ist, belegen die Studienabschlusszahlen: 35,2 % der Graduierten im Bereich der Naturwissenschaften, der Mathematik und der Computerwissenschaften im Jahr 2000 waren weiblich", ergänzt Frauenstadträtin Renate Brauner. "Die frauenspezifischen Kriterien, die zur Teilnahme am Call "FemPower Vienna 2004" berechtigen, sind bewusst niederschwellig gehalten, um möglichst vielen Unternehmen, die das entsprechende Engagement zeigen, die Erfüllung zu ermöglichen. Es geht auch darum, das Thema in den Köpfen der Menschen zu verankern", so Brauner weiter.

Frauenspezifische Voraussetzungen für die Projekte

Bei den Projekten die für den FemPower Call eingereicht werden, müssen die Frauen in einem dauerhaften unselbstständigen Arbeitsverhältnis mit dem Antragsteller oder seinem Projektpartner stehen. Eine wesentliche Mitwirkung von Frauen im Sinne der Ausschreibung ist gegeben, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

o Die wissenschaftliche Projektleitung obliegt einer weiblichen wissenschaftlichen Mitarbeiterin. o Ein maßgeblicher Teil der wissenschaftlichen Arbeiten, die im Rahmen des geplanten Forschungs- und Entwicklungs-Projektes durchgeführt werden, wird von weiblichen Mitarbeiterinnen geleistet. Bei Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigen muss mindestens ein Drittel der Projektarbeitstunden von Frauen geleistet werden, bei Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigen mindestens die Hälfte. Die entsprechenden Anteile sind sowohl bei der Kalkulation der Arbeitsstunden bei der Projektplanung als auch bei der Projektabrechnung mit der Lohnbuchhaltung zu belegen. o Zur Durchführung des geplanten Projektes muss mindestens eine weibliche wissenschaftliche Projektmitarbeiterin neu beschäftigt werden. Dies ist mittels Vorlage eines neuen Dienstvertrages und eines Lebenslaufes zu belegen.

Maximale Fördersumme von 500.000 Euro pro Projekt und Teilnehmer

Ist die Voraussetzung erfüllt, dass die zur Förderung eingereichten Forschungs- und Entwicklungsprojekte unter wesentlicher Mitwirkung von Frauen realisiert werden, erfolgt die Beurteilung -wie bei allen anderen Calls auch - nach den Maßstäben der technologischen Exzellenz und der ökonomischen Umsetzbarkeit des Projekts. Ausschließlich (interne und externe) Personalkosten des Unternehmens sind förderbar. Die Förderungsquote liegt zwischen 25 und 60 Prozent, die maximale Förderungshöhe beträgt pro Teilnehmer und Projekt 500.000 Euro. Insgesamt stehen für den Call zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Als Vorsitzende der ExpertInnenjury, die die Projekte beurteilen wird, konnte Dr. Renée Schroeder gewonnen werden. Die Wissenschafterin des Jahres 2002 und Wittgensteinpreisträgerin 2003 ist a.o. Professorin am Institut für Mikrobiologie und Genetik der Universität Wien und zählt zu den profiliertesten WissenschafterInnen Österreichs.

Einreichfrist für den Call: zwischen 21. und 24. Juni 2004

Die Informationsmaterialien und Antragsunterlagen für den Fempower Call sind ab sofort unter http://www.zit.co.at/ als download erhältlich. Die Projekte können damit zur Einreichung vorbereitet werden. Der Call ist dann von 21. - 24. Juni 2004 offen.

In diesen vier Tagen sind die Anträge direkt beim ZIT - Zentrum für Innovation und Technologie, 1010 Wien, Ebendorferstraße 4 abzugeben, und zwar von Montag, 21. Juni 2004, 9.00 Uhr, bis Donnerstag, 24. Juni 2004, 15.00 Uhr. Der Antrag ist firmenmäßig zu fertigen und in allen wesentlichen Teilen in deutscher Sprache auszufüllen (hinsichtlich der "Projektdaten" werden auch Texte in englischer Sprache akzeptiert). Alle Antragsunterlagen sind in einfacher Ausfertigung in Papierform sowie unbedingt auch in elektronischer Form (Diskette, CD etc.) einzureichen, wobei gängige Datenformate verwendet werden müssen.

Entscheidung im September

Im September wird eine Jury aus internationalen ExpertInnen die Projekte beurteilen und zur Förderung vorschlagen. Die Prämierung der Gewinner bei einer öffentlichen Abschlussveranstaltung bringt zusätzliche Publizität für die Unternehmen.

Infos und Antragsunterlagen stehen bis zum Ende des Einreichzeitraumes unter http://www.zit.co.at zum Download zur Verfügung. Telefonische Auskünfte sind unter 01-960 90 erhältlich.

Ergänzend zum Call: Infoveranstaltung zum Gender Diversity Management

Um nachhaltige Wirkungen zu erzielen, wird der Call durch eine Reihe von anderen Maßnahmen, die vom ZIT gesetzt oder für die Zukunft geplant werden, ergänzt:

Im Rahmen der Beratung für die Antragsstellung wird es eine Informationsveranstaltung zum Thema gender diversity management in Betrieben geben; durch die Zusammenarbeit mit dem von Seiten des Bundes durchgeführten Programm "Femtech" stehen Unternehmen weitere Beratungsleistungen zum Thema Förderung von Frauen in der betrieblichen Forschung zur Verfügung.

Mehr Chancengleichheit für Frauen bei künftigen Technologieprogrammen

Zukünftig wird gender mainstreaming einen inhärenten Bestandteil der vom ZIT durchgeführten Technologieförderungen der Stadt Wien bilden. Bei der Gestaltung und Evaluierung der Förderprogramme werden zukünftig die Effekte im Sinne der angestrebten Chancengleichheit ein wichtiges Kriterium sein. Gender mainstreaming soll künftig in alle Technologieförderprogramme verstärkt einfließen.

Die Stärkung der Technologieorientierung der Wiener Unternehmen ist eine ganz zentrale Voraussetzung für die weiterhin positive Performance des Wirtschaftsstandorts Wien. Ein entscheidender Aspekt hierbei ist die Erhöhung des F&E-Arbeitskräftepotenzials. Neben der grundsätzlichen und selbstverständlichen allgemeinpolitischen Zielsetzung der Herstellung der Chancengleichheit trägt FemPower Vienna 2004 auch dazu bei, vorhandene Ressourcen bestmöglich einzusetzen.

Forschungsinhalte werden letztlich immer durch Menschen bestimmt. Es ist der Anspruch der Stadt Wien und wohl auch ein wichtiger Erfolgsfaktor von Technologiepolitik insgesamt, möglichst viele Sichtweisen und Zugänge zu ermöglichen. Allgemein bekannt ist die Tatsache, dass die Herangehensweisen und die Definition von Inhalten nicht geschlechterunabhängig sind. Die stärkere Präsenz von Frauen in der Forschung trägt damit auch zu einer Verbreiterung der Inhalte bei.

Calls als Förderungsinstrument laufen seit 2002

Bereits seit dem Jahr 2002 veranstaltet die WWFF-Tochtergesellschaft ZIT regelmäßig wettbewerbsorientierte Förderausschreibungen, sogenannte "Calls". Fördergelder werden nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip, sondern im Zuge eines Wettbewerbverfahrens an die besten Projekte vergeben.
Insgesamt wurden bisher sechs Calls abgeschlossen. In Summe hat die Stadt Wien seither dafür 12 Millionen Euro investiert, um damit insgesamt 73 Projekte zu fördern. Unter der Voraussetzung, dass alle Projekte auch in der Praxis realisiert werden, wurden und werden damit Investitionen von knapp 50 Millionen Euro ausgelöst und 400 neue Jobs geschaffen.

Auch im Jahr 2004 setzt die Stadt Wien auf das bewährte Förderungsinstrument der Calls und startet insgesamt vier neue Förderungswettbewerbe mit einem Förderungsvolumen von insgesamt 10 Millionen Euro. Neben dem FemPower Call zählen dazu der Call Life Science Vienna 2004 und der Call Informations- und Kommunikationstechnologien 2004, um diese beiden bewährten Stärkefelder des Technologiestandortes Wien weiter auszubauen. Der vierte Call soll die Kooperationen zwischen Wiener Unternehmen und Partnern in den neuen EU-Beitrittsländern fördern, um Wiens Funktion als West-Ost-Drehscheibe und als mitteleuropäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum zu stärken.

Weitere 7 Millionen Euro investiert die Stadt Wien in den Ausbau der Creative Industries und die departure, wirtschaft, kunst und kultur GmbH, eine neue Service- und Fördereinrichtung für dieses weitere Stärkefeld der Wiener Wirtschaft.

Zum Technologiestandort Wien

Insgesamt hat die Stadt Wien seit 1997 rund 350 Millionen Euro für technologiepolitische Maßnahmen aufgewendet. Einerseits wurden damit konkrete Großprojekte, wie das Institut für Molekulare Biotechnologie - IMBA unter der Führung von Prof. Penninger, unterstützt und andererseits direkte Unternehmensfinanzierungen - im Weg der Calls - ermöglicht. Insgesamt sind zur Zeit mehr als 132.000 Personen in Wien im Technologiebereich tätig, das sind um 22 Prozent mehr als 1997 und schon 17 Prozent aller in Wien unselbstständig Beschäftigten. Grundlage für diese positive Entwicklung ist der hohe Anteil an Forschung in Wien. Wien hat mit einer Forschungs- und Entwicklungsquote von 3,7 Prozent eine fast doppelt so hohe Quote wie Gesamtösterreich (1,95 Prozent). Gegenwärtig sind in Wien rund 18.000 Forscher und Forscherinnen in den verschiedenen Sektoren -Unternehmen, Universitäten, außeruniversitäre Einrichtungen - tätig. Das sind knapp 50 Prozent aller in Österreich tätigen Forscher. (Schluss) gaw

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