- 15.03.2004, 11:27:36
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Ungarn: Nach wie vor wichtigster Handelspartner unter EU-Erweiterungsländern
Koren: Exportrückgänge nicht dramatisieren - KMU und Erstexporteure gleichen Minus nach Produktionsauslagerung von Philips in Ungarn wieder aus
Wien (PWK175) - Ungarn verlor in den letzten zwei Jahren seine
Vorreiterrolle unter den Beitrittskandidaten. Ausländische Investoren
im Elektronikbereich verlagerten Produktionslinien nach Asien,
Konfektions- und Schuhindustrie wanderten in die östlichen,
lohngünstigeren Nachbarländer ab. Zunehmende Investitionen in
anspruchsvolle Industriezweige mit hoher Forschungs- und
Entwicklungsintensität geben jedoch Anlass für eine positivere
Prognose: Nokia verdoppelt die Produktion von Mobiltelefonen,
Ericsson errichtete ein bedeutendes Forschungszentrum, Elektrolux
konzentriert die Erzeugung von Kühltruhen und Haushaltskühlschänken,
Suzuki, Audi und GM erweitern ihre Produktionsstätten, die
Bosch-Gruppe macht Ungarn zu ihrem europäischen Zentrum für
Kfz-Elektronik, womit der Imagewandel des Wirtschaftsstandortes in
Gang kommt.
"Die seit zwei Jahren anhaltende konjunkturelle Stagnation bzw. der
leichte Rückgang der österreichischen Exporte um -6,1% in den ersten
elf Monaten 2003 gegenüber der Vorjahresperiode, gibt präzise den
Einfluss multinationaler Konzerne auf Handelsstatistiken wieder, der
das tatsächliche bilaterale Wirtschaftsgeschehen verfälscht", sagt
Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ. So
hat etwa der Philips-Konzern in den vergangenen zwei Jahren die
Erzeugung von zwei Produktgruppen in beiden Ländern eingestellt
(analoge VCR und konventionelle Monitoren) - wesentliche Teile für
den ungarischen Standort wurden aus Österreich angeliefert.
Auswirkungen dieser Produktionsbereinigung sind in den bilateralen
Außenhandelsstatistiken spürbar, denn die Zulieferungen an den
ungarischen Philips-Standort machten bis zu 20% der österreichische
Ausfuhren nach Ungarn aus. Koren: "Die Zahlen verschweigen aber, dass
eine eindrucksvolle Anzahl von österreichischen Unternehmen - vor
allem KMU und Erstexporteure - durch Steigerungen in nahezu allen
Ausfuhrpositionen den Großteil dieses bedeutenden Rückgangs beinahe
ausgleichen konnte. Somit ist auch das Minus von 6,1% nicht zu
dramatisieren."
In den ersten elf Monaten 2003 erreichten die österreichischen
Exporte ein Volumen von 2,9 Mrd Euro und die Importe legten um 1,5%
auf 2,4 Mrd Euro zu. Ungarn liegt damit für Österreich sowohl als
Export- (hinter D, I, Schweiz, USA, F, GB) als auch als Importmarkt
(hinter D, I, F, USA, Tschechien, Schweiz) an 7. Stelle, unter den
EU-Erweiterungsländern ist Ungarn nach wie vor unser wichtigster
Handelspartner. Österreich hat am ungarischen Markt einen Anteil von
7%, und ist damit (nach Deutschland) Ungarns zweitgrößter
Handelspartner. Auch die österreichischen Investitionen in Ungarn
folgten nicht dem Trend einiger bedeutender multinationaler Firmen,
Produktionsstätten aus Ungarn zu verlagern, sondern wurden teilweise
erweitert und beachtlich modernisiert. Besonders investitionsfreudig
waren im vergangenen Jahr die Niederlassungen der Baustoffindustrie
(Wienerberger, Leier-Gruppe, Lasselsberger), Baumärkte (Baumax), des
Einzelhandels (Spar) und der Banken und Versicherungen. Bei letzteren
war die vielbeachtete Übernahme der Posta Bank-Gruppe durch die Erste
Bank um 400 Mio Euro eine der bedeutendsten österreichischen
Einzelinvestitionen in Mittel- und Osteuropa. Ein weiterer
spektakulärer Markteinstieg war die Übernahme der AXA-Versicherung
durch die Uniqa. Großinvestitionen stellen die Fertigstellung des
Großhandelszentrums "Asia-Center" durch die STRABAG und die Eröffnung
eines der modernsten Ersatzteillager Mitteleuropas durch die
Porsche-Gruppe dar.
"Der EU-Beitritt Ungarns am 1. Mai wird zu keinen dramatischen
Änderungen in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, jedoch zu
bedeutenden Erleichterungen durch den Wegfall der langen und
kostspieligen Wartezeiten bei der Grenzabfertigung von Waren und zur
Belebung des Handels auf dem landwirtschaftlichen Sektor und bei
Lebensmitteln führen", erwartet Peter Rejtö, WKO-Handelsdelegierter
in Budapest. Vorstellbar ist auch eine Belebung des
Investoreninteresses am Standort Ungarn durch psychologische und
mediale Beitritts-Effekte. Rejtö: "Besondere Wachstumschancen sehen
wir beim Infrastrukturausbau (Eisenbahn und Autobahn), beim
Umweltschutz (Abwasser, Müllentsorgung und erneuerbare Energien),
sowie beim Export von Lebensmitteln." Auf diesen Gebieten sind von
der AWO auch Sonderveranstaltungen (z.T. im Rahmen der
Internationalisierungsoffensive "go international"), wie eine "Road
show" für erneuerbare Energien in zwei westungarischen Städten, ein
die österreichische Gruppenausstellung auf der Fachmesse "Ökotech"
begleitendes Seminar über Umweltschutz und Lebensmittelwochen und
Weinpräsentationen geplant. (BS)
OTS0079 2004-03-15/11:27
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