Csörgits: Regierung muss zu unisex-Tarifen Stellung beziehen

Regierung soll Kommissionsvorschlag zur Einführung von unisex-Tarifen unterstützen

Wien (ÖGB) - "Finanzminister Grasser ist aufgefordert, klar Stellung zu beziehen, wofür er steht: Für die Gleichstellung der Frauen oder für die Interessen der Versicherungswirtschaft", stellt ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits zu den heutigen Äußerungen des Finanzministers im Ö1-Mittagsjournal klar. Grasser hatte in dem Beitrag von starken Vorbehalten seinerseits gegen Unisex-Tarife gesprochen. Die EU-Kommission hat sich im Rahmen eines Richtlinien-Vorschlages für die Einführung von unisex-Tarifen bei privaten Versicherungen ausgesprochen. Der Vorschlag muss jedoch vom EU-Rat und vom EU-Parlament beschlossen werden, damit er in Kraft treten kann.++++

"Wir fordern die zuständigen österreichischen Regierungsmitglieder, die Minister Bartenstein und Grasser auf, für den Richtlinien-Vorschlag der Kommission zu stimmen", sagt Csörgits. Die EU-Kommission, die die Einführung von unisex-Tarifen vorschlage, habe das Versicherungswesen in den einzelnen Mitgliedsländern genau studiert. In Frankreich etwa sei es bei den privaten Krankenversicherungen schon jetzt üblich, für Männer und Frauen dieselben Tarife anzuwenden.

Ein weiteres Argument für unisex-Tarife: Das Geschlecht ist nicht der wichtigste bestimmende Faktor für die Lebenserwartung. Andere Faktoren, wie Familienstand, Ernährungsgewohnheiten, Rauchen, Beschäftigungsstand haben wesentlich größere Auswirkungen als das Geschlecht. Die EU-Kommission ist deshalb der Auffassung, dass die Trennung von Männern und Frauen durch Zuweisung zu zwei unterschiedlichen Versichertengruppen eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung ist. "Die Gleichbehandlung der Frauen ist ein Grundrecht, dem die Gestaltungsautonomie der Versicherungen bei Tarifen unterzuordnen ist. Die Regierung ist aufgefordert, diesen Grundsatz offensiv in Brüssel zu vertreten, anstatt als Lobbyist für die Versicherungswirtschaft zu agieren", fordert Csörgits. (mfr)

ÖGB, 10. März
2004
Nr. 148

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