ÖAMTC-Befragung ergibt: Jeder zweite Autofahrer glaubt, morgen beim Führerschein durchzufallen

Verkehrswissen im Autofahrer-Alltag: Zwischen Affinität, Erfahrung und Realismus

Wien (ÖAMTC-Presse) - Die Führerscheinprüfung ist für viele schon ewig her. Ginge es darum, morgen nochmals anzutreten, rechnet sich nur jeder zweite Autofahrer Chancen zum Durchkommen aus. Nur jeder Achte ist sich sicher, eine Führerscheinprüfung morgen zu bestehen. Das ergab eine repräsentative österreichweite Befragung von ÖAMTC und dem Hitradio Ö3, durchgeführt von Info Research International.

1.000 Autofahrer und Autofahrerinnen wurden im Februar 2004 telefonisch befragt. Fast zwei Drittel davon - mehr Männer als Frauen - sind fast täglich mit dem Auto unterwegs. "Wer öfter fährt, hat mehr Selbstvertrauen und ist sich sicherer, eine Führerscheinprüfung morgen zu bestehen", sagt ÖAMTC-Marktforscherin Eva Lackner. Auch Führerscheinneulinge, die den Schein nicht länger als zwei Jahre haben, sehen einer Prüfung zuversichtlicher entgegen, weil das Wissen noch präsenter ist. "Nahezu alle, die morgen unsicher in eine Führerscheinprüfung gehen würden, sehen die Probleme in der Theorie", berichtet Lackner. "Einer praktischen Fahrprüfung würden die meisten gelassen entgegen sehen."

Zwtl. Zurück an die Quelle des Wissens

Bei einem Blitztest zum Führerscheinwissen stellte sich heraus, dass die Autofahrer insgesamt besser abschneiden, als sie sich zutrauen. Verkehrzeichen, Verkehrsrecht und Verkehrsregeln, Fahrzeugtechnik und Fahrzeugverhalten wurden in exemplarischen Fragen abgeprüft. Die Hälfte der Befragten schätzt ihr Wissen vorab als sehr gut ein, immerhin knapp zwei Drittel können im Schnitt eine richtige Antwort geben.

"Hohe Selbsteinschätzung ist in Wissensgebieten gegeben, denen man als Autofahrer täglich begegnet", interpretiert die Marktforscherin des Clubs die Ergebnisse. Verkehrszeichen und Verkehrsregeln werden zum Basiswissen gezählt und im Schnitt am sichersten beantwortet. Sattelfestigkeit in Technik und Fahrzeugverhalten beweisen vermehrt jene, die häufig mit dem Auto unterwegs sind. Gelegenheitsfahrer wissen weniger, schätzen ihre Kenntnisse aber auch geringer ein. Groß ist das Wissen noch bei den Führerscheinneulingen, die den Schein weniger als zwei Jahre besitzen. Sie sind sich der geringeren Fahrpraxis aber bewusst. Die Senioren unter den Führerscheinbesitzern machen fehlendes theoretisches Wissen hingegen durch ihren zurückhaltenden Fahrstil und ihre Erfahrung wieder wett.

"Frauen geben sich vorsichtiger als Männer, ob sie eine Führerscheinprüfung morgen bestehen würden", berichtet Lackner. Vor allem in den Bereichen Fahrzeugtechnik und Fahrzeugverhalten schätzen weibliche Autofahrerinnen ihr Wissen geringer ein als männliche. Der Blitztest zeigt aber: Frauen wissen deutlich mehr, als sie sich vorher selbst zugetraut haben.

Drei Viertel der Befragten meinen, die Führerscheinprüfung sei angemessen schwer. "Die Prüfung wird als Einstiegshürde zum Autofahren gesehen und auch akzeptiert", sagt Lackner. "Auffällig ist, dass ein Drittel der Führerscheinneulinge, der Meinung ist, sie sei sogar zu leicht."

Autofahren zwischen Lust und Frust

"Zügig und flott" - so beschreibt jeder fünfte Autofahrer seinen Fahrstil, darunter mehr Männer als Frauen und besonders viele 18-25-Jährige. Wer häufig fährt, ist laut Umfrage auch zügiger unterwegs. Im Gegensatz dazu: Jeder fünfte Autolenker - besonders ältere Lenker und Gelegenheitsfahrer - ist nach eigener Einschätzung zurückhaltend und vorsichtig unterwegs.

Die Lust am Autofahren wird häufig von gefährlichen Situationen im Alltag und Sorgen getrübt. ÖAMTC und Ö3 haben erhoben, dass ein Viertel der Befragten zumindest einmal im Monat beim Autofahren eine gefährliche Situation erlebt. Die größten Sorgen bereiten den Österreichern rücksichtslose Autofahrer und Drängler, aber auch schlechte Fahrbahn- oder Wetterbedingungen.

Stark beeinflussender Faktor ist die Häufigkeit des Fahrens: "Ein Vielfahrer erlebt auch viel. Gefährliche Situationen gehören zu seinem täglichen Autofahrer-Alltag. Laut Umfrage ist er weniger sorgenvoll und ängstlich", sagt die ÖAMTC-Marktforscherin. Wer selten mit dem Auto unterwegs ist und nach eigenen Angaben eher zurückhaltend fährt, begegnet zwar seltener gefährlichen Situationen, macht sich aber überdurchschnittlich viele Sorgen. Auch Fahranfänger erleben viele gefährliche Situationen, machen sich zwar Sorgen, fahren aber trotzdem schnell. "Hier geht es vor allem um das Ausloten von Grenzen," umreißt Lackner das Verhalten der Risikogruppe unter den jungen Lenkern.

Auf das Bewusstsein und die richtige Selbsteinschätzung kommt es an

"Die gemeinsame Studie von ÖAMTC und Ö3 zeigt, dass verschiedene Autofahrer-Typen ihre jeweils eigenen Strategien entwickeln, um den persönlichen Fahralltag zu bewältigen", zieht die Marktforscherin des Clubs Bilanz aus der Befragung. Bewusstsein und die richtige Selbsteinschätzung sind die wichtigsten Voraussetzungen für sicheres Autofahren, stellt sich heraus. Ziel des ÖAMTC ist es, mit den Ergebnissen der Studie zum Verkehrswissen der Österreicher wieder mehr von diesem Bewusstsein zu wecken.

"Sicherheit auf Österreichs Straßen hat bei Ö3 höchste Priorität", sagt Thomas Ruthner, Leiter der ORF-Verkehrsredaktion. Ö3 hat sich in den vergangenen Jahren mit Schwerpunktthemen rund um die Verkehrssicherheit engagiert: "Jürgen 19 - Alkohol am Steuer", "Tatort Straße - Drängeln tötet" und die aktuellen Geisterfahrer-Statistiken. "Die Studie zum Verkehrswissen der Österreicher spiegelt die Selbsteinschätzung der Autofahrer wider. Nur fundiertes Wissen und richtiges Bewusstsein ermöglichen ein korrektes und dadurch sicheres Verhalten im komplexen System des Straßenverkehrs", sagt Ruthner.

Ergebnisse bestätigen auch Mehrphasen-Führerschein

"Die Ergebnisse der Befragung bestätigen auch den Sinn hinter der Einführung des Mehrphasen-Führerscheins", sagt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Seit dem Vorjahr ist nach der Führerscheinprüfung eine zweite Ausbildungsphase mit Perfektionsfahrten und einem Fahrsicherheitstraining verpflichtend vorgeschrieben. Ziel ist es, die hohe Zahl von jährlich mehr als 17.600 verunglückten Jugendlichen in der Altersgruppe bis 24 Jahre in Zukunft drastisch zu verringern. "Zentrale Aufgabe der zweiten Ausbildungsphase ist es, das Risikobewusstsein nachhaltig im Autofahrerleben zu verankern. Dieses Ziel muss sichergestellt sein", sagt Hoffer.

Nähere Informationen rund um das Thema "Führerschein" finden sich auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/fuehrerschein/, auf der man sein Führerscheinwissen auch online unter Beweis stellen kann.

Aviso an die Redaktionen:
Grafiken zur Führerschein-Befragung finden sich im ÖAMTC-Foto-Service, abrufbar auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/presse/.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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