- 04.03.2004, 10:11:20
- /
- OTS0068 OTW0068
DER IMMISSIONSBERICHT LUFT LIEGT VOR - WAS ATMEN WIR EIN? Probleme bei verkehrsbedingten Feinstäuben, Stickoxiden und Ozon
Wien (PK) - Der Immissionsbericht-Luft, den Umweltminister Josef
Pröll kürzlich dem Nationalrat vorgelegt hat, dokumentiert die
Ergebnisse der Luftqualitätsmessungen, die seit 1998 mit Hilfe eines
mittlerweile gut ausgebauten Messstellennetzes Luftqualität und
Einhaltung der Grenzwerte in Österreich überwachen. Jede
Überschreitung eines Immissionsgrenzwertes zieht - außer bei
Einzelereignissen - innerhalb von 12 Monaten eine Statuserhebung
durch den Landeshauptmann und die Beschreibung der wichtigsten
Verursacher nach sich. Die Statuserhebungen für die Jahre 2000, 2001
und 2002 betrafen hauptsächlich die Schadstoffe Schwebestaub und
Stickoxide. Als Hauptverursacher wurden jeweils Verkehr, Hausbrand
und einzelne Industriebetriebe genannt. Für die Überschreitung des
Jahresmittelwertes an Stickoxid in Vomp wurde beispielsweise ein
Maßnahmenplan ausgearbeitet, der ein sektorales Fahrverbot enthält,
das allerdings vom EuGH außer Kraft gesetzt wurde. Zudem wurde ein
Nachtfahrverbot für LKW mit mehr als 7,5 t Gesamtgewicht von 22 Uhr
bis 5 Uhr verhängt (III-71 d.B.).
Der Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Dokumentation und Analyse
von Grenzwertüberschreitungen sowie auf Prognosen über die
Entwicklung in den kommenden Jahren. Fasst man die Ergebnisse und
Trends nach den einzelnen Schadstoffen zusammen, zeigt sich für die
Luftqualität in Österreich folgendes Bild:
SCHWEBESTAUB UND SEHR FEINER SCHWEBESTAUB - VERKEHRSPROBLEME
Staub besteht aus festen und flüssigen Teilchen (Partikel), die sich
nach Größe, Zusammensetzung und Herkunft unterscheiden. Da kleine
Teilchen tief in die Lunge eindringen können, ist deren Größe
wichtig. Von der Masse des Gesamtstaubes pro Kubikmeter Luft (TSP -
Total Suspended Particles) werden daher die Feinstäube (PM10 -
Partikelgröße kleiner als 10 Mikrometer) unterschieden.
Primärer Schwebestaub stammt aus Verbrennungsvorgängen (Dieselruß)
oder von mechanischen Vorgängen (Straßenabrieb, Verlade- und
Schüttvorgänge). Sekundärer Schwebestaub entsteht in der Atmosphäre
aus Vorläufersubstanzen wie Stick- und Schwefeloxiden, Ammoniak und
flüchtigen organischen Verbindungen.
Bei bestimmten Quellen haben die Staubemissionen seit 1990 von rund
73.000 t auf 80.000 t im Jahr 2001 zugenommen, wobei zuletzt 42 % der
Emissionen aus der Industrie, 18 % vom Verkehr (Abrieb und
Russpartikel), 15 % aus der Landwirtschaft, 23 % von
Kleinverbrauchern (Hausbrand, Rasenmäher) und 2 % aus der
Energieversorgung stammten. Leicht zugenommen, und zwar von rund
47.000 t auf nahezu 50.000 t pro Jahr, haben seit 1990 auch die PM10-
Emissionen, dies vor allem wegen der starken Zunahme von Diesel-Pkw
und durch die Steigerung des Straßen-Schwerverkehrs.
Auf der Immissionsseite hat die Schwebestaubbelastung in der Luft
während der neunziger Jahren in Österreich tendenziell abgenommen, am
deutlichsten an den einst hoch belasteten Messstellen in Kärnten
(Klagenfurt-Völkermarktstrasse) und in Wien am Belgradplatz, in
Floridsdorf, Liesing und in der Taborstraße. Belastungsschwerpunkte
sind nach wie vor die größeren Städte, vor allem Graz und Linz.
Darüber hinaus auch kleinere Städte in alpinen Becken und Tälern mit
ungünstigen Ausbreitungsbedingungen.
Für Feinstaub (PM10) liegen erstmals für 2002 Daten aus ganz
Österreich vor. Sie zeigen deutliche Grenzwertverletzungen in Graz
und Linz, aber auch in allen anderen größeren Städten und in
kleineren Städten südlich des Alpenhauptkamms sowie flächenhaft in
Nordösterreich, wo Belastungen durch Ferntransport angenommen wird.
An Autobahnen auf dem flachen Land liegt die PM10-Belastung unter dem
Grenzwert.
Auch wenn mangelnde Kenntnisse über einzelne Emissionsquellen
Prognosen schwierig machen, erwarten Experten eine deutliche Abnahme
der Staub-Hintergrundbelastung, wenn die Emissionen von Stick- und
Schwefeloxiden sowie von Ammoniak durch Umsetzung der EU-Richtlinie
über nationale Emissionsobergrenzen bis 2010 abnehmen wird. Ein
positives Beispiel stellt die Stahlhütte Leoben-Donawitz dar. Nach
einer Sanierung Ende der neunziger Jahre hat die Zahl der Staub-
Grenzwertwertüberschreitungen von 40 pro Jahr auf null abgenommen.
Neben der Staubkonzentration in der Luft wird auch der
Staubniederschlag gemessen, der sich in einem bestimmten Zeitraum auf
einer bestimmten Fläche ablagert. Grenzwertverletzungen traten im
Bereich größerer Industrienlagen auf, unter anderem in Arnoldstein,
Kapfenberg und Leoben. Die Blei- und Cadmium-Grenzwerte im
Staubniederschlag wurden in Arnoldstein und Brixlegg überschritten.
SCHWEFELDIOXID - EINE ERFOLGSSTORY DER SCHADSTOFFREDUKTION
Sehr erfreuliche Nachrichten enthält der jüngste
Immissionsschutzbericht beim Thema SO2. In den Jahren 2000 bis 2002
wurden keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt, die
Immissionsbelastung hat seit Mitte der neunziger Jahre deutlich
abgenommen. Österreich hat seine SO2-Emissionen seit 1990 um 53 %
reduziert und mit einem Gesamtausstoß von 37.000 t das für 2010
angepeilte EU-Emissionsziel bereits im Jahr 2001 unterschritten. Ein
Erfolg, zu dem Kleinverbraucher (Hausbrand), Industrie und
Energieversorger am stärksten beigetragen haben. Enorme SO2-
Emissionsreduktionen haben auch die Nachbarländer Österreichs
erzielt. Deutschland hat seinen SO2-Ausstoß von mehr als 5.000
Kilotonnen/Jahr vor 1990 auf zuletzt ca. 1.000 Kilotonnen/Jahr
gesenkt. Auch Kroatien, Slowenien, die Slowakei, Tschechien, Ungarn
und Italien haben ihren SO2-Ausstoss erheblich reduziert.
Für die kommenden Jahre rechnen die Experten mit einer weiteren
deutlichen Abnahme der SO2-Belastungen. Sowohl die inländischen SO2-
Emissionen, bei denen Rückgänge bei Hausbrand, Verkehr und
Energieversorgung um bis zu 25 % erwartet werden, als auch die
Belastungen durch Ferntransport gehen zurück, da die benachbarten EU-
Beitrittsländer ihre SO2-Emissionen in Übereinstimmung mit
gemeinschaftlichen Normen weiter reduzieren werden.
STICKSTOFFDIOXID - SCHWIERIGKEITEN DURCH ZUNAHME DES SCHWERVERKEHRS
Während die Messstellen Wien/Hietzinger Kai, Wien/Gaudenzdorf,
Graz/Mitte und Graz/Süd seit 1997/1998 eine kontinuierliche Abnahme
der NO2-Belastung anzeigen, stieg die Stickoxidbelastung in
Salzburg/Rudolfsplatz, Salzburg/Lehen, Hallein/Hagerkreuzung, Wien/
Rinnböckstraße, Wien/Floridsdorf, Linz/ORF-Zentrum und Linz/Urfahr um
10 % bis 15 % an. Auch an der Inntalautobahn nahm die NO2-
Konzentration zuletzt von Jahr zu Jahr zu.
In ihren Analysen weisen die Autoren des Berichts auf die zentrale
Rolle des Verkehrssektors hin. Zwar konnten die Stickoxid-Emissionen
seit 1985 um 14 % reduziert werden, seit den neunziger Jahren wurden
aber kaum noch Fortschritte bei der Emissions-Senkung erzielt. Dies
deshalb, weil dem Reduktionserfolg des PKW-Verkehrs (1990: 69.000 t,
2001: 42.000 t) eine Steigerung des Stickoxid-Ausstoßes beim
Schwerverkehr gegenübersteht, und zwar um 85 % auf 49.000 t seit
1990. Leichte Nutzfahrzeuge steigerten ihre Emissionen gar um 129 %
auf 5.000 t.
Die derzeitigen Grenzwertüberschreitungen an verkehrsnahen
Messstellen werden aber bis 2010 zurückgehen, da es technische
Maßnahmen trotz steigenden Verkehrsaufkommens erlauben werden, die
Stickoxid-Emissionen gegenüber 1990 um 43 % und um 33 % gegenüber
2000 zu senken. Dazu kommen die emissionsmindernden Wirkungen
verkehrslenkender und verkehrsbeschränkender Maßnahmen an den am
meisten belasteten Standorten. An besonders belasteten Orten, etwa am
Hietzinger Kai in Wien, wird allerdings eine Emissionsminderung von
50 % erforderlich sein, um Grenzwertüberschreitungen zu vermeiden,
betonen die Experten.
KOHLENSTOFFMONOXID - KEINE GRENZWERTÜBERSCHREITUNGEN
Die Menge des in Österreich emittierten Kohlenmonoxids sank von 1990
bis 2001 von über 1,2 Mill. t/Jahr um 31 % auf 860.000 t/Jahr. Den
stärksten Rückgang meldete der Verkehr mit strengeren
Abgasbestimmungen. Infolgedessen zeigten fast alle Messstellen in den
letzten Jahren abnehmende CO-Belastungen. Die letzte Überschreitung
des Achtstundenmittelwerts von 10 mg/m3 trat 1997 in Donawitz auf. Da
die CO-Emissionen weiter zurückgehen, sind in Zukunft höchstens in
Ausnahmesituationen Grenzwertüberschreitungen bei Kohlenstoffmonoxid
zu erwarten.
BLEI UND CADMIUM - DIE IMMISSIONEN GEHEN ZURÜCK
Das Verbot von verbleitem Benzin und verbesserte Abluftreinigungen in
der Industrie und bei der Müllverbrennung haben die Blei-Emissionen
seit 1990 stark und zwar von mehr als 200 t/Jahr auf 14 t/Jahr
reduziert. Allein im Verkehr sank der jährliche Bleiausstoß von 1990
auf 1995 von 200 t auf 0,01 t.
In der Nähe einzelner Industriebetriebe kommt es nach wie vor zu
Überschreitungen der Blei- und Cadmiumgrenzwerte im
Staubniederschlag. In den letzten Jahren wurden Emissionsreduktionen
erzielt, mit weiteren Entlastungen rechnen die Autoren des Berichts
durch die Umsetzung des diesbezüglichen Maßnahmenkatalogs 2003. In
Feinstäuben (PM10) wurden keine Grenzwertüberschreitungen
registriert.
BENZOL - DEUTLICH VERBESSERTE SITUATION
Die Benzol-Belastung der Luft verbesserte sich im Laufe der neunziger
Jahre durch den Einsatz von Katalysatoren und Aktivkohlekanistern in
Kraftfahrzeugen. Dazu kam die Senkung des Benzolgehalts in Benzin von
3 % auf 1 % im Jahr 2000. Die Messstation Salzburg/Rudolfsplatz
verzeichnet seit 1995 einen deutlichen und kontinuierlichen Rückgang
von 12 Mikrogramm/m3 auf Werte unter dem Grenzwert von 5
Mikrogramm/m3. Auch alle anderen Messstellen zeigten zuletzt Werte
unter dem Limit. Mit Überschreitungen ist in Zukunft nicht zu
rechnen. Der Rückgang der Zahlen von Fahrzeugen ohne Katalysator und
Aktivkohlekanister wird weitere Emissions- und Immissionsreduktionen
nach sich ziehen, heißt es im Immissionsschutzbericht.
PROBLEME MIT BODENNAHEM OZON
Das Ziel des Immissionsschutzgesetzes Luft, einen Wert von 110
Mikrogramm Ozon (O3) pro Kubikmeter Luft im Achtstundenmittel nicht
zu überschreiten, wurde in den letzten drei Jahren öfter verfehlt als
noch Mitte der neunziger Jahre. An den meisten Messstationen nahm die
Zahl der Überschreitungen zu, wobei eine regionale Häufung im
Nordosten Österreichs auffällt. Der Zielwert wurde zuletzt in den
größeren Städten an bis zu 60 Tagen, im ländlichen Raum
Nordösterreichs an bis zu 80 Tagen und im Mittelgebirge an bis zu 110
Tagen pro Jahr überschritten.
Ozon ist ein sekundärer Luftschadstoff, der unter Einwirkung von
Sonnenlicht aus Vorläufersubstanzen entsteht, zu denen Stickoxide
(NOX), flüchtige organische Verbindungen (VOC), Kohlenmonoxid (CO)
und Methan (CH4) zählen. Für NOX und VOC wurden im Ozongesetz 1992
Reduktionsziele festgesetzt. Obwohl es gelang, die NOX-Emissionen bis
2001 um 14 % und den VOC-Ausstoß um 38 % zu verringern, wurden diese
Ziele (1996 minus 40 %, 2001 minus 60 % und 2006 minus 70 % gegenüber
1985 bei NOX und gegenüber 1988 bei VOC verfehlt.
Positive Effekte auf die Luftqualität und auf die Einhaltung des
Zielwerts für Ozon wird die Umsetzung des
Emissionshöchstmengengesetzes Luft aus dem Jahr 2003 haben, heißt es
im Bericht. Mit diesem Gesetz sollen die Emissionsgrenzen erreicht
werden, die 2001 mit der EU-Richtlinie über nationale
Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe für Österreich
festgelegt wurden. 2010 soll ein NOX-Gesamtausstoß von 103
Kilotonnen/Jahr (Emission 2001: 199 Kilotonnnen) und für VOC von 159
Kilotonnen/Jahr (232 Kilotonnen) nicht überschritten werden.
Prognosen über die Entwicklung der Ozonbelastung sind wegen der sehr
komplexen Entstehung dieses Luftschadstoffes schwierig. Die Reduktion
der Emission der Vorläufersubstanzen schlägt sich nicht proportional
in der Ozonkonzentration nieder, Witterung und Ferntransport von
Schadstoffen spielen bei Ozon eine besonders große Rolle. Generell
rechnen die Experten in den nächsten zehn Jahren mit abnehmenden
Spitzenwerten, aber zunehmender Langzeitbelastung.
(Schluss)
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at
OTS0068 2004-03-04/10:11
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA






