- 27.02.2004, 15:17:02
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Offiziersgesellschaft: Milizkonzept und Wehrpflicht unerlässlich
Österreichische Offiziersgesellschaft erachtet ein umfassendes, langfristiges Milizkonzept und die Beibehaltung der Wehrpflicht als unerlässlich
Wien (OTS) - Angesichts der laufenden Diskussionen in und
außerhalb der Bundesheer-Reformkommission, vor allem aber angesichts
der Erfahrungen selbst großer Armeen weist die Österreichische
Offiziersgesellschaft (ÖOG) vehement auf die Unverzichtbarkeit von
Milizsoldaten und die Notwendigkeit der Wehrpflicht hin!
In der Öffentlichkeit entsteht zunehmend der Eindruck, dass das
zukünftige Bundesheer nur mehr aus wenigen Berufssoldaten bestehen
und ausschließlich im Ausland eingesetzt werden wird. Für
Milizsoldaten blieben dabei nur einige "Restplätze" über.
Die ÖOG ist vom Gegenteil überzeugt, denn ohne entsprechende
Reserve wird jedes zukünftige Bundesheer in kürzester Zeit
überfordert sein. Selbst bei den US-Streitkräften steht die
Notwendigkeit von Reservisten außer Zweifel. Laut Generalleutnant
Hamley, dem ranghöchsten US-Reserveoffizier, macht "erst die Reserve
die Armee zu einem Ganzen". So erfolgte nach dem 11. September 2001
die umfangreichste Mobilmachung seit dem Korea-Krieg. Staaten, die in
den letzten Jahren auf ein Berufsheer umgestellt haben, stöhnen
bereits unter der Überbelastung ihrer Soldaten und unternehmen teils
fragwürdige Versuche, um die dringend benötigte Anzahl zusammen zu
bringen. Denn Aufgaben zu Hause sowie bei der internationalen
Friedenssicherung erfordern nicht nur Qualität, sondern auch
Quantität.
Das Einsatzspektrum des Bundesheeres der Zukunft wird nicht immer
nur den "hochtechnologisierten Militärprofi auf Knopfdruck"
verlangen". Außerdem: Auch Milizsoldaten sind "Profis"! Neben ihren
militärischen Fertigkeiten verfügen sie nämlich zudem über Kenntnisse
aus ihrem Zivilberuf. Diese können etwa bei einem
Katastropheneinsatz, bei der Friedenssicherung oder beim Wiederaufbau
in einem durch Krieg verwüsteten Land unendlich wertvoll und
hilfreich sein (Stichwort Civil Military Cooperation). Gut motivierte
und bestens trainierte Reservisten könnten auch einen exzellenten
Personalpool "a la carte" bilden, in dem ausgewiesene Experten für
Spezialeinsätze verfügbar sind.
Die Herausforderung besteht daher darin, maßgeschneiderte Konzepte
und taugliche rechtliche Rahmenbedingungen für die Miliz von morgen
zu schaffen. Dazu gehören auch entsprechende soziale Absicherungen
und Anreize, denn für ein "Vergelt’s Gott" wird keiner Job, Familie
und Leben riskieren.
Die ÖOG ersucht daher die Angehörigen des Österreich-Konvents und
die Mitglieder der Bundesheer-Reformkommission nachdrücklich,
zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für eine zukunftstaugliche
Miliz zu schaffen. Die negativen Erfahrungen anderer Armeen bei der
Umstellung auf ein Berufsheer und die noch keinesfalls in vollem
Umfang absehbaren Aufgaben erfordern außerdem, bis auf Weiteres an
der Wehrpflicht fest zu halten.
OTS0234 2004-02-27/15:17
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