"Können keine rauchenden Schlote ansiedeln" - DER STANDARD-Interview mit dem Salzburger VP-Kandidaten Wilfried Haslauer

Von Thomas Neuhold - Ausgabe vom 20.2.2004

Wien (OTS) - Die Nominierung von Wilfried Haslauer zum zweiten Spitzenkandidaten bei den Salzburger Landtagswahlen gilt als Signal an den VP-Wirtschaftsflügel. Haslauers inhaltliche Positionierung blieb vage. Thomas Neuhold sprach mit ihm über Hochleistungsbahn, Müllverbrennung und Olympiabewerbung.

Standard: Herr Haslauer, wie fühlt man sich als Neospitzenpolitiker? Wie kommen Sie mit der vielen Öffentlichkeit zurecht?

Haslauer: Sehr gut. Die zeitliche Beanspruchung ist in der politischen Tätigkeit etwas heftiger. Es ist eine Umstellung, dass man an Privatheit verliert. Dass man sein eigenes Gesicht nicht nur beim Rasieren sondern auch auf Plakaten sieht, ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig.

Standard: Sie gelten als Vertreter des VP-Wirtschaftsflügels. In ihrem wirtschaftspolitischen Programm sprechen Sie von der "Rückeroberung der wirtschaftlichen Dynamik". "Rückeroberung" impliziert, die Dynamik ist verloren gegangen. Warum hat Salzburg wirtschaftlich abgebaut?

Haslauer: Wir haben im wirtschaftspolitischen Umfeld große Umwälzungen: Salzburg ist im Zuge des EU-Beitrittes und der Osterweiterung vom Einfallstor Österreichs in einen Raum zwischen München, Wien und Mailand gelangt, der sich neu definieren muss. Aber wir haben sehr gute Beschäftigungswerte: Salzburg ist an zweiter Stelle in Österreich. Nach anderer Zählweise - die in Umschulungsprogrammen versteckte Arbeitslosigkeit herausgenommen -sind wir sogar Nummer eins. Salzburg hat allerdings bei den Zuwachsraten keine Spitzenposition mehr.

Standard: Gibt es hausgemachte Fehler?

Haslauer: Ich sehe keine Fehler. Indirekt werde ich da durch den Wahlkampf der politischen Mitbewerber bestätigt. Hier werden ausschließlich bundespolitische und keine landespolitischen Themen gespielt. Aber wir haben in Salzburg ein Klima latenter Unzufriedenheit, ein Jammern auf hohem Niveau. Es ist Aufgabe der Politik, für ein wirtschaftspolitisches Klima zu sorgen, das von der Jammerstimmung weggeht.

Standard: Ihr wirtschaftspolitisches Credo lautet "Bestandspflege für den Mittelstand". Da klingt als Signal durch, dass Neuansiedlungen nicht unbedingt erwünscht sind. Im Gegensatz dazu die Sozialdemokraten: Gabi Burgstaller formuliert, jeder Betrieb, der Arbeitsplätze bringe, sei willkommen.

Haslauer: Diese Schlussfolgerung ist unrichtig. Natürlich ist fast jeder neue Betrieb willkommen. Der Betrieb muss zum Land, zu seiner Struktur, zu unserem behutsamen Umgang mit der Natur passen. Wir können keine rauchenden Schlote ansiedeln. Wenn es uns gelingt, bestehende Betriebe zu unterstützen und ihnen Hindernisse aus dem Weg räumen, sodass Zusatzinvestitionen nicht in Tschechien oder der Slowakei, sondern hier getätigt werden, dann folgen fast automatisch neue Betriebsansiedlungen.

Standard: Die ÖVP hat in der Vergangenheit gegen Ikea und die Erweiterung des Europark massiv Front gemacht. Passen Ikea und Europark/Spar nicht zu Salzburg?

Haslauer: Von Verhinderung ist keine Rede, es existieren ja beide Betriebe. Es geht um die richtigen Strukturen im Wirtschaftsgefüge. Einkaufszentren und Großmärkte sind der Zug der Zeit, es wäre nicht realistisch, dies nicht wahrnehmen zu wollen. Aber es dürfen durch solche Zentren nicht die kleinen Betriebe zugrunde gehen und die Ortszentren veröden. Dazu kommt, dass in den großen Ketten sehr darauf zu achten ist, welche Qualität haben die Arbeitsplätze und wie sicher sind sie.

Standard: Sie haben sich klar für eine Müllverbrennung in Salzburg ausgesprochen. Sie haben nicht dazugesagt, wo Sie sich konkret eine Müllverbrennung vorstellen können.

Haslauer: Das Thema Müllverbrennung ist derzeit ein Schuss in den blauen Himmel, man weiß nicht, wo jener letztlich landet. Zuerst bedarf es einer Analyse: Wie viel Müll, welche Prognosen, rechnet sich das, gefährden wir Anrainer und bestehende Betriebe? Da muss man Pro und Kontra abwägen. Aber von vornherein zu sagen, Müllverbrennung gibt es nicht, weil das ein hässliches Wort ist, halte ich für unseriös.

Standard: Ein anderes strittiges Thema ist die Anbindung Salzburgs an das europäische Eisenbahn-Hochleistungsnetz. Wie wollen Sie das durchsetzen? In den vergangenen Jahren ist die Politik - Ihre Partei eingeschlossen - gegenüber Anrainerprotesten mehrfach in die Knie gegangen.

Haslauer: Man muss Verständnis haben, dass Menschen, die viel Arbeit, Zeit und Geld in die Errichtung ihrer Wohnstätte investiert haben, ihre Lebensqualität nicht verschlechtert haben wollen. Auf der anderen Seite steht dem ein übergeordnetes Interesse gegenüber. Wie die Verhandlungen bezüglich der zweiten Tunnelröhre gezeigt haben, kann man beide Interessen unter einen Hut bringen. Zweite Röhre ja, aber entsprechende Lärmschutzmaßnahmen. Ähnlich wird es auch bei der Hochleistungsstrecke gehen müssen.

Standard: Sie fordern, Salzburg soll sich für die Austragung der olympischen Winterspiele 2014 oder 2018 bewerben. Die eigentliche Kernkompetenz Salzburgs ist die Kultur. Wie ist es zum Paradigmenwechsel von der Kultur- zur Sporthauptstadt gekommen?

Haslauer: Kein Paradigmenwechsel, sondern eine Ergänzung! Im Wettstreit der Regionen geht es darum, Schwerpunkte zu setzen. Einer unserer Schwerpunkte ist Kunst und Kultur, ein anderer ist der Tourismus. Salzburg hat im Tourismus eine gigantische Konkurrenz, die uns auch in preislicher Sicht Schwierigkeiten bereitet. Eine der erklärten Gästeschichten sind die aktiven Senioren. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zur Pensionopolis-Region Europas werden. Das Land hat alle Voraussetzungen, sich auch als Sport- und Erlebnisland zu präsentieren und die Jugend herzuziehen. Dazu dient sicher die Olympiade.

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