Urteile im Kaprun-Prozess: Alle Anschuldigungen gegen die Gletscherbahnen Kaprun AG und ihre Mitarbeiter vom Gericht widerlegt

Gutachter haben durch ihre hervorragende Arbeit Unfallursache geklärt. Auch nach dem Prozess bleibt Betroffenheit über das Unglück.

Kaprun (OTS) - "Am heutigen Tag hat der Rechtsstaat gewonnen" so Harald Schiffl, Pressesprecher der Gletscherbahnen Kaprun AG, in einer ersten Reaktion auf die Urteile im Kaprun-Prozess. Mehr als drei Jahre nach dem Brandunglück der Gletscherbahn auf das Kitzsteinhorn sind heute in Salzburg die drei beschuldigten Mitarbeiter der Gletscherbahnen Kaprun AG sowie die anderen 13 Beschuldigten in allen Anklagepunkten freigesprochen worden.

Mitarbeit an der Aufklärung der Unfallursache

Seit dem Unfallstag, dem 11. November 2000, hat sich das Unternehmen bemüht, alles zu tun, um an der Aufklärung der Unfallursache mit zu helfen und den Behörden und dem Gericht alle vorhandenen Informationen zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig hat die Gletscherbahnen Kaprun AG von Anfang an festgehalten, dass sie überzeugt ist, dass das Unternehmen keine Schuld am tragischen Unglück trägt. "Das Gericht hat nun eindeutig alle Anschuldigungen, die in den letzten drei Jahren gegen unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter erhoben wurden, widerlegt", so Schiffl.

Mitgefühl mit Hinterbliebenen und rasche Hilfe

"Die Betroffenheit über das Unglück und das Mitgefühl mit den Hinterbliebenen wird uns weiterhin begleiten", so Schiffl, der betont, dass für die Gletscherbahnen neben der Mitwirkung an der Ursachenforschung die rasche Soforthilfe für die Hinterbliebenen von großer Wichtigkeit und Bedeutung war. "Wir wissen, dass mit Geld das Leben eines Menschen nicht aufgewogen werden kann", so Schiffl, "deshalb ist es für uns selbstverständlich gewesen, neben finanziellen Hilfen und der durch das Eisenbahn- und Kraftfahrzeug-Haftpflichtgesetz (EKHG) festgelegten verschuldensunabhängigen Haftung den Angehörigen auch durch ein professionelles Betreuungsprogramm Unterstützung anzubieten."

Wenige Wochen nach dem Unfall hat die Gletscherbahn gemeinsam mit der Generali-Versicherung erste Überbrückungsgelder und Soforthilfen bereitgestellt.

Nach Bekanntgabe der angeblichen Unfallursache, im September 2001, hat das Unternehmen gemeinsam mit der Generali-Versicherung die verschuldensun-abhängige Haftung nach EKHG anerkannt und die Hinterbliebenen ersucht, alle gerechtfertigten Ansprüche anzumelden. Bei einer Versicherungssumme von Euro 23,2 Mio wurden bislang über Euro 5 Mio an Schadenersatzansprüchen und Unterhaltszahlungen von der Generali-Versicherung ausbezahlt, wobei sich diese Summe ständig erhöht, insbesondere durch laufende Unterhaltszahlungen. Erstmals in Österreich wurde allen nahen Verwandten der Opfer ein freiwilliges Schmerzengeld in Höhe von jeweils Euro 7.267,-- angeboten und auch von einer großen Zahl von Hinterbliebenen in Anspruch genommen.

Erkenntnisse aus den Gutachten sind Auftrag für die Zukunft

Im Rahmen des Prozesses haben die Gutachter unter anderem festgestellt, dass derzeit generell übliche und vorgeschriebene Prüfmethoden zur Brandsicherheit im Allgemeinen nicht ausreichend und im Grunde ungeeignet sind. Dies, so stellten die Sachverständigen weiters fest, könne aber im konkreten Fall nicht dem Seilbahnunternehmen angelastet werden und sei eine Erkenntnis, die im Laufe des Prozesses und - bei allem Bedauern - auch erst nach dem Brandunfall von Kaprun getroffen werden kann. Weiters wiesen die Gutachter darauf hin, dass Prüfzeichen, die Aussagen über die Sicherheit von elektrischen Geräten wie etwa Heizlüftern machen, Benutzer täuschen können und es dadurch dazu kam, dass durch die Herstellerfirma ein nicht eigensicherer Heizlüfter in die Gletscherbahn eingebaut werden konnte, der einen verhängnisvollen Produktionsfehler aufwies, der für die Mitarbeiter der Gletscherbahnen nicht erkennbar war. Mit großer Betroffenheit musste etwa auch die Entdeckung des Sachverständigen DI Prader zur Kenntnis genommen werden, dass die zum damaligen Zeitpunkt in nahezu allen Seilbahnanlagen verlegten, sogenannten "Gummiwabenmatten", die über alle erforderlichen Zertifikate verfügten, entgegen diesen Zertifikaten tatsächlich nicht schwer brennbar und sogar stark qualmend waren; die Erkenntnis des Gutachters hat unter anderem dazu geführt, dass allein in der gesamten österreichischen Seilbahnbranche rund 500.000m2 derartiger Matten ausgetauscht wurden.

"Wir sind der Meinung", betont Schiffl, "dass diese von den Gerichtssachverständigen in akribischer Kleinarbeit zutage geförderten Mängel im Prüfwesen nicht einfach so hingenommen werden können." Deshalb werden die Gletscherbahnen Kaprun AG gemeinsam mit Fachleuten und Behörden Überlegungen anstellen, wie sich diese Erkenntnisse aus den Gutachten in Hinkunft insgesamt umsetzen lassen. "Es trifft uns keine Schuld am Unfall vom 11.November 2000, das hat das Gericht heute festgestellt", so Schiffl, "doch ist es für uns selbstverständlich ein Anliegen, unseren Beitrag zur Weiterentwicklung von Sicherheitsstandards zu leisten."

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Harald Schiffl
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