Von Karwin bis Kiesbauer: Die Geschichte der ORF-Opernballübertragungen

Wien (OTS) - "Eineinhalb Stunden musste ich auf Grund von umfangreichen Damenwahlen auf dem Parkett verbringen. Dann bin ich, wie man so sagt, aufs Häusl geflüchtet. Seither tanze ich auf dem Opernball prinzipiell nicht mehr." Legendär das Interview, das der damalige Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky dem ORF-Reporter Heinz Fischer-Karwin bei der Übertragung des Opernballs anno 1972 gab. Es war einer der Höhepunkte in der Geschichte der Opernballübertragungen des ORF. Eine Geschichte, an der TV-Legenden ebenso beteiligt waren wie Kurzzeitgrößen, eine Geschichte, die geprägt ist von so manchen Flops wie auch von manchen Highlights.

Der Opernball fand im österreichischen Fernsehen seinen medialen Niederschlag ab dem Jahr 1956, als es nach 17-jähriger Pause, ein Jahr nach der Staatsvertragsunterzeichnung, erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder hieß: "Alles Walzer." Das damalige Fernsehen - noch im "Versuchsstadium" - war von Anfang an dabei, freilich noch mit nachträglichen Filmberichten in Schwarz-Weiß.

Aber bereits im Jahr 1960 gab es einen ersten Versuch, das Geschehen vom Opernball live zu übertragen. In den folgenden 13 Jahren wurde davon wieder Abstand genommen, 1973 gab es wieder eine Live-Übertragung. Aber erst seit 1980 gibt es diese als alljährliche Institution. Gerhard Vogl, Opernball-Veteran und nunmehr umtriebiger ORF-Pensionär: "Das Problem der frühen Tage war weniger die damals noch schwerfällige Technik - wir drehten ja zum Großteil noch auf Film -, sondern dass man nie wusste, wer tatsächlich in welcher Loge saß. In der Loge von Curd Jürgens z. B. saß irgendwer, nur nicht der Weltstar. Man musste also ständig improvisieren, was zu manch kuriosen Situationen führte."

1972 meldeten sich erstmals Rundfunklegende Heinz Fischer-Karwin ("Aus Burg und Oper") und Jazzpapst Walter Richard Langer ("Vokal, instrumental, international") vom Opernball, im folgenden Jahr kommentierte dieses Duo erstmals live. Bis 1980 gab es dann nur nachträgliche Zusammenfassungen, meist präsentiert von Gerhard Vogl.

Erst ab dem Jahr 1980 wird die Liste der Opernball-Berichterstatter des ORF lang und immer länger:
1980 berichteten Horst Friedrich Mayer, Robert Hochner, Ursula Stenzel und Hans-Paul Strobl
1981 HF Mayer, Eva Maria Klinger, Robert Hochner, Gerhard Vogl und Erwin Fischer
1982 Gertrude Aubauer, Gerhard Vogl, Erwin Fischer, Walter Seledec 1983 Erwin Fischer und Gerhard Vogl
1984 HF Mayer, Ursula Stenzel, Erwin Fischer und Gerhard Vogl
1985 HF Mayer, Erwin Fischer, Gerhard Vogl, Nora Frey, Reinhold Henke, Herbert Dobrovolny, Walter Seledec und erstmals Vera Russwurm für 3sat
1986 Nora Frey, Ricarda Reinisch, Ernst Grissemann, Erwin Fischer, Gerhard Vogl und Reinhold Henke
1987 HF Mayer, Nora Frey, Alfred Stamm, Gertrude Aubauer, Wolfgang Pav, Herbert Dobrovolny und Robert Reumann
1988 Herbert Dobrovolny, Erwin Fischer und Nora Frey
1989 und 1990 Erwin Fischer und Herbert Dobrovolny
1991 wurde der Opernball wegen des Golfkriegs abgesagt
1992 und 1993 Erwin Fischer und Herbert Dobrovolny
1994 Max Schautzer, Eva Twaroch, Dieter Chmelar und Catherina Braunsteiner
1995 bis 1998 HF Mayer, Barbara Stöckl und Alfons Haider
1999 Günther Ziesel, Ingrid Thurnher und Alfons Haider
2000 Ingrid Thurnher, Barbara Rett, Dieter Chmelar und Karl Hohenlohe 2001 Ingrid Thurnher, Dieter Chmelar, Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe
2002 Ingrid Thurnher, Alfons Haider, Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe

Mittlerweile zählt die Live-Übertragung des Wiener Opernballs zu den "unverzichtbaren Programmbestandteilen des ORF wie etwa das Neujahrskonzert" (Programmdirektor Dr. Reinhard Scolik). Mehr als zwei Millionen Zuschauer waren im vergangenen Jahr dabei, als das neue Team Arabella Kiesbauer, Alfons Haider, Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz das Geschehen in der Wiener Staatsoper live kommentierte. Heuer berichtet dieses Team am Donnerstag, dem 19. Februar, erstmals viereinhalb Stunden lang - von 20.15 bis 0.30 Uhr. Damit kommt auch noch die Mitternachtsquadrille live in Millionen Haushalte.

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