Ungenützte Chance für tierversuchsfreie Ausbildung

Wien (OTS) - Der "Internationale Bund der Tierversuchsgegner"
(IBT) fordert die Abschaffung aller Tierversuche in der Aus- und Fortbildung, weil es inzwischen zahlreiche Ersatzmethoden gibt. "Die Lehrfreiheit wird dadurch nicht gefährdet, weil nicht die Lehrinhalte, sondern nur die Methodik der Vermittlung eingeschränkt wird", erklärt Gerda Matias, Präsidentin des IBTs und Initiatorin des Tierschutz-Volksbegehrens.

Seit vier Jahren wird auch Anzahl und Art der verwendeten lebenden Wirbeltiere für die allgemeine und berufliche Ausbildung in der offiziellen Tierversuchsstatistik ausgewiesen. Im Vorjahr wurden 539 Tiere für Versuche zu Lehrzwecken verwendet - das sind um 35% mehr als im Jahr 2001. Genauere Angaben sind der offiziellen Statistik aber nicht zu entnehmen.

Sicher ist nur, dass diese Zahl nicht dem tatsächlichen Verbrauch von Tieren für Ausbildungszwecke entspricht. Schließlich gilt nach dem Tierversuchsgesetz nicht jeder in einem Tierversuchslabor durchgeführte Eingriff an einem Tier auch als Tierversuch, weshalb viele nicht in der offiziellen Statistik aufscheinen.

Nach dem Gesetz handelt es sich nur dann um einen Tierversuch, wenn

1. der Versuch an einem Wirbeltier durchgeführt wird. Versuche an Wirbellosen gelten daher nicht als Tierversuche!

2. der Versuch mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden ist. Alle Eingriffe, die nach der Ansicht des Experimentators für das Tier nicht belastend sind, gelten daher nicht als Tierversuche!

3.der Versuch am lebenden Tier durchgeführt wird. Versuche an Tieren, die vorher eigens dafür getötet wurden, gelten daher nicht als Tierversuche!

Nach wie vor werden in der allgemeinen, universitären und beruflichen Ausbildung Tierversuche zu Übungs-, Versuchs- und Demonstrationszwecken in den Bereichen der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, der Biologie, Pharmazie, Biochemie, Genetik, Molekularbiologie, Ernährungswissenschaft, Chemie, Physik, Landwirtschaft und Psychologie gemacht. Selbst im Rahmen der Studien der Forst- und Holzwirtschaft, der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft sowie der Landschaftsplanung und Landschaftspflege wurden Untersuchungen an eigens getöteten Fischen durchgeführt.

Ein typischer Versuch beim Studium der Human-, Zahn-, Tiermedizin und Biologie ist "Galvanis Froschversuch", bei dem alt bekannte physiologische Vorgänge am lebenden Frosch demonstriert werden: Seine Nerven, Muskeln und sein Herz werden freigelegt und elektrisch gereizt. Der/die Experimentierende sieht dabei, dass der Muskel umso mehr zuckt, je größer die Reizstärke ist.

Die lebenden Tiere werden bei diesen Versuchen nur schwach narkotisiert, wie der Anleitung aus einem Fachbuch zu diesem Versuch zu entnehmen ist: "Falls der leicht narkotisierte Frosch aus der Narkose erwachen sollte, kann man ihn dekapitieren (= enthaupten, wobei der Kopf mit einer Schere abgeschnitten wird, ohne Narkose, da diese die Organe lähmen würde), das Rückenmark ausbohren und den Wirbelkanal zur Vermeidung von Blutung mit einem angespitzten Streichholz verstopfen...".

Im Biologiepraktikum (das auch Mediziner absolvieren müssen) werden diverse Tiere - Insekten, Fische, Ratten - seziert und präpariert.

Bei tierphysiologischen Übungen werden Versuche an lebendigen Tieren durchgeführt und z.B. folgendermaßen angekündigt: "Analyse von Blut- und Körperflüssigkeiten. Vergleich der Blutzusammensetzung bei verschiedenen Tierarten. Krebse, Miesmuscheln und Schnecken werden aufgeschnitten und bluten dann aus. Ein Fisch oder ein Frosch und eine Maus werden getötet, um ihr Herz zu öffnen und daraus mit einer Pipette Blut zu entnehmen."

Zu all diesen Übungen stehen inzwischen zahlreiche Ersatzmethoden zur Verfügung: Computersimulationen, die meist interaktiv gestaltet sind und etwa die Organfunktion simulieren. Plastikmodelle von Tieren und Organen. Eigens entwickelte Modelle, z.B. das von Wolfgang Künzel von der Veterinärmedizinischen Universität Wien entwickelte Übungsphantom für die rektale Untersuchung des Pferdes oder ein von der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie entwickeltes vollsynthetisches Trainingsmodell für die Koronarchirurgie. Schmerzlose Selbstversuche, z.B. eigene Blutabnahme oder mit dem Myographen zur Muskelelektrik und -mechanik etwa.
Die Verwendung von Tieren, die eines natürliches Todes oder durch Unfälle gestorben sind oder wegen unheilbarer Krankheiten in Tierarztpraxen eingeschläfert wurden, und das Üben an Tierpatienten (EKG, Reflexe, Venenpunktionen etwa).

"Mit unserer Forderung nach einem Verbot von Tierversuchen für die Ausbildung reklamieren wir nur den Vollzug des Tierversuchsgesetzes, in dessen § 3 (2) ausdrücklich festgehalten wird, dass Tierversuche ausschließlich dann durchgeführt werden dürfen, wenn "die angestrebten Versuchsziele nicht durch andere Methoden und Verfahren bzw. in den Fällen der beruflichen Ausbildung durch sonstige Lehrbehelfe, insbesondere durch Film und andere audiovisuelle Mittel, erreicht werden können", so Gerda Matias abschließend.

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Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
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rathmanner@tierversuchsgegner.at
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