Die "Kobra" hat übernommen: Wüstenrot will Bildungssparen - DER STANDARD-Gespräch mit Susanne Riess-Passer

Mit der Wüstenrot-Chefin sprach Claudia Ruff - Ausgabe vom 21.1.2004

Wien (OTS) - Susanne Riess-Passer spricht wieder mit der
Regierung. Als neue Wüstenrot-Chefin macht sie sich für eine Weiterentwicklung der Bauspar-Idee stark: das Bildungssparen für Jung und Alt.

Wien - Die seit 1. Jänner offiziell amtierende Wüstenrot- Chefin Susanne Riess-Passer sagt den Konkurrenten den Kampf an: "Wir werden an Marktanteile gewinnen und wieder an Raiffeisen und die S-Bausparkasse anschließen", kündigte Riess-Passer im Standard-Gespräch an. Zu schaffen macht Wüstenrot vor allem die Überliquidität: Denn den 3,8 Mrd. Euro Sparein^lagen stehen nur drei Mrd. Darlehen gegenüber. Der Marktanteil bei der Finanzierung sackte im Vorjahr von ^zuletzt 19 auf 15 Prozent. Die gesamte Finanzierungsleistung ging gar von 405 Mio. Euro auf 304 Mio. Euro zurück.

Riess-Passer Ziel ist es, Wüstenrot bei der Finanzierung wieder stärker zu positionieren, von der Werbelinie bis zum Vertrieb. "Wir haben Finanzierungsprofis ausgebildet, Experten, die sich nur mit der Finanzierung beschäftigen und den Kunden Alternativmodelle rechnen, also ein Allround-Service bieten." Forcieren will Wüstenrot auch wieder den großvolumige Wohnbau, "da waren wir in den letzten Jahren nicht sehr präsent". Bis zum Sommer sollte auch die Fusion mit der zur Bawag/ PSK-Gruppe gehörenden Bausparkasse LBA abgeschlossen sein, wodurch Wüstenrot einen zusätzlichen Vertriebsweg bekommt.

An eine Änderung oder gar Kürzung der Bausparförderung glaubt die ehemalige Vizekanzlerin nicht, vielmehr könnte die Bauspar-Idee in Richtung "Bildungssparen", wie es auch in der Regierungserklärung enthalten ist, erweitert werden. "Ich kann mir vorstellen, im Bereich des Bildungssparens etwas zu machen, weil sich die Arbeitsverhältnisse verändert haben und Weiterbildung ein ganz starkes Thema ist." So könnte für die Ausbildungskosten der Kinder vorgesorgt werden. Dasselbe gelte für die Weiterbildung von Erwachsenen, zumal die Firmen heute nicht mehr automatisch die Aus-und Weiterbildungskosten bezahlen. Mit Vertretern der Regierung habe sie über das Bildungssparen bereits gesprochen.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag im Vorjahr bei 15 Mio. Euro, ähnlich wie 2002. Ein Wermutstropfen war der Wertberichtigungsbedarf von 50 Mio. Euro für die zwei Mio. HypoVereinsbank-Aktien im Jahr 2002. Als heiße Kartoffel will Riess-Passer die HVB-Aktien nicht bezeichnen. Das sei zwar nicht erfreulich, "aber es spricht auch für Wüstenrot, dass uns die Wertberichtigung nicht im Kern belastet". "Viel wichtiger" sei ihr "die Partnerschaft mit der BA-CA", die im Vorjahr 37.000 der insgesamt 207.000 Wüstenrot-Verträge verkaufte. Riess-Passer wurde Anfang 2003 von ihrem Vorgänger, dem ehemaligen Salzburger SP-Chef Wolfgang Radlegger, zu Wüstenrot geholt. Ob ihr die Steuerreform ihres Exparteikollegen Karl-Heinz Grasser etwas bringt? Riess-Passer: "Keine Frage, sie wird uns etwas bringen." Wie viel, steht noch nicht fest.

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