- 16.01.2004, 09:45:06
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Bauwirtschaft optimistisch aber nicht euphorisch!
Spitzenvertreter tagten bei der Baustudienwoche in Zürs
Wien (PWK020) - Für die Entwicklung der Bauproduktion im Jahr 2004
ist das Bauhauptgewerbe (Baugewerbe und Bauindustrie) grundsätzlich
optimistisch. So der Tenor von Bundesinnungsmeister Johannes Lahofer
und des Obmannes des Fachverbandes der Bauindustrie Hans Peter
Haselsteiner anlässlich des Abschlusses der Podiumsdiskussion bei der
Baustudienwoche in Zürs. Die euphorischen Meldungen über einen
"Bauboom" auf Basis der statistischen Werte für die erste
Jahreshälfte 2003 wurden relativiert. Aufgrund der günstigen
Witterungsverhältnisse konnte die Bausaison nämlich bereits früher
als in den Vorjahren beginnen. Somit ergaben die ersten sechs Monate
des Steigerungsraten von fast 10% für den Hoch- und Tiefbau.
Dennoch signalisieren diese Daten einen weiteren Anstieg des bereits
2002 begonnenen Aufschwunges. Über das gesamte Jahr 2003 wird ein
nominelles Plus von 4% erwartet, was laut WIFO einem realen Zuwachs
von ca. 1,4% für das gesamte Bauwesen entspricht. Für 2004 wird von
den Wirtschaftsforschern ein Wachstum von rund. 1,8% erwartet. Die
FGW nimmt für 2005 sogar einen Wachstumsbereich von 2,5% an.
Der Bauproduktionswert des Bauhauptgewerbes wird sich nach den
aktuellen Prognosen 2004 um die 10 Mrd. EURO bewegen, das Bauhilfs-
und Baunebengewerbes dürfte bei 7,3 Mrd. EURO liegen
Der Hauptanteil des Aufschwunges wird durch den Tiefbau getragen,
besonders durch den Verkehrs- und Wegebau. Für 2003 wird ein reales
Wachstum von 5% erwartet.
Der Hochbau ist 2003 nur geringfügig gewachsen. 2004 sollte eine
Steigerung von etwa 1,3% möglich sein. Insgesamt wird für das
kommende Jahr ein Produktionswert von 6 Mrd. EURO erwartet.
Der öffentliche Hochbau konnte nach den starken Einbußen der
Vorjahre, bedingt durch die Budgetkonsolidierung, heuer wieder
positiv abschließen. Nach dem eingebremsten Rückgang von 2002 konnte
2003 im Wohnungs- und Siedlungsbau ein schwaches Plus von knapp unter
1% verzeichnet werden. Die erstmals seit 1995 wieder gestiegenen
Bewilligungszahlen sowie die stärkere Nachfrage nach Wohnungen in den
Städten, lassen eine positive zumindest aber stabile Entwicklung für
die nächsten Jahre erwarten.
Einen deutlichen Impuls könnte dabei auch die Einführung eines
reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Baudienstleistungen liefern.
Diese Regelung hat sich in 9 EU-Staaten bewährt, sodass auch auf
europäischer Ebene die Fortsetzung dieses Projektes von der
EU-Kommission empfohlen wurde.
Bundesinnungsmeister Lahofer betonte, dass der Wohnbau ein
Hauptstandbein des Baugewerbes ist und somit im Bereich der
Wohnbauförderung am bauwirksamen Fördervolumen keinerlei Kürzungen
erfolgen dürfen. Besorgniserregend ist, dass im Bereich der Sanierung
und Modernisierung ein Rückgang von mehr als einem Prozent zu
verzeichnen war. Hier gilt es, im Zuge der Umsetzung der
Gebäuderichtlinie Anreize zu schaffen, um unter dem Kriterium der
Nachhaltigkeit die notwendigen baulichen Sanierungen und
Assanierungen vorzunehmen, nicht zuletzt zur Realisierung der
Kyoto-Ziele.
Unter Druck befinden sich weiterhin die Erträge. Die Betriebe haben
damit zu kämpfen, dass die Baupreise nicht mit den steigenden Kosten
Schritt halten konnten.
Bei der Zahl der Insolvenzen befindet sich die Bauwirtschaft zwar mit
rund 1000 im verganenen Jahr nach wie vor im Spitzenfeld, die
Insolvenzsumme ist jedoch laut KSV um
mehr als ein Drittel zurückgegangen. Als sehr positives Signal für
den Wirtschaftsstandort Österreich wird die KöSt.-Senkung gesehen.
Die Zahl der Arbeitslosen im Hoch- und Tiefbau ist im Dezember 2003
auf über 48.000 um 1,6% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, im
Jahresschnitt aber um 2,3% gesunken. In diesem Zusammenhang gilt es,
Maßnahmen zur Vermeidung des "Abgabenbetruges" durch die Gründung von
Scheinfirmen zu treffen. Dazu ist eine bessere Vernetzung von
Sozialversicherung, Gewerbebehörde sowie der Bauarbeiter- Urlaubs-
und Abfertigungskasse notwendig. In die Überlegungen einbezogen
werden sollte auch eine raschere SV-Anmeldung durch moderne
elektronische Medien und Kommunikationsmittel. Die sgn. KIAB, wird
personell auf 185 Kontrollore aufgestockt.
Diese sollte künftig auch zur Kontrolle von Pfuscherbaustellen
eingesetzt werden.
Die Erlassung von Ausübungs- und Standesregeln für Bauunternehmen ist
beim Wirtschaftsminister schon seit längerer Zeit in Prüfung. Bei
allfälligen legistischen Änderungen ist mit Augenmaß vorzugehen, um
nicht wegen schwarzer Schafe die Belastungen und Bürokratie für die
übrigen Firmen unverhältnismäßig zu erhöhen.
Kopfzerbrechen bereitet dem Bauhauptgewerbe auch der deutliche
Rückgang bei den Lehrlingen. So ist in den letzten drei Jahren, die
Zahl um ein Drittel, auf 3.300 zurückgegangen.
Aus diesem Grund wurde die Ausbildungsumlage höher dotiert, aus deren
Aufkommen 2004 eine große Lehrlingskampagne finanziert werden soll.
Ein Maßnahmenmix soll die Zahl der Maurer, Schalungsbauer und
Tiefbauer wieder deutlich steigern. Ab der zweiten Jahreshälfte 2004
wird an Baugewerbebetriebe, ab 2005 auch an Bauindustriebetriebe, die
Lehrlinge ausbilden, jährlich eine Prämie in der Größenordnung von
1.500 EURO refundiert. Um die Aktion auch voll zur Wirkung zu
bringen, fordern die Bauverbände, die Steuerfreiheit dieser Prämie.
Dieses Projekt wird von Baugewerbe und Bauindustrie, die vor einem
halben Jahr ihre Organisationen in der Geschäftsstelle Bau
zusammengelegt haben, gemeinsam durchgeführt. Vorrangige Anliegen für
die Bauwirtschaft sind auch die Verkürzung und die Vereinfachung der
Bewilligungsverfahren, Beseitigung von Bürokratie, Vereinheitlichung
der Bauordnungen sowie die Forcierung von Private Public Partnership
Modellen, insbesondere im Bereich der Infrastruktur und in den
Versorgungsbereichen (Medizin, Wasser, Entsorgung,…).
Die Spitzen der beiden größten Bauverbände sind sich einig, dass
durch eine engere Kooperation der beiden Verbände eine erhöhte
Durchschlagkraft und eine Stärkung der Bauwirtschaft möglich ist.
Gemeinsam soll der Stellenwert der Bauwirtschaft als Schlüsselbranche
betont und das Image des Baues in ein gebührend positives Licht
gerückt werden. (us)
OTS0036 2004-01-16/09:45
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