- 14.01.2004, 17:00:52
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DER STANDARD-Bericht "Parmalat-Skandal löst Zwist im Raiffeisen-Reich aus" von Renate Graber
Ausgabe vom 15.1.2004
Wien (OTS) - Parmalat-Skandal löst Zwist im Raiffeisen-Reich aus
Die Pleite des Nöm-Partners Parmalat hat einen Familienstreit zur
Folge: Raiffeisen Wien will keine österreichische Milchlösung,
RLB-OÖ-Chef Ludwig Scharinger ist dafür.
Renate Graber
Wien - Die Pleite von Parmalat hat erste gravierende Auswirkungen in
Österreich. Die heimische Milchwirtschaft, die von den
Molkereikonzernen Berglandmilch im oberösterreichsichen Pasching und
der Nöm AG in Baden bei Wien dominiert wird, steht vor einer
Neuordnung. Nachdem Parmalat seit 2002 mit 25,1 Prozent an der Nöm
beteiligt ist, erwägt deren Mehrheitseigentümerin, die
Raiffeisenholding NÖ-Wien, angesichts der Parmalat-Insolvenz den
Rückkauf der Aktien. Holdingchef Erwin Hameseder: "Sollte der
zukünftige Parmalat-Eigentümer kein Konzept haben, das zur Nöm passt,
kaufen wir unsere Anteile zurück."
Um die Frage, was danach geschehen soll, wird schon jetzt viel
diskutiert. Denn seit dem Parmalat-Skandal wittern die Befürworter
der "österreichischen Milchlösung" Morgenluft. Sie sieht vor, dass
die beiden größten heimischen Molkereikonzerne Berglandmilch und Nöm
zusammengehen. Hintergrund: Die "Österreichlösung" war bereits vor
Jahren ventiliert worden, war damals jedoch gescheitert. Statt den
Oberösterreichern holte die Nöm lieber die Italiener an Bord.
Zoff im Raiffeisen-Sektor, der sich nun wiederholt: Die Wiener
plädieren massiv gegen die österreichische Lösung. Raiffeisen
Oberösterreich plädiert genauso massiv dafür. Raiffeisen-Holding-
Chef Erwin Hameseder gegenüber dem Standard: "Ich glaube nicht an die
österreichische Milchlösung. Wir sind zwar für Kooperationen mit
Bergland im Bereich des Vertriebs oder der Produktion offen, nicht
aber für eine eigentumsrechtliche Verschränkung." Eine Einstellung,
die auch andere Wiener Spitzenfunktionäre im Raiffeisen-Sektor
teilen. Einer von ihnen: "Die Nöm ist für alle großen europäischen
Milchkonzerne interessant. Die österreichische Lösung ist
auszuschließen."
Eine apodiktische Einstellung, die Ludwig Scharinger, den Chef der
Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, auf die Barrikaden bringt: "Ich
halte die österreichische Lösung für notwendig und sinnvoll. Wer für
die österreichischen Bauern etwas tun will, der muss für diese Lösung
sein. Die Molkereien sollen zusammengehen und gemeinsam am Markt
auftreten. Nur so können sie bestehen." Lose Kooperationen, wie sie
Hameseder erwägt, reichen Scharinger nicht: "Die kapitalmäßige
Verschränkung ist unabdingbar."
Für Zwist ist also gesorgt - nur in den beiden Unternehmen selbst
herrscht noch Ruhe. Nöm-Chef Alfred Berger: "Eine österreichische
Lösung hätte Charme, aber wir sind auch alleine gut unterwegs." Und
Bergland-Chef Josef Braunshofer: "Wir schließen keine Variante aus.
Aber derzeit ist das für uns kein Thema."
OTS0218 2004-01-14/17:00
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