WirtschaftsBlatt-Kommentar Die Brautschau kommt der BA-CA zu Gute

von Angelika Kramer

Wien (OTS) - Für die deutschen Banken ist die Zeit der Brautschau angebrochen. Erstmals gibt HVB-Chef Dieter Rampl eine öffentliche Heirats-Annonce auf - einzige Bedingung: Die Braut soll aus Deutschland kommen. Damit entspricht er dem Wunsch der Bundesregierung, den Finanzplatz Deutschland zu erhalten und Begehrlichkeiten von ausländischen Instituten hintanzuhalten.

Denn die enormen Kursverluste der Grossbanken, die bis ins Jahr 2003 angedauert haben, haben sie zu interessanten und - infolge der meist dünnen Eigenkapitaldecke auch wehrlosen - Übernahmeobjekten gemacht. Die Citigroup, die Schweizer UBS, die Credit Suisse oder die Royal Bank of Scotland sollen bereits eifrig das Terrain sondieren.

In Deutschland zittert man also vor einer Invasion der Auslandsbanken und setzt alle Hebel in Bewegung, dem entgegen zu steuern. Hierzulande kann man sich zurücklehnen und über derlei Ängste nur schmunzeln: Der Finanzplatz Österreich ist seit geraumer Zeit Spielball ausländischer, sprich deutscher Interessenten. Die Bank Austria kann ein Lied davon singen. Sie ist seit 2000 nur noch Marionette der HVB und deren Launen und Wendungen ausgesetzt - wie jüngst auch beim geplatzten Verkauf der Schoeller-Bank zu sehen war.

Nach gut drei Jahren bayerischer Herrschaft in Österreichs grösster Bank ist das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, gelinde gesagt, unterkühlt.
Die BA-CA kann von einer Fusion der Mutter nur profitieren. Denn sie wäre dann endlich aus der Schusslinie Rampls, der sich auf Wichtigeres konzentrieren müsste als auf die Feindschaft zwischen München und Wien.

Fällt die Wahl wirklich auf eine deutsche Braut, hätte die BA-CA ausserdem in Osteuropa nichts zu befürchten. Kein deutsches Institut - nicht einmal die Deutsche Bank - kann der BA-CA im Osten das Wasser reichen. Auch für die BA-CA-Kunden ist eine neuerliche Umstellung nicht mehr allzu schwierig. Vor allem Kunden der Creditanstalt haben schon Übung, sich auf ein neues Gegenüber einzustellen. Ob die Bankzentrale letztendlich in München oder Frankfurt ist, ist einem Kunden in Grammatneusiedl egal.

Noch ein weiteres Plus kommt bei einer raschen Fusion hinzu: Der Kostenfaktor. Denn die Filialen, die noch immer unter Creditanstalt firmieren, könnten dann direkt umbenannt werden, beispielsweise in DB-HVB-BA-CA-Filialen .

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