• 14.01.2004, 16:54:30
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WirtschaftsBlatt-Kommentar Die Brautschau kommt der BA-CA zu Gute

von Angelika Kramer

Wien (OTS) - Für die deutschen Banken ist die Zeit der Brautschau
angebrochen. Erstmals gibt HVB-Chef Dieter Rampl eine öffentliche
Heirats-Annonce auf - einzige Bedingung: Die Braut soll aus
Deutschland kommen. Damit entspricht er dem Wunsch der
Bundesregierung, den Finanzplatz Deutschland zu erhalten und
Begehrlichkeiten von ausländischen Instituten hintanzuhalten.

Denn die enormen Kursverluste der Grossbanken, die bis ins Jahr
2003 angedauert haben, haben sie zu interessanten und - infolge der
meist dünnen Eigenkapitaldecke auch wehrlosen - Übernahmeobjekten
gemacht. Die Citigroup, die Schweizer UBS, die Credit Suisse oder die
Royal Bank of Scotland sollen bereits eifrig das Terrain sondieren.

In Deutschland zittert man also vor einer Invasion der
Auslandsbanken und setzt alle Hebel in Bewegung, dem entgegen zu
steuern. Hierzulande kann man sich zurücklehnen und über derlei
Ängste nur schmunzeln: Der Finanzplatz Österreich ist seit geraumer
Zeit Spielball ausländischer, sprich deutscher Interessenten. Die
Bank Austria kann ein Lied davon singen. Sie ist seit 2000 nur noch
Marionette der HVB und deren Launen und Wendungen ausgesetzt - wie
jüngst auch beim geplatzten Verkauf der Schoeller-Bank zu sehen war.

Nach gut drei Jahren bayerischer Herrschaft in Österreichs
grösster Bank ist das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, gelinde
gesagt, unterkühlt.
Die BA-CA kann von einer Fusion der Mutter nur profitieren. Denn sie
wäre dann endlich aus der Schusslinie Rampls, der sich auf
Wichtigeres konzentrieren müsste als auf die Feindschaft zwischen
München und Wien.

Fällt die Wahl wirklich auf eine deutsche Braut, hätte die BA-CA
ausserdem in Osteuropa nichts zu befürchten. Kein deutsches Institut
- nicht einmal die Deutsche Bank - kann der BA-CA im Osten das Wasser
reichen. Auch für die BA-CA-Kunden ist eine neuerliche Umstellung
nicht mehr allzu schwierig. Vor allem Kunden der Creditanstalt haben
schon Übung, sich auf ein neues Gegenüber einzustellen. Ob die
Bankzentrale letztendlich in München oder Frankfurt ist, ist einem
Kunden in Grammatneusiedl egal.

Noch ein weiteres Plus kommt bei einer raschen Fusion hinzu: Der
Kostenfaktor. Denn die Filialen, die noch immer unter Creditanstalt
firmieren, könnten dann direkt umbenannt werden, beispielsweise in
DB-HVB-BA-CA-Filialen .

OTS0215    2004-01-14/16:54

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