Bioethikkommission: Beratungen zur Präimplantationsdiagnostik noch nicht abgeschlossen

Wien (OTS) - Die österreichische Bioethikkommission hat in ihrer heutigen Sitzung ihre Beratungen zu Fragen der Präimplantationsdiagnostik fortgesetzt, aber noch nicht abgeschlossen.

Die Kommission erarbeite derzeit einen detaillierten Text, so der Kommissionsvorsitzende UnivProf. DDr. Johannes C. Huber. In der heutigen Sitzung ist für einzelne Detailfragen eine Arbeitsstruktur durch Einsetzung von Arbeitsgruppen eingerichtet worden. Die Ergebnisse dieser Beratungen werden in weiterer Folge in das Gesamtdokument eingebaut werden.

Neben Übereinstimmung in vielen wissenschaftlichen, rechtlichen und ethischen Argumenten zeichnet sich nach Ansicht von UnivProf. DDr. Huber - vorbehaltlich noch näherer Prüfung - Konsens zu folgenden Punkten ab: Schon das geltende Fortpflanzungsmedizingesetz erlaubt eine Untersuchung und Behandlung sogenannter entwicklungsfähiger Zellen insoweit, als dies nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Erfahrung zur Herbeiführung einer Schwangerschaft erforderlich ist. Daraus folge, so der Kommissionsvorsitzende, dass eine präimplantatorische Diagnostik in zwei Fallkonstellationen rechtlich möglich, aber auch ethisch akzeptabel erscheine: Einerseits, wenn auf Grund eines genetischen Defekts schon die Entwicklungsfähigkeit dieser Zellen (extra-uterin) zu verneinen sei, also nicht einmal eine Implantierung und damit ein erfolgreicher Schwangerschaftsbeginn möglich ist. Andererseits, wenn ein genetischer Defekt so schwer ist, dass dies (in utero) nicht zu einer (letztendlich erfolgreichen) Schwangerschaft mit dem Ergebnis einer Geburt führe. In solchen Konstellationen könne sich die Kommission unter bestimmten Voraussetzungen des Zuganges und unter gewissen rechtlichen, organisatorischen und verfahrensmäßigen Vorkehrungen eine PID als ethisch akzeptabel vorstellen. Die entsprechenden Diskussionen seien aber noch zu finalisieren.

Die ethische Beurteilung der PID bei jenen Indikationen, die bei denen nach heutiger Praxis häufig eine pränatale Diagnose durchgeführt wird, bedarf nach Meinung von UnivProf. DDr. Huber noch intensiverer Beratungen, wobei hier auch unterschiedliche Positionen in der Kommission vorstellbar sind.

"Die wissenschaftlichen, rechtlichen und vor allem ethischen Fragen sind aber noch nicht abschließend behandelt", erklärte der Kommissionsvorsitzende. Dieser Diskurs dürfe auch nicht voreilig beendet werden.

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