- 14.01.2004, 16:16:25
- /
- OTS0206 OTW0206
Bioethikkommission: Beratungen zur Präimplantationsdiagnostik noch nicht abgeschlossen
Wien (OTS) - Die österreichische Bioethikkommission hat in ihrer
heutigen Sitzung ihre Beratungen zu Fragen der
Präimplantationsdiagnostik fortgesetzt, aber noch nicht
abgeschlossen.
Die Kommission erarbeite derzeit einen detaillierten Text, so der
Kommissionsvorsitzende UnivProf. DDr. Johannes C. Huber. In der
heutigen Sitzung ist für einzelne Detailfragen eine Arbeitsstruktur
durch Einsetzung von Arbeitsgruppen eingerichtet worden. Die
Ergebnisse dieser Beratungen werden in weiterer Folge in das
Gesamtdokument eingebaut werden.
Neben Übereinstimmung in vielen wissenschaftlichen, rechtlichen
und ethischen Argumenten zeichnet sich nach Ansicht von UnivProf.
DDr. Huber - vorbehaltlich noch näherer Prüfung - Konsens zu
folgenden Punkten ab: Schon das geltende Fortpflanzungsmedizingesetz
erlaubt eine Untersuchung und Behandlung sogenannter
entwicklungsfähiger Zellen insoweit, als dies nach dem Stand der
medizinischen Wissenschaft und Erfahrung zur Herbeiführung einer
Schwangerschaft erforderlich ist. Daraus folge, so der
Kommissionsvorsitzende, dass eine präimplantatorische Diagnostik in
zwei Fallkonstellationen rechtlich möglich, aber auch ethisch
akzeptabel erscheine: Einerseits, wenn auf Grund eines genetischen
Defekts schon die Entwicklungsfähigkeit dieser Zellen (extra-uterin)
zu verneinen sei, also nicht einmal eine Implantierung und damit ein
erfolgreicher Schwangerschaftsbeginn möglich ist. Andererseits, wenn
ein genetischer Defekt so schwer ist, dass dies (in utero) nicht zu
einer (letztendlich erfolgreichen) Schwangerschaft mit dem Ergebnis
einer Geburt führe. In solchen Konstellationen könne sich die
Kommission unter bestimmten Voraussetzungen des Zuganges und unter
gewissen rechtlichen, organisatorischen und verfahrensmäßigen
Vorkehrungen eine PID als ethisch akzeptabel vorstellen. Die
entsprechenden Diskussionen seien aber noch zu finalisieren.
Die ethische Beurteilung der PID bei jenen Indikationen, die bei
denen nach heutiger Praxis häufig eine pränatale Diagnose
durchgeführt wird, bedarf nach Meinung von UnivProf. DDr. Huber noch
intensiverer Beratungen, wobei hier auch unterschiedliche Positionen
in der Kommission vorstellbar sind.
"Die wissenschaftlichen, rechtlichen und vor allem ethischen
Fragen sind aber noch nicht abschließend behandelt", erklärte der
Kommissionsvorsitzende. Dieser Diskurs dürfe auch nicht voreilig
beendet werden.
OTS0206 2004-01-14/16:16
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBK