• 12.01.2004, 17:25:19
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DER STANDARD-Bericht "Progression frisst Entlastung" von Eric Frey

Ausgabe vom 13.1.2004

Wien (OTS) - Progression frisst Entlastung

Unveränderter Spitzensteuersatz wird für Besserverdiener teuer

Eric Frey

Wien - Wie schon bei der letzten Steuerreform der großen Koalition
verzichtet die schwarz-blaue Regierung da^rauf, am Spitzensteuersatz
von 50 Prozent zu rütteln. Österreich bleibt damit im europäischen
Mittelfeld, auch wenn der vergleichbare Satz in Deutschland am 1.
Jänner 2004 von 51,2 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag) auf
47,5 Prozent gesunken ist.

Problematisch aber ist die Tatsache, dass der Schwellenwert für die
höchste Einkommenssteuerstufe seit 1989 unverändert gelassen wurde.
Da allein durch die Inflation das nominelle Einkommen von Jahr zu
Jahr steigt, fallen immer mehr Österreicher in diese Steuerkategorie
und müssen einen wachsenden Anteil ihres Einkommens zu 50 Prozent
versteuern. Diese "kalte Progression" bedeutet, dass ein
Arbeitnehmer, der 1989 gerade 700.000 Schilling (50.871 Euro)
steuerpflichtiges Einkommen - also nach Abzug der
Sozialversicherungsabgaben - hatte und daher vom Spitzensteuersatz
nicht betroffen war, heute allein durch Inflationsabgeltung 70.135
Euro verdient, und für knapp 20.000 Euro Einkommen 50 Prozent Steuern
zahlt (siehe Grafik). Seine Steuerlast ist daher um 3249 Euro
gestiegen, sein durchschnittlicher Steuersatz von 33 auf knapp 38
Prozent, zeigen Berechnungen des Wirtschaftsprüfers BDO Auxilia.

Diese "kalte Progression" frisst für diesen Arbeitnehmer - etwa ein
leitender Angestellter mit 6.500 Euro Monatsgehalt - auch die
Entlastung der Steuerreform 2005 von 165,30 Euro auf. Seine
Steuerrechnung steigt um 15 Euro, in den folgenden Jahren dann
deutlich stärker. "Dazu gehören viele jüngere Akademiker in der
zweiten Managementebene, und diese Leistungsträger werden bei den
Steuerreformen immer ausgelassen", klagt Karl Bruckner von BDO
Auxilia.

Insgesamt erhöht die "kalte Progression" die Steuereinnahmen des
Fiskus um rund 100 Mio. Euro im Jahr. Für alle niedrigeren
Einkommensstufen wird diese Mehrbelastung regelmäßig abgegolten -
auch 2005 geschieht das wieder. Ursprünglich hatte Karl-Heinz Grasser
eine Erhöhung des Schwellenwertes in Aussicht gestellt, dann aber
offenbar zugunsten der Senkung der Unternehmenssteuern

OTS0181    2004-01-12/17:25

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