Gerechtigkeit für alle Nacht- und Schwerarbeiter!

OÖ. SP-Landeschef Erich Haider und NR Dietmar Keck fordern "Nachtschwerarbeitsgesetz-NEU"

Linz (OTS) - Eine Neufassung des Nachtschwerarbeitsgesetzes
(NSchG) fordern SPÖ-Landesparteichef LH-Stv. Erich Haider und der SPÖ-Abgeordnete zum Nationalrat Dietmar Keck. Der Anspruch auf Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge und Sonderruhegeld muss sowohl auf Nachtarbeit als auch auf Schwerarbeit ausgedehnt werden. Die Bestimmungen des Nachtschwerarbeitsgesetzes sollen auf alle ArbeitnehmerInnenn, die über einen längeren Zeitraum Nachtarbeit oder Schwerarbeit verrichten, ausgeweitet werden.

Derzeit werden vom Gesetz nur jene erfasst, die sowohl Schwerarbeit als auch Nachtarbeit verrichten. Wer "nur" Schwerarbeit leistet, oder "nur" Schichtarbeit, wird nicht erfasst. Das bedeutet, dass von 338.400 ArbeitnehmerInnen, die regelmäßig Nachtarbeit verrichten und 487.200, die regelmäßig "schichteln", nur knapp über 15.000 in ganz Österreich und rund 6.700 in Oberösterreich das Gesetz in Anspruch nehmen können.

"Wenn man von gerechten Pensionen ausgeht, kann nur eine allgemein gültige gesetzliche Regelung, im Stil des NSchG, die gleichzeitig auf die individuelle Arbeitsbelastung Rücksicht nimmt, eine gerechte Lösung darstellen. Wir fordern ein NSchG-Neu, das einen ausreichenden, früheren Pensionsantritt ermöglicht, und auch jene

mit einschließt, die "nur" schwer oder "nur" in Schicht arbeiten!", stellen Erich Haider und Dietmar Keck fest.

Dietmar Keck hat das Thema im Parlament bereits wiederholt angeschnitten und eine Neuregelung gefordert, bisher ohne Reaktion. Zuletzt hat er Ende 2003 einen diesbezüglichen Entschließungsantrag eingebracht. Werden die Forderungen daraus umgesetzt, können rund 500.000 Nacht- und Schichtarbeiter zusätzlich das Gesetz in Anspruch nehmen.

Die Fakten:

Wer seinen Lebensunterhalt durch Schicht- oder Schwerarbeit verdienen muss, für den sieht die Pensions-Zukunft wegen der Schüsselschen Rentenpolitik ganz und gar nicht rosig aus.

Belege dazu liefern Expertisen und Berechnungen von Arbeitsmedizinern. Demnach ist die Lebenserwartung jener, die über einen längeren Zeitraum Schwer- oder Schichtarbeit verrichten, deutlich geringer als die anderer ArbeitnehmerInnen. Während die allgemeine Bevölkerungsstatistik davon spricht, dass die ÖsterreicherInnen im Mittel rund 78 Jahre alt werden, so legen Arbeitsmediziner diese Grenze bei den Schwer- und Schichtarbeitern mit nur 63 Jahren fest.

Wie schwer die Belastung durch Schichtarbeit ist, zeigt sich am Beispiel betrieblicher Berechnungen. Dort liegt das mittlere Todesalter bei 70,8 Jahren, bei SchichtarbeiterInnen bei 60 Jahren!

Keck: Kein Erleben der Pension

Dietmar Keck : "Diese Berechnungen bestätigen damit, dass die

letzte Pensionsreform vielfach bedeutet, dass die Pension nicht erlebt wird. Jene, die man in Vorwahlzeiten immer wieder als die Leistungsträger unserer Gesellschaft bezeichnet, werden dafür bestraft, dass sie früher als andere ins Erwerbsleben eintreten, sich schinden und Gefahren in Kauf nehmen, die andere nur aus der Berichterstattung über so manchen Ar- beitsunfall kennen".

Maßnahmen wie Härtefonds oder sogenannte "Hacklerregelungen" für ein paar wenige, von Schwarz-Blau auserwählte Berufsgruppen stellen, so der Voest-Personalvertreter, in diesem Zusammenhang keine Verbesserung dar.

487.200 "schichteln" regelmäßig

Rund 16 Prozent aller unselbständig Beschäftigten verrichten Schichtarbeit.
Das sind 487.200 Frauen und Männer, die regelmäßig Schicht-, Turnus-oder Wechseldienst verrichten. 11.500 "schichteln" saisonal, 82.800 gelegentlich.

338.400 leisten regelmäßig Nachtarbeit

338.400 Frauen und Männer verrichten regelmäßig Nachtarbeit ( 22 Uhr-6 Uhr). 15.300 müssen saisonal in der Nacht arbeiten, 311.300 gelegentlich.
Das sind insgesamt 665.000 ArbeitnehmerInnen.

Vom Nachtschwerarbeitsgesetz werden allerdings nur 15.205 in ganz Österreich und 6.709 in Oberösterreich berücksichtigt.

Nachtarbeit ist immer Schwerstarbeit
Schwerstarbeit findet auch am Tag statt

Im Nachtschwerarbeitsgesetz (NSchG) sind Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge und ein Sonderruhegeld für "Arbeitnehmer, die Nachtschwerarbeit leisten" geregelt. Doch nicht nur Nachtschwerarbeit sondern sowohl Nacht-arbeit als auch Schwerarbeit erhöht - über einen langen Zeitraum ausgeübt - das Gesundheitsrisiko und verkürzt die Lebenserwartung. Diese Tatsache ist arbeitsmedizinisch unbestritten.

Zwei arbeitswissenschaftliche Expertisen zu Schwerstarbeit und zu Nachtarbeit von Univ. Lektor Dr. Rudolf Karazman (Arzt für Arbeitsmedizin, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie sowie Psychotherapeut) dokumentieren das besonders anschaulich. Sein Fazit:
Nachtarbeit ist immer Schwerstarbeit. Schwerstarbeit findet auch am Tag statt.

Dokumentiert wird neben der enormen gesundheitlichen Belastung der Nachtschichtarbeiter auch die extrem negativen Auswirkungen auf die private Lebensqualität und das soziale Umfeld.
Verbunden ist die Schichtarbeit oft mit einem niedrigeren sozialen Status im Unternehmen und ausschluss von MitarbeiterInnengesprächen bzw. Fortbildung. Die Wahrscheinlichkeit bzw. das Risiko, dass neben Nachtschwerarbeitern auch Nachtarbeiter und Schwerarbeiter das Regelpensionsalter gar nicht erreichen und ihr gesamtes Arbeitsleben umsonst Pensionsversicherungsbeiträge einbezahlt haben, ist unbestreitbar sehr hoch.

Dramatisch niedrigere Lebenserwartung

Auch die Erfahrungen aus der betrieblichen und industriellen Praxis zeigen, dass Nachtarbeiter und Schwerarbeiter eine dramatisch niedrigere Lebenserwartung und ein um ein vielfaches höheres Erkrankungsrisiko haben als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Deshalb müssen auch diese Arbeitnehmer unter die Gesundheitsvorsorgemaßnahmebestimmungen und die Sonderruhegeld-Regelungen des NSchG fallen.

Arbeitsmedizinische Erkenntnisse und betriebliche Sterbestatistiken machen diese Ausdehnung des Adressatenkreises des NSchG zwingend erforderlich, wenn man nicht Nacht- und Schwerarbeitern ihre Ansprüche auf die Leistungen aus der Pensionsversicherung vorenthalten will.

Finanzierung aus höheren Unternehmensbeiträgen

Das Prinzip des Gesetzes ist, dass der Betrieb eines/einer Beschäftigen für die Zeit, in der dieser Nachtschwerarbeit verrichtet, höhere Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung zu zahlen hat. Daraus wird finanziert, dass die Betroffenen früher in Pension gehen können.
Die Erweiterung des NSchG würde höhere Kosten für die Wirtschaft bedeuten, die jedoch aus der durch Nacht- und Schwerarbeit zusätzlich erwirtschafteten Wertschöpfung finanziert werden können.

Fast überall im europäischen Ausland ist übrigens der vorzeitige Pensionsantritt für ArbeitnehmerInnen mit belastender Schwerstarbeit möglich. So in Spanien vor dem 65. Lebensjahr, in Portugal ab 55, in Dänemark in Ausnahmefällen ab 50, in Finnland, in Griechenland usw.

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