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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Aktien sind Schmerzensgeld: Erst die Schmerzen, dann das Geld" (Von Robert Zechner)

Ausgabe vom 9.1.2004

Graz (OTS) - Gerade noch geprügelt, feiern die Börsen schon
wieder Höchststände.

Lustig waren sie nicht. Die "Anleger-Abende" der Banken mutierten in
den letzten Jahren zum Gruseltheater. Um die schockgefrorene
Stimmung im Publikum aufzutauen, griffen selbst stocksteife
Anlageberater in Mark Twains verstaubte Witzkiste: "Wie man weiß,
ist der Oktober ein gefährlicher Börse-Monat. Weitere gefährliche
Monate für Aktionäre sind der November und Dezember sowie Jänner bis
September." Zum Brüllen.

Wenn Banker scherzen, muss die Lage ernst sein. Der Mann auf der
Bühne durfte kein Mitleid erwarten. Schließlich war er es, der einem
vor vier oder fünf Jahren diesen Aktienfonds wärmstens empfohlen
hatte.

Das war damals ziemlich genau der Zeitpunkt, als die Aktienmärkte
ihre Höchststände feierten. Danach ging es in den Keller.
Bunkerstimmung.

Bei den regelmäßigen "Anleger-Abenden" projizierten die Projektoren
keine Aufwärtskurven. Stattdessen spiegelten die Börsen die
dramatische Stagnation der Weltwirtschaft wider. Während der
Anlageberater seine Liebe zu "Garantieprodukten mit
Kapitalsicherung" entdeckte, klammerte sich der geprügelte
Kleinanleger an die blanke Statistik: Vier Abschwungjahre in Folge
hatte es noch nie gegeben.

Doch als dann auch 2003 mit Kursstürzen begann, schmissen Aktionäre
und Fondsanleger die Nerven weg. Und ihre Wertpapiere. Weg mit dem
Schrott. Aktien? Nie wieder.

Das war dann ziemlich genau der Zeitpunkt, als die Börsen ihre
Tiefststände beklagten. Seit April geht es bergauf. Und wie. Der oft
belächelte ATX der Wiener Börse legte 2003 um satte 37 Prozent zu.
Gestern erreichte der Wiener Index sogar ein neues Allzeithoch. Soll
heißen: Seit der Einführung des ATX im Jahr 1991 waren die im Index
zusammengefassten Aktien noch nie so viel wert. Wäre man bloß nie
ausgestiegen.

Börsenkurse drücken stets eine Erwartungshaltung aus. Die Kursrally
an den Aktienmärkten unterstreicht also das Vertrauen in einen
nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung. Die ewigen Skeptiker freilich
warnen bereits vor einer Überhitzung der Märkte. Absturzgefahr? Dass
die Miesmacher oft richtig liegen, zeigt der alte ATX-Höchststand
vom Mai 1998. Der Wiener Leitindex purzelte damals nach seinem
Gipfelsturm innerhalb weniger Wochen 35 Prozent in die Tiefe.

Was aber hat der Anleger bei seiner jüngsten Fahrt auf der Börse-
Hochschaubahn gelernt? Aktien sind langfristige Investments. Ihr
Anlageberater formuliert das freilich viel lustiger und zitiert Guru
Andre Kostolany: "Aktien sind Schmerzensgeld. Zuerst kommen die
Schmerzen, dann das Geld." ****

OTS0172    2004-01-08/20:21

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