SPÖ-Neujahrskonferenz: Diskussion zum Thema "Zukunft - Jugend - Chancen" (2)

Wien (SK) "Das Schulsystem muss politisiert werden, denn außerhalb von Sälen wie diesen kann man den Eindruck gewinnen, dass Bildungspolitik nicht die Bedeutung erfährt, die ihr zukommt", sagte Günter Haider, Leiter der Zukunftskommission des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur bei der SPÖ-Neujahrskonferenz am Donnerstag. Weiters diskutierten der SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser, Günter Steindl (Sekretär des Vorsitzenden der Gewerkschaft Metall und Textil) und Romana Brait (Bildungsschulsprecherin der AKS), die unter anderem scharfe Kritik am Selektionsmodell des österreichischen Bildungssystems übte und sich für mehr Schuldemokratie aussprach. Die Moderation übernahm SPÖ-Jugendsprecherin Gabriele Heinisch-Hosek.****

Im letzten Wahlkampf 2002 hatten in den bildungspolitischen Diskussion Themen wie die "Frühpensionierung von Lehrern" oder "Stundenkürzungen im Schulbereich" Priorität, erinnerte Haider an das Ergebnis einer inhaltspolitischen Analyse einer sechs Stunden langen Diskussion. Die Politik müsse sich jedoch der "großen Themen" im Bildungsbereich annehmen, so Haider. "Die Fragen der Quantität der Schulen standen im Mittelpunkt der 1970er Jahre und sind jetzt abgeschlossen", klärte Haider auf. Die Themen der Schulpolitik müssten sich unter anderem um die Fragen des lebenslangen Lernens, um das Erreichen von optimalen Qualitätsstandards und der Modernisierung und Verbesserung des Unterrichts orientieren, brachte Haider seine Meinung auf den Punkt.

Notwendig seien Qualitätsstandards, wobei die Qualität der Schulen "durch Motivation, Feedback und Vorbilder" verbessert werden könne, so Haider. Vergleichsstudien wie die PISA-Studie, die die Grundkompetenzen der Schüler erheben und klarstellen, was "nach neun bis zwölf Jahren Schule übrig bleibt", gibt es seit den 1970er Jahren, - "Österreich liegt laut PISA im Mittelfeld, hat jedoch sehr hohe Ausgaben," sagte Haider und fügte bei, dass dieses Ergebnis unterstreiche, dass "die Organisation nicht optimal" sei. Laut PISA-Studie gebe es am Ende der Pflichtschulzeit fünf Prozent Analphabeten und 16 Prozent der Schulabgänger sind schlechte Leser, erinnerte Haider an die Ergebnisse der Studie. "Diese Menschen sind im Prozess des lebenslangen Lernen nicht integriert", so Haider. Laut AMS blieben viele Arbeitsuchende auf der Strecke, da es an den Grundkompetenzen mangle und "Lehrlinge werden aus diesem Grund von Unternehmen auch wieder zurückgeschickt", machte Haider auf die Auswirkungen mangelnder Grundkompetenzen aufmerksam.

Romana Brait kritisierte vor allem den Selektionsmechanismus, der das heimischen Schulsystem dirigiere, aussortiere und keine Chancengleichheit zulasse. Auch die Trennung in AHS-Unterstufe und Hauptschule sei mit zehn Jahren zu früh, so Brait - "Wer entscheidet sind die Eltern und nicht die Kinder." 90 Prozent der SchülerInenn, die die AHS-Unterstufe besuchen, würden die Matura machen während 85 Prozent der HauptschülerInnen danach keinen gymnasialen Schulweg mehr einschlagen, stellte Brait die Unterschiede dar. Die Gesamtschule sei zwar kein Allheilmittel, dennoch sei sie auch kein "Einheitstopf", wie di ÖVP behaupte, fuhr Brait fort und untermauerte ihr Statement mit einem Verweis auf den PISA-Sieger Finnland, der das Gegenteil demonstriere. "Jeder und jede SchülerIn muss die gleiche Chance zur Förderung bekommen und die Möglichkeit haben, sich zu entfalten", appellierte Brait, weshalb sie "flächendeckende Integrationsklassen" als notwendigen Schritt für den Abbau von Selektionsmechanismen nannte.

Auch das System der Ganztagsschule sei vorteilhaft, so Brait: "Es gibt flexiblere Unterrichtszeiten und die Mütter schaffen den Wiedereinstieg ins Berufsleben leichter und müssen sich keine teuren Tagesmütter leisten". Zudem würde die Ganztagsschule auch der steigenden Anzahl der Einzelkinder entgegenkommen, da sie ihre sozialen Kontakte zu anderen Kindern ausweiten könnten, zeigte sich Brait überzeugt.

"Momentan herrscht das Prinzip, wer zahlt schafft an", so Brait -"Dem muss die gelebte Demokratie entgegengesetzt werden." Im jetzigen System lerne man, "wie man den Mund hält", stellte Brait klar. Man könne weder bei den Stundenplänen, noch bei den Lehrplänen oder dem Einsatz der neuen Unterrichtsmedien mitbestimmen, lautete ihre Kritik. Auch der in den Unterrichtsstunden vorherrschende Frontalunterricht sei kein demokratisches Prinzip, weshalb sie sich für die Einsetzung eines Klassenrates aussprach. In diesem System sollten SchülerInnen und LehrerInnen zusammenarbeiten, gemeinsame Entscheidungen treffen. Auch direkt gewählte SchulsprecherInnen seien notwendig, die im Schulforum mitdiskutieren könnten. In diesem Zusammenhang wies Brait darauf hin, dass auf Initiative der AKS gemeinsam mit dem Stadtschulrat von Wien ein Ombudsmann eingesetzt wurde, der sich großer Beliebtheit erfreue, schloss Brait. (Schluss) gg

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