"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Scheinheilig" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 08.01.2004

Wien (OTS) - Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, und schon zeigen ÖVP und die von ihr dominierte Regierung demonstrativen Arbeitseifer. Zehn "große Aufgaben" hat sich die Volkspartei bei ihrer gestrigen Klausur vorgenommen, darunter so nebulose wie das "Erarbeiten des Aufschwungs".
Bereits übermorgen wird dann in Salzburg eine "Steuerreformklausur" stattfinden. Die "Arbeitssitzung" wird allerdings nur ganze drei Stunden dauern, dann stehen Presseinformation und Mittagessen auf dem Programm. "Eventuell" wird dann am Nachmittag weiter gearbeitet -sicher ist das nicht, obwohl es laut Finanzminister Grasser um die "größte Strukturreform" der zweiten Republik geht. Ein Schelm, wer bei solchen Terminen nicht an ernste Arbeit, sondern nur an öffentlichkeitswirksame Aktionitis denkt.
Ein Schelm natürlich erst recht, wer die Annullierung der kirchlichen Erst-Ehe der Frau Außenminister und die kürzlich erfolgte Bekanntgabe ihrer kirchlichen (Wieder-)Verheiratung (nach immerhin zehn Jahren standesamtlich beglaubigten Zusammenlebens) mit ihrer Präsidentschafts-Kandidatur in Zusammenhang bringt. Für eine reine PR-Aktion hätten sich gewiss weder der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser noch Nationalratspräsident Andreas Khol als Trauzeuge hergegeben.
Nein, all das hat nichts mit Scheinheiligkeit und dem Vortäuschen von Arbeitseifer zu tun. Es wird ernst gearbeitet und aus tiefster Überzeugung annulliert und kirchlich geheiratet. Und wer’s glaubt, wird eventuell wirklich selig.

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