DER STANDARD-Bericht "Spendenfreudigkeit nahm ab" von Martina Salomon

Ausgabe vom 23.12.2003

Wien (OTS) - Spendenfreudigkeit nahm ab

Rückläufig sind heuer die Spenden. Die karitativen Organisationen führen das auf die Wirtschaftskrise zurück. Politisch wollen sie sich auch weiterhin zu Wort melden.

Martina Salomon

Wien - Ein "Minus von sieben Prozent" stellt Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Roten Kreuzes bei den Spenden an seine Organisation fest. Der Rückgang betreffe vor allem die internationale Arbeit. Ähnlich ist auch die Caritas betroffen: minus fünf bis zehn Prozent, aber leichte Entspannung in den letzten zwei Monaten.

Selbst bei der erfolgsverwöhnten ORF-Aktion "Licht ins Dunkel" räumt Geschäftsführerin Christine Tschürtz (ungern) ein, dass es heuer wohl keinen Rekord geben wird, auch wenn sie noch auf den Heiligen Abend hofft, wo traditionell groß eingenommen wird. Bei der "Gala", der alljährlichen Auftaktsendung für die Aktion, flossen 2002 jedenfalls um 80.000 Euro mehr in die "Licht ins Dunkel"-Kasse als heuer, und auch die Sport-Versteigerung blieb unter dem Vorjahresergebnis. Geschrumpft sind weniger die Firmenunterstützungen als Kleinspenden.

Sowohl bei Caritas als auch beim Roten Kreuz sieht man die Rückgänge in Zusammenhang mit steigender Unsicherheit durch Wirtschaftskrise und Pensionsreform. Und außerdem seien heuer Naturkatastrophen ausgeblieben, die immer zu einem sprunghaften Anstieg der Spendenbereitschaft führen (siehe Grafik).

Je älter, desto spendenfreudiger sind die Österreicher, hat das Linzer Marktforschungsinstitut market erhoben. Der leichte Rückgang spiegelt sich auch in der neuesten Umfrage im Dezember ’03 wieder. So hat die Caritas zum Beispiel für Obdachlose Mühe, Geld aufzutreiben. Dass ihre wiederholte Positionierung gegen die Regierungspolitik und für eine andere Asylpolitik Spendenrückgänge erzeugt haben könnte, glaubt die Leiterin für Fund Raising in der Caritas Wien, Bettina Riha-Fink, aber nicht.

Sogar das Rote Kreuz hat sich kürzlich entgegen der bisher geübten Zurückhaltung politisch geäußert und einen "Sozialdienst" (und zwar für Männer wie für Frauen) gefordert, sollte die Wehrpflicht fallen. Bis jetzt habe er dafür vor allem positive Rückmeldung erhalten, sagt der Generalsekretär. Wenn es um die Meinung zu einer "humanitären Notwendigkeit" gehe, werde man damit auch weiterhin nicht hinter den Berg halten. Schließlich werde die Zahl pflegebedürftiger Menschen sprunghaft steigen. Gleichzeitig, sagt Kopetzky, halte er viel von dem Gedanken, bei jungen Menschen ein "soziales Gespür" zu erzeugen.

Vielleicht spenden sie dann auch wieder mehr.

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