• 18.12.2003, 11:08:45
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Pharmig: Mogelpackung Chefarztpflicht

Statt sie ersatzlos zu streichen, wird die Chefarztpflicht auf die Ärzte verlagert. Für den Hauptverband bedeutet das mehr Bürokratie.

Wien (OTS) - Am 27. Oktober dieses Jahres war es soweit: Unter
medialem Beifall hat Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat das Aus
für die Chefarztpflicht verkündet. Doch jetzt zeigt sich: Die
Chefarztpflicht ist keineswegs abgeschafft, sondern sie wird nur von
den Patienten auf die Ärzte verlagert. In Zukunft werden die
Patienten nicht mehr im Büro des Chefarztes, sondern in der
Ordination des Arztes auf die Genehmigung ihrer Medikamente warten
müssen.

"Eine solche Regelung bringt dem Patienten keinerlei Vorteile",
kritisiert Pharmig-Geschäftsführer Erhard P. Geisler. "Der Chefarzt
entscheidet von seinem Schreibtisch aus, welche Medikamente der
Patient auf Kassenkosten bekommt und welche nicht - und das ohne den
Patienten je gesehen zu haben. Ein solche Situation ist wirklich
absurd. Darum ist die Pharmig für eine ersatzlose Abschaffung der
Chefarztpflicht - ohne wenn und aber."

Aussagen von Rauch-Kallat, wonach in Sachen Chefarztpflicht noch
nichts fixiert sei, kann Geisler nicht nachvollziehen. Immerhin
spricht der Gesetzestext der 61.ASVG-Novelle eine klare Sprache. Im
Paragraph 350, Abs. 3 heißt es nämlich:

"(3) Bedarf eine Arzneispezialität (...) um auf Rechnung eines
Krankenversicherungsträgers abgegeben werden zu können der ärztlichen
Bewilligung des chef- und kontrollärztlichen Dienstes der
Sozialversicherungsträger, so ist diese Bewilligung unbeschadet des
Bescheidrechtes des (der) Versicherten nach Paragraph 367 vom (von
der) verordnenden Arzt (Ärztin) einzuholen. Die Einholung der
Bewilligung darf nicht auf den Patienten (die Patientin) übertragen
werden."

Die Äußerungen der Ministerin, einem Bürokratieaufbau keinesfalls
zuzustimmen, werden vom Pharmig-Geschäftsführer begrüßt - allerdings
nicht ohne Skepsis. Ist doch zu hören, dass der Hauptverband 20 neue
Beamte einstellen will, um die neu geregelte Chefarztpflicht
bewältigen zu können. "Es kommt zu einem Bürokratieaufbau statt zu
einem Bürokratieabbau", bemängelt Geisler. "Dadurch werden die
Patienten noch länger auf innovative Medikamente warten müssen als
bisher."

OTS0074    2003-12-18/11:08

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PHA

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